Insider-Barometer
Insider handeln gegen den Rat der Experten

Auch in den vergangenen beiden Wochen haben Vorstände und Aufsichtsräte Aktien in Millionenhöhe verkauft. Das Insider-Barometer könnte für Anleger schon bald ein allgemeines Signal zum Ausstieg aus dem Aktienmarkt geben.
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FRANKFURT. Die Liste der Top-Manager, die sich zuletzt in großen Stil von Aktien ihres Unternehmens getrennt haben, erhält neuen prominenten Zuwachs: Nachdem bereits bekannte Führungspersonen von Fresenius, Siemens, Pro Sieben Sat1, K+S, Gerresheimer und Tognum Kasse gemacht haben, sind in den vergangenen Wochen auch Vorstände und Aufsichtsräte von Axel Springer, Adidas, GfK und Cewe Color mit Beträgen in Millionenhöhe aus den jeweiligen Aktien ausgestiegen.

"Die Unternehmenslenker nutzen wie zuletzt die hohen Dax-Stände um 7000 Punkte, um die Gewinne auf ihre Positionen zu sichern", sagt Simon Bölinger vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der Uni Aachen. Sein Haus wertet gemeinsam mit Commerzbank Wealth Management alle zwei Wochen exklusiv für das Handelsblatt die Wertpapierorders von Vorständen, Aufsichtsräten und deren Angehörigen aus, die diese an die Börsenaufsicht BaFin melden müssen.

Damit steht das Handeln der Top-Manager weiter in krassem Widerspruch zu den Aussagen der Börsianer für das kommende Jahr. Die prophezeien fast komplett steigende Kurse und raten zum Einstieg. Diejenigen, die jedoch so nah an der Unternehmensentwicklung dran sind wie kein Anleger, verkaufen zumindest von einem Teil ihrer Aktien.

Das Insider-Barometer, das die Fifam aus allen Orders berechnet, ist in den vergangenen beiden Wochen noch einmal um sieben Punkte auf nun 91 Zähler gefallen. Zum Vergleich: Im Sommer, als noch kaum jemand den immensen Kursanstieg des zweiten Halbjahres erwartete, notierte das Insider-Barometer bei fast 180 Punkten und zeigte dabei größten Optimismus bei den Top-Managern. Jetzt könnte es gar bald schon unter die Marke von 90 Punkten fallen, glaubt Simon Bölinger. Ein generelles Verkaufssignal für den gesamten deutschen Aktienmarkt wäre die Folge.

Vorstände von Axel Springer verkaufen Aktien in Millionenhöhe

Die Gründe für die jeweiligen Verkäufe sind wie immer völlig unterschiedlich begründet und für Anleger dennoch hochinteressant. Beim Medienhaus Axel Springer haben sich neben Vorstandschef Mathias Döpfner mit Andreas Wiele und Rudolf Knepper zwei weitere Vorstände von Aktien getrennt. Fast 20 Millionen Euro haben die drei Top-Manager zusammen eingenommen. Die Papiere stammen aus einem seit 2004 laufenden Aktienoptionsprogramm, hieß es zur Begründung. Das sei Teil der Vergütung und laufe nun aus.

Döpfner und seine Kollegen haben sich zwar nur von einem Teil ihrer Aktien getrennt, das Kursplus von rund 50 Prozent in diesem Jahr dürfte jedoch den Fifam-Experten zufolge eine wesentliche Rolle beimVerkauf gespielt haben. Analysten sehen hingegen weiterhin beträchtliches Kurspotenzial. Axel Springer sei beispielsweise in den vergangenen Jahren mit einer starken Internetpräsenz deutlich vorangekommen und habe auch im klassischen nationalen Verlagsbereich die Profitabilität deutlich gesteigert, heißt es von den Analysten von Commerzbank Wealth Management. Hinzu kommt, dass das Unternehmen durch die Umplatzierung von 17,2 Prozent der Aktien faktisch schuldenfrei ist. "Die gestiegene Liquidität der Aktie dürfte das Interesse bei institutionellen Investoren und damit das Kurspotenzial beträchtlich erhöhen", ist man sich bei der Commerzbank sicher.

Die Post ist als Nachzügler im Dax für Insider attraktiv

Ähnlich ist die Situation bei Adidas. Dort hat Aufsichtsrat Christian Tourres ein weiteres Mal Aktien in Millionenhöhe verkauft. Das tat er bereits im Januar, September und November. Der Kursanstieg um rund 25 Prozent in den vergangenen Monaten war wohl ein neuer Anlass dafür. Bei Analysten ist die Adidas-Aktie hingegen weiter wohl gelitten. 23 von ihnen raten laut dem Informationsdienst Bloomberg zum Kauf, auch wenn die Aktie inzwischen wieder in Richtung ihres Allzeithochs von Anfang 2008 unterwegs ist. Nur sechs Experten sehen das als Grund zum Verkauf.

Auf der Gegenseite zeigt sich bei manch eine Aktie, die in diesem Jahr nichts vom allgemeinen Aufschwung abbekommen haben, neues Kaufinteresse. Bei der Deutschen Post, deren Kurs seit Jahresanfang rund acht Prozent gefallen ist, hat Aufsichtsrat Roland Oetker für mehr als 250000 Euro Aktien gekauft. "Die Bewertung ist speziell nach der zuletzt schwachen Kursentwicklung niedrig, die Bilanz ist in guter Verfassung, und die attraktive Dividendenrendite wird in den nächsten Monaten stärker in den Blickpunkt rücken", glauben die Analysten von Commerzbank Wealth Management.

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  • Das ist kein Widerspruch, wenn sich insider mit globalem Überblick und Unternehmenskenntnis von Aktien trennen, sog. Experten und Analysten (man beachte den ersten Teil des Wortes!) hingegen zum Einstieg raten. Letztere müssen schließlich - unabhängig von persönlicher Qualifikation und Wissen - dafür sorgen, daß immer genug Nachschub rollt für die zum Verkauf stehenden Papiere ihrer Auftraggeber und zu deren Wohl und Lohn. Unabhängige betrachter raten seit Monaten - wenn auch verfrüht, so doch besechtigt - short zu gehen, also zu verkaufen. Aus dem scheinbaren Widerspruch resultiert daher ein weiterer klarer Verkaufsindikator.

  • Am Ende siegt immer das bÖSE ! Schliesslich muss immer einer sterben damit ein anderer Satt wird. Das gilt fürs Essen genauso wie für andere Sachen im Leben. insiderhandel gibt es schon immer und es wird ihn immer geben. Wer sollte das instrument unbespielbar machen, die Politik wird vermutlich selber unter der Hand mit allerlei informationen versorgt.

  • Hi, ich liebe Dich ;-) Schöne Weihnacht und guten Rutsch !

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