Insider-Barometer
Top-Manager lässt Schuldenkrise kalt

Die deutschen Insider sind von Irlands erdrückender Schuldenlast uind dem schwankenden Euro unbeeindruckt. Sie handeln munter weiter. Den größten Kauf gab es bei Heidelberg Cement, wo die Merckle-Familie Chancen witterte. Roland Berger machte hingegen Kasse beim Gesundheitskonzern Fresenius.
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FRANKFURT. Deutschlands Unternehmenslenker und Aufseher lassen sich von der Schuldenkrise in Irland nicht verunsichern. "Zu erwarten wäre eigentlich, dass sich die Insider zurückhalten, aber das Gegenteil ist der Fall: Die Insider handeln entschlossen, und ihre Transaktionen haben deutlich zugenommen", sagt Simon Bölinger vom Forschungsinstitut für Asset Management Fifam in Aachen.

Ablesen lässt sich dies am Insider-Barometer, das die Wissenschaftler des Fifam gemeinsam mit den Experten von Commerzbank Private Wealth Management exklusiv für das Handelsblatt berechnen. Grundlage sind dabei die Kauf- und Verkaufsorders, die Unternehmensinsider an die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin melden müssen. Insgesamt hielten sich in den vergangenen beiden Wochen die Kauf- und Verkaufsaufträge mehr oder weniger die Waage. Entsprechend notiert das Insider-Barometer kaum verändert bei 117 Punkten.

Mit dem Stand von über 110 Punkten signalisiert das Insider-Barometer eine positive Grundstimmung. Auch das ist laut Bölinger bemerkenswert, schließlich hat der Dax in der vergangenen Woche neue Zweieinhalb-Jahreshochs markiert: "Üblicherweise handeln die Insider eher antizyklisch. Sie verkaufen bei steigenden Kursen und umgekehrt", erklärt Bölinger. Das dies derzeit nicht der Fall ist, führt er auch darauf zurück, dass sich die Konjunktur in Deutschland besser entwickelt als in den anderen europäischen Ländern und auch die Aussichten positiver sind.

Den größten Kauf gab es in den vergangenen beiden Wochen bei Heidelberg Cement. Die Spohn GmbH, die zum Umfeld der Unternehmerfamilie Merckle gehört, stockte ihre Beteiligung bei Heidelberg Cement um Aktien im Wert von 28,6 Mio. Euro weiter auf. Im Zuge der Finanzkrise hatte sich die Merckle-Familie wegen eigener finanzieller Probleme mehr und mehr aus dem Baustoffkonzern zurückgezogen, der vor zwei Jahren kurz vor der Pleite stand, sich durch eine Kapitalerhöhung aber retten konnte.

Die Commerzbank hält die Heidelberg-Cement-Aktie für unterbewertet und attraktiv. Der Konzern sei in den USA und in Europa sehr gut positioniert. Wichtig sei für die Zukunft, dass der Baustoffkonzern Preiserhöhungen auf der Beschaffungsseite an die Kunden weitergeben könne. Die Privatbank Merck Fink zeigt sich von den jüngsten Quartalszahlen und dem deutlich höher als erwarteten Gewinn von Heidelberg Cement überzeugt.

Gutes Kurzfrist-Timing

Den größten Insider-Verkauf gab es zuletzt bei Fresenius. Unternehmensberater Roland Berger machte bei den gut gelaufenen Aktien des Gesundheitskonzerns Kasse und trennte sich von einem Aktienpaket im Wert von fünf Mio. Euro. Das kurzfristige Timing dafür dürfte recht gut gewesen sein. So geht die Commerzbank davon aus, dass die Fresenius-Aktie nach den starken Kurssteigerungen der jüngsten Zeit erst einmal konsolidieren wird. Mittelfristig hält die Commerzbank die Aktie aber für attraktiv. Das Geld aus dem Verkauf kann Berger jetzt gut brauchen. Am Wochenende lehnte die Partnerschaft von Roland Berger das lukrative Übernahmeangebot von Deloitte ab. Das Unternehmen will unabhängig bleiben und aus eigener Kraft wachsen. Berger will nun ein Drittel seines Privatvermögens in die Beratung zu stecken.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

Kommentare zu " Insider-Barometer: Top-Manager lässt Schuldenkrise kalt"

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  • "Warum protestiert kein deutsche Sparer? Wie? Nicht mit Leserbriefen, sondern alles Geld von der bank abheben"
    Man muß nur genau hinschauen.
    das passiert doch bereits.
    Die Menschen begreifen nach und nach, dass estwa nicht stimmt. es ist allerdings für jeden "Normalbürger" schwer zu erkennen was GENAU los ist.
    meine Subjektive Wahrnemmung sagt, dass die leute Häuser kaufen, bisher aufgeschobene Handwerkerleistungen an ihren bestandhäusern relisieren, vermeindliche "Sachwerte" kaufen.
    Man muß sich doch nur den Gold+Silberpreis und die Nachfrage nach physischer Ware anschauen, dann hat man die Antwort.
    Gold und Silber sind Geld und vverhalten sich wie ein Fieberthermometer der Papierwährungen. Nicht der Preis dieser Edelmetalle steigt, sondern die Währungen, egal ob Euro oder USD sind auf den Weg in die Hölle.

  • Die "insider" sind die deutschen banken.50 Mrd. Abschreibungen auf irland-Anleihen vermieden. Da würde ich auch munter weiter handeln. irland ist Geschichte. Jetzt kommt Portugal, dann Spanien, italien, Frankreich und dann Deutschland. Warum protestiert kein deutsche Sparer? Wie? Nicht mit
    Leserbriefen, sondern alles Geld von der bank abheben. Dann kann Mutti Merkel noch so viel garantieren wie sie will. Danach könnte endlich ein Neuanfrag stattfinden.

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