Insider-Barometer
Manager halten sich mit Aktienkäufen zurück

An den Börsen herrscht weiter Unsicherheit wegen der Schuldenkrise in Griechenland und Italien. Auch die Top-Manager haben in den letzten zwei Wochen nur in Einzelfällen Aktien ihrer eigenen Unternehmen gehandelt.
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FrankfurtDie Börse gibt derzeit keine klare Richtung vor. Auch wenn sich zuletzt in Griechenland und Italien Chancen auf einen Neuanfang ergeben haben, löste das an den Aktienmärkten keine Aufbruchstimmung aus. Im Gegenteil: Die Kurse fielen vergangene Woche. Kein Wunder also, dass sich Deutschlands Top-Manager eher zurückhalten. Diejenigen, die von besseren Zeiten überzeugt sind, haben sich bereits eingedeckt. Und wer noch nicht überzeugt war, wurde es zuletzt erst recht nicht.

Insider-Barometer fällt leicht

Das Insider-Barometer, das das Aachener Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) gemeinsam mit Commerzbank Wealth Management alle zwei Wochen exklusiv für das Handelsblatt aus den einzelnen Kauf- und Verkaufsorders berechnet, ist zuletzt auf 145 Punkte gefallen. Damit signalisiert es langfristig aber weiter steigende Kurse.

Käufe gab es zuletzt vor allem von Top-Managern, deren Aktien von der leichten Erholung am Markt nichts oder zu viel abbekommen haben. „Typisch antizyklisches Verhalten“ nennt dies Simon Bölinger von Fifam. Gutes Beispiel ist der Telekomdienstleister Drillisch. Um fast ein Drittel war die Aktie seit Oktober gefallen, als Betrugsvorwürfe und die Vertragskündigung der Deutschen Telekom bekannt wurden. Die Vorstände Paschalis und Vlasios Choulidis haben daraufhin zuletzt Aktien im Wert von fast 650.000 Euro gekauft. „Beide halten den Kursrückgang anscheinend für übertrieben und wollen signalisieren, dass sie weiter von der Zukunft des Unternehmens überzeugt sind“, meint Bölinger. Zuletzt hatten die Vorstände 2008 beziehungsweise 2007 Drillisch-Aktien erworben.

Deutlich häufiger taucht bei Insidertransaktionen beim bayerischen Maschinenbauer Krones die Schawei GmbH auf. Schon zum fünften Mal seit Anfang August hat die Gesellschaft, die der Aufsichtsrätin Petra Schadeberg-Herrmann nahesteht, in großem Stil Aktien gekauft. Diesmal war es der Gegenwert von fast 500.000 Euro. Das summiert sich seit Anfang auf rund 2,5 Millionen Euro. Und jedes Mal waren die Aktien günstiger zu haben: 48,28 Euro zahlte die Schawei GmbH noch im August, diesmal waren es 35,09 Euro. Nachkaufen, um das Einstiegsniveau zu verbilligen, nennt man das im Börsenjargon.

Analysten hatten zuletzt ihre Umsatzerwartungen für Krones gesenkt, weil sie Preissteigerungen bei Vorprodukten sahen und einen Nachfragerückgang erwarteten. Dabei gilt der weltgrößte Hersteller von Getränkeabfüllanlagen als weitgehend unabhängig von der Konjunktur. Hinzu kommt eine weitere weltweite Entwicklung, wie die Experten von Commerzbank Wealth Management wissen: „Ein steigendes Gesundheitsbewusstsein fördert den Trend zur aseptischen Verpackung von Getränken und damit ebenfalls zu anspruchsvollen Verpackungsanlagen.“

Antizyklisches Verhalten

Ebenfalls als antizyklisches Verhalten werten Experten den mit Abstand größten Verkauf der vergangenen beiden Wochen: Der Oceana Concentrated Opportunities Fund, der durch Michael Lewis im Aufsichtsrat der Axel Springer AG vertreten ist, hat sich von Beständen im Wert von über 17,8 Millionen Euro getrennt. Vor dem Hintergrund der rapiden Kurserholung der vergangenen Wochen ist dieser Verkauf nachvollziehbar. Immerhin nähert sich die Aktie mit über 33 Euro fast wieder dem Niveau vor dem Börseneinbruch im Juli.

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