Insider-Barometer
Top-Manager kaufen weniger Aktien

Der Dax hat sich zum Wochenausklang zeitweise wieder seinem Jahreshoch genähert. An Käufen von Deutschlands Top-Managern liegt das jedoch nicht. Sie haben in den vergangenen zwei Wochen so wenig Aktien ihres Unternehmens geordert wie in den letzten drei Jahren nicht. Ein Gesamtvolumen von weniger als einer halben Million Euro stellt den bisherigen Tiefpunkt dar.

FRANKFURT. Neben der Urlaubszeit, in der die Unternehmensinsider traditionell weniger Aktien handeln als in durchschnittlichen Börsenphasen, spielt die rasante Kursentwicklung der vergangenen Wochen eine entscheidende Rolle. "Die Top-Manager sehen in ihren Unternehmen im Gegensatz zum vielen Börsianern noch keine deutliche und nachhaltige Trendwende", sagt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance. Deswegen zeigen sie bei den zuletzt deutlich gestiegenen Kursen auch keine Tendenz, nun in größerem Stile einzusteigen.

Das Insider-Barometer, das das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der Uni Aachen alle zwei Wochen in Zusammenarbeit mit Commerzbank Wealth Management berechnet, notiert aktuell bei 103 Punkten und damit auf neutralem Niveau. Die gewichteten Insiderkäufe und-verkäufe der vergangenen drei Monate halten sich etwa die Waage. Das war Ende vergangenen Jahres und im Frühjahr noch anders. Als die Börse in diesen Phasen jeweils massiv abstürzten, haben die Top-Manager kräftig zugegriffen. Die Volumina der Käufe waren damals besonders hoch. Das Insider-Barometer war in dieser Zeit auf Allzeithochs von über 200 Punkten angestiegen. "Damals dominierte unter den Unternehmensinsidern die Meinung, dass der Absturz der Aktienkurse trotz miserabler Aussichten zu drastisch ausgefallen war", sagt Olaf Stotz.

Ihrem Ruf, in extremen Marktphasen als Kontraindikator zu fungieren, wurden die Top-Manager damals wie heute gerecht. Immerhin findet sich aktuell unter den wenigen Käufen mit Merck zumindest ein Dax-Wert. Die Aktie des Darmstädter Pharma- und Flüssigkristall-Herstellers war im laufenden Jahr relativ solide durch die Krise gekommen. Erst das Ergebnis für das zweite Quartal, das 15 Prozent unter den Analystenerwartungen lag, ließ die Aktie zuletzt abstürzen. Vorstand Michael Becker hat dies nun zum Einstieg genutzt. Er handelt damit entgegen der Empfehlung vieler Analysten, die die Aktie derzeit eher mit Zurückhaltung betrachten. Das liegt zum einen im Pharmabereich an den schwachen Einnahmen aus dem Lizenzgeschäft, zum anderen an der negativen Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde zur Indikation von Lungenkrebs für das Medikament Erbitux.

Ansonsten kommen die interessanten Orders der vergangenen zwei Wochen eher von der Verkaufsseite. Beim fränkischen Sportartikel-Hersteller Adidas hat sich Aufsichtsrat Christian Tourres von Papieren im Wert von knapp 1,6 Mio. Euro getrennt und dabei den Kursanstieg von über 30 Prozent seit Anfang Juli zum Ausstieg genutzt. Die Adidas-Aktie, die Nummer zwei hinter Nike auf dem Weltmarkt, hat Analysten zufolge ein Ende des Aufwärtstrends noch nicht erreicht. "Das vorgelegte Zahlenwerk hat die Markterwartungen übertroffen und auch der Ausblick des Managements erscheint realistisch", heißt es dazu von den Analysten von Commerzbank Wealth Management.

Anders ist der Fall bei Heidelberg Cement gelagert. Dort gab es in den vergangenen beiden Wochen mit insgesamt über 60 Mio. Euro die größten Insider-Verkäufe. Die stammten von zwei Beteiligungsgesellschaften, deren Vertreter im Aufsichts- und Verwaltungsrat sitzen und die sich zuvor schon mehrmals in großem Stil von Papieren getrennt hatten. Unabhängig davon leidet die Aktie noch immer unter der hohen Verschuldung des Unternehmens in Höhe von 11,3 Mrd. Euro. Bei der breiten Masse der Anleger gilt sie deshalb als spekulativ, auch wenn die Schulden im ersten Halbjahr um eine Mrd. Euro weniger wurden.

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