Insider-Barometer
Insider glauben an Erholung

Eine bloße "Bärenmarktrally" mit anschließenden Verlusten sehen Deutschlands Top-Manager nicht. Sie kaufen wieder mehr Aktien ihres Unternehmens.Verkauft haben hingegen nur wenige, und wenn dann in relativ gerinem Volumina. Den auffälligsten und gleichzeitig in der Summe auch größten Kauf gab es bei SGL Carbon.

FRANKFURT. Bärenmarktrally oder anhaltende Erholung? Die alles bewegende Frage, die sich Börsianer nach vier Wochen Kurserholung stellen, beantworten Deutschlands Top-Manager eindeutig. Die Zeiten steigender Kurse haben sie dazu genutzt, um auch wieder deutlich größere Kauforders am Markt zu platzieren als noch in der jüngsten Erhebung vor zwei Wochen. Verkauft haben hingegen nur wenige. Und wenn, dann waren die Volumina so, dass Anleger daraus nicht das Signal ziehen konnten, hier würde ein Vorstand oder Aufsichtsrat drohende Hiobsbotschaften aus dem Unternehmen zum rechtzeitigen Ausstieg nutzen.

"Dass es sich bei der Kurserholung der vergangenen Wochen nur um eine Bärenmarktrally mit anschließend neuen Verlusten handelt, glaubt von den Top-Managern anscheinend niemand", sagt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance. Das Insider-Barometer, das das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der Uni Aachen alle zwei Wochen gemeinsam mit Commerzbank Wealth Management berechnet, ist leicht um drei auf 166 Punkte gefallen. Darin geht der gewichtete Durchschnitt aller Käufe und Verkäufe der vergangenen drei Monate ein, die Vorstände, Aufsichtsräte und deren Angehörige an die Börsenaufsicht BaFin melden müssen. Ab Niveaus jenseits von 110 Punkten überwiegen die Käufe. Aktuell ist der Überhang besonders hoch.

Den auffälligsten und gleichzeitig in der Summe auch größten Kauf gab es bei SGL Carbon. Nahezu der komplette Vorstand um den Vorsitzenden Robert Koehler hat zuletzt Aktien des Grafitelektroden-Spezialisten gekauft. Darin eine Gegenreaktion auf die jüngsten negativen Analystenkommentare zu sehen, wäre allerdings falsch. Zwar haben die Top-Manager in der vergangenen Woche bei Durchschnittskursen von 18,53 Euro gekauft und können sich jetzt bereits über einen Kurs von 21 Euro freuen. "Das Ganze geschah jedoch im Rahmen eines Mitarbeiterprogramms und sollte deswegen nicht überinterpretiert werden" sagt Olaf Stotz. Analyst Stefan Burgstaller von Goldman Sachs hat sein Kursziel für die SGL-Aktie dagegen gerade erst von 20 auf 14,50 Euro herabgestuft und dies mit einem deutlich niedrigeren Gewinn je Aktie im kommenden Jahr begründet.

Bei IVG Immobilien hat mit Detlef Bierbaum ein Insider gekauft, der bis vor gut einem Jahr persönlich haftender Gesellschafter beim Bankhaus Sal. Oppenheim war und seither dort Aufsichtsrat ist. Interessant ist die Order deshalb, weil die Bank bei IVG selbst in größerem Umfang engagiert ist und Hintergrundwissen so vorhanden ist. Die IVG-Aktie selbst scheint nach tiefem Fall im vergangenen Jahr inzwischen ihren Boden gefunden zu haben, das zeigt zumindest der Chart der vergangenen Wochen. Analyst Bernd Stahli von Merrill Lynch lobt, dass das neue Management zumindest die bisherigen Probleme erkannt hat und die kurzfristige Liquidität über Fremdkapital wahrt. "Eine Kapitalerhöhung als offensichtliche Lösung ist aber bisher noch nicht angegangen", begründete er seine zurückhaltende Einschätzung.

Der größte Insider-Verkauf der vergangenen Wochen stammte von Fraport-Chef Wilhelm Bender. Langfristig sehen Analysten beim Frankfurter Flughafenbetreiber gute Chancen, kurzfristig sind sie eher zurückhaltend.

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