Insider-Barometer
Optimismus weicht der Ernüchterung

Die Zeiten schneller Kursgewinne könnten bald vorbei sein, zumindest wenn die Insider richtig liegen. Die letzten Aktienorder etlicher Vorstände scheinen jetzt die Wende einzuläuten. Was Anleger besser wissen sollten.
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Frankfurt Der Schein trügt: Wenn etliche Vorstände, Aufsichtsräte oder deren Angehörige wie in den vergangenen beiden Wochen Aktien kaufen, aber insgesamt nur zwei verkaufen, dann sollte das eigentlich ein eindeutiges Indiz dafür sein, dass die Mehrheit der Unternehmensinsider künftig steigende Kurse erwartet.

Die genauere Betrachtung zeigt allerdings eher Ernüchterndes: „Den aktuellen kurzfristigen Optimismus an den Börsen teilen die Insider nur zum Teil“, sagt Simon Bölinger vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam). Sein Haus wertet gemeinsam mit Commerzbank Wealth Management alle zwei Wochen die Käufe und Verkäufe der Insider aus, die diese an die Börsenaufsicht BaFin melden müssen. Zuletzt zeigten sich zwar mehr Käufe als Verkäufe, die Volumina waren jedoch eher unterdurchschnittlich.

Das Insider-Barometer, das der Fifam-Experte daraus regelmäßig berechnet, liegt deswegen im unteren neutralen Bereich bei 94 Punkten. An die deutlich steigenden Kurse, die viele Analysten für die kommenden Monate vorhersagen, glauben die Topmanager nicht. Ihre Einschätzung hat für Anleger viel Gewicht, weil sie den besseren Einblick ins Innenleben ihres Unternehmens haben.

Wenn Insider zuletzt gekauft haben, dann handelt es sich dabei entweder um Aktien, die vom Aufschwung an den Märkten wenig abbekommen haben – oder die künftig von Sondersituationen profitieren.

Zur ersten Gruppe etwa gehört die Aktie der Deutschen Post. Vorstand Jürgen Gerdes hat dort für knapp 200000 Euro Aktien geordert, nachdem er vor rund vier Wochen schon einmal ein größeres Paket gekauft hatte. Wohlwollend ausgedrückt könnte man behaupten, dass der Kurs der Post-Aktie eine lange Seitwärtsbewegung zeigt. Realistisch ist wohl eher, dass viele Investoren sich speziell für diese Aktie für die Zukunft einen Kurstreiber wünschen. Der jüngste Ausblick wurde von Analysten jedenfalls als positiv gewertet. Hohe Wachstumsraten werden speziell in den Boomregionen in Asien erzielt, hieß es von den Experten der Landesbank Berlin. Sie raten deshalb zum Kauf und loben auch die günstige Bewertung der Aktie.

Den mit Abstand größten Kauf gab es indes beim westfälischen Mode-Unternehmen Gerry Weber. Über ihre Beteiligungsgesellschaft haben mehrere Familienmitglieder Papiere im Wert von knapp 1,6 Millionen Euro geordert. Das überrascht, hat der Kurs seit September schon 80 Prozent zugelegt. Vonseiten der Analysten ist dies dennoch kein Grund, schon vorsichtig zu werden. Die Auftragseingänge für die Herbst-/Winterkollektion sind um 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, hieß es erst in der abgelaufenen Woche. Weil auch die Gewinnschätzungen gestiegen sind, hat Rabeya Khan, Analystin bei Close Brothers Seydler, ihr Kursziel von 41 auf 46,50 Euro angehoben. Vor Ostern kostete die Aktie 42,90 Euro.

Dass selbst Vorstände nicht immer den besten Zeitpunkt für Kauf oder Verkauf erwischen, beweist der größte Verkauf der vergangenen Wochen. Beim Fotodienstleister Cewe Color hat sich Harald Pirwitz, Vorstand der Neumüller Cewe Color Stiftung, von Papieren im Wert von 124000 Euro getrennt. Der Preis betrug rund 31 Euro je Stück. Am Donnerstag waren die Papiere mehr als 33 Euro wert.

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