Insider-Barometer
Top-Manager sehen Ende der Krise

Deutschlands Top-Manager setzen fest darauf, dass die Krise an den internationalen Aktienmärkten ausgestanden ist: Aus diesem Grund haben sie sich in den letzten beiden Wochen noch stärker mit Aktien des eigenen Unternehmens eingedeckt als in den bereits starken Vorwochen. Das Insider-Barometer befindet sich auf dem höchsten Stand seit April 2003.

FRANKFURT. Das Insider-Barometer, das das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der RWTH Aachen alle zwei Wochen in Zusammenarbeit mit Commerzbank Private Banking für das Handelsblatt berechnet, stieg zuletzt auf 167 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit April 2003. Damals hatte der Deutsche Aktienindex (Dax) bei 2 900 Punkten notiert und anschließend zu einem mittlerweile seit viereinhalb Jahren anhaltenden Höhenflug angesetzt. In das Insider-Barometer gehen die Käufe und Verkäufe von Vorständen, Aufsichtsräten und deren Angehörigen aus den 160 Unternehmen des Dax, MDax, TecDax und SDax ein.

„Offenbar ist das Zutrauen der Insider auch selbst unter den zunehmend unsicheren Rahmenbedingungen auf breiter Ebene noch immer gegeben“, sagt Fifam-Professor Rüdiger von Nitzsch. Hauptgrund dafür ist seiner Ansicht nach, dass sich die Top-Manager in ihren Kauf- und Verkaufsentscheidungen nur von fundamentalen Größen beeinflussen lassen und dementsprechend die aktuellen Unsicherheiten am Markt ausnutzen, um günstig in Aktien einsteigen zu können, die sie gut beurteilen können.

Das gleiche Bild zeichnet sich in den USA ab. Im August war dort das Verhältnis von Käufen zu Verkäufen auf den höchsten Stand seit 1995 gestiegen. Die Quintessenz des Datenanbieters Thomson Financial daraus lautet: „Die Bewertungen, die die Unternehmensinsider derzeit als sehr attraktiv betrachten, werfen die Frage auf: In welchem zeitlichen Abstand rechnen sie mit den Früchten ihres Einsatzes?“ In den USA ist diese Frage weitaus schwieriger zu beantworten als in Deutschland, sind doch die Auswirkungen der Immobilienkrise dort viel größer.

Das Insider-Barometer hierzulande spiegelt einen Erwartungshorizont von drei Monaten wider. Bis zur Vorweihnachtszeit suggeriert es demnach für den gesamten Aktienmarkt deutlich steigende Kurse. In der Vergangenheit lagen die Fifam-Experten mit dieser Prognose meist richtig.

Denn während die Insiderkäufe nach wie vor auf hohem Niveau liegen, gibt es kaum Verkäufe. Die daraus folgende Aussage ist klar: Selbst auf dem hohen Dax-Niveau von 7 500 Punkten denkt kaum ein Top-Manager daran, Gewinne einzustreichen. Lediglich zwei Verkäufe gab es in den letzten beiden Wochen, wobei der von SAP-Aufsichtsrat Peter Koop mit rund 5 600 Euro vernachlässigenswert ist.

Gedanken sollten sich bestenfalls die Aktionäre von Wacker Chemie machen. Dort hat sich Aufsichtsrat Stefan Leberfinger von Aktien im Wert von über einer Million Euro getrennt. „Wir sind derzeit verhalten für die Aktie und können die Verkäufe nachvollziehen“, heißt es dazu von Commerzbank Private Banking. Hauptgrund waren die enttäuschenden Zahlen im zweiten Quartal, die zum ersten Mal seit dem Börsengang im April 2006 unter den Erwartungen der Börsianer lagen. Weil zudem planmäßige Anlagestillstände beim wichtigsten Ergebnisträger Siltronic anstehen, hat das Management angekündigt, dass das Ergebnis im zweiten Halbjahr unter dem des ersten Halbjahres liegen wird.

Die Vielzahl der großen Kauforder von Top-Managern sollten Anleger indes als Zeichen sehen, dort ebenfalls ihre Chancen zu suchen, raten Analysten. Zumal mit Hypo Real Estate und Daimler zwei Dax-Werte auf der Käuferliste sind. Beide stehen bei Analysten aus völlig konträren Gründen seit einiger Zeit hoch im Kurs: Hypo Real Estate wegen des überraschenden Kaufs des Staatsfinanzierers Depfa. Daimler wegen der Trennung von Chrysler. Während das Gros der Analysten die Depfa-Übernahme als sinnvoll bei überschaubarem Risiko sieht, gilt die Chrysler-Trennung als ein Ende des Geldverbrennens bei Daimler.

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