Insider-Barometer
Insider in Kauflaune

In Zeiten der Krise sind viele Aktien so günstig wie lange nicht mehr. Nur wenige der deutschen Top-Manager glauben, dass die Kurse in den kommenden Monaten abrutschen. Trotz Rezessionsängsten greifen sie daher bei Aktien weiterhin kräftig zu.

FRANKFURT. Der Kaufrausch geht weiter: Auch in den vergangenen beiden Wochen haben Deutschlands Top-Manager in großem Umfang die ihrer Ansicht nach günstigen Aktien ihrer Unternehmen geordert. 131 Käufe stehen dabei nach einer Auflistung der Börsenaufsicht BaFin nur neun Verkäufen gegenüber. Die Aussage daraus ist eindeutig: Nur die wenigsten Unternehmensinsider glauben, dass die Kurse weiter absacken. Dagegen halten sie es unter langfristigen Gesichtspunkten für günstig, jetzt einzusteigen.

"Es herrscht allüberall breite vorweihnachtliche Kauffreude", sagt Christian Rouette vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der Technischen Universität Aachen. Das Institut berechnet alle zwei Wochen zusammen mit Commerzbank Private Banking exklusiv für das Handelsblatt das Insider-Barometer, in dem diese Orders systematisch ausgewertet werden. Das Barometer ist zuletzt zwar leicht auf 204 Punkte gefallen, weil hier die aggregierten Vierteljahresumsätze eingehen, rangiert aber immer noch nahe seinem Allzeithoch. Bereits ab 110 Punkten signalisiert das Barometer eine überwiegende Kaufneigung der Insider.

Die Unternehmenslenker, die einen weitaus größeren Einblick in die Zukunftsperspektiven ihres Unternehmens haben als gewöhnliche Aktionäre, schätzen demnach die weiteren Aussichten sehr viel besser ein als Aktienstrategen, Ökonomen und Forschungsgesellschaften. Erst am Freitag hatte beispielsweise die Bundesbank bekannt gegeben, dass sie für das kommende Jahr eine Rezession erwartet, die die deutsche Wirtschaft um 0,8 Prozent schrumpfen lässt.

Der Optimismus der Manager stützt sich neben nicht ganz so pessimistischen Aussichten für das eigenen Unternehmen darauf, dass die Kursverluste der vergangenen Monate bereits weitgehend das Ende der Fahnenstange darstellen, so dass ein Einstieg jetzt langfristig gute Chancen verspricht.

Die interessanteste Kauforder stammt von United-Internet-Chef Ralph Dommermuth, der über seine Beteiligungsgesellschaft erneut Aktien an der Gesellschaft gekauft hat. Diesmal waren es Papiere im Gegenwert von 4,2 Mio Euro, im September hatte er bereits für knapp neun Mio. Euro zugeschlagen. Kaufen konnte er nun auf einem Niveau wie zuletzt im Jahr 2005. Bei Analysten kommt Dommermuths Strategie gut an. Wegen der attraktiven Finanzausstattung und den defensiven Eigenschaften des Internet-Unternehmens rät Björn Stübner von der WestLB zum "Kauf".

Auf Verkaufsseite gab es wenige Orders, davon aber gleich drei bei Dax-Konzernen. Die größte davon kam von Kevin Parker, dem Chef der Asset-Management-Sparte bei der Deutschen Bank. Er veräußerte Aktien für knapp 1,5 Mio. Euro. Der Zeitpunkt dafür war allerdings schon mal besser. Noch im September hätte er für dieses Paket mehr als das Doppelte kassieren können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%