Insider-Barometer
Top-Manager stoßen Aktien ab

Deutschlands Top-Manager trauen den Aktienmärkten nicht mehr viel zu: Das aus ihren Käufen und Verkäufen abgeleitete Insider-Barometer ist erstmals seit März 2007 unter die Marke von 90 Punkten gefallen. Es signalisiert damit auf Sicht der nächsten drei Monate fallende Kurse an den Börsen. Vor gut zweieinhalb Jahren hatte sich das Insider-Barometer schnell wieder erholt, und auch die Aktienkurse stiegen damals weiter.

FRANKFURT. Das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) berechnet zusammen mit Commerzbank Wealth Management alle zwei Wochen das Insider-Barometer exklusiv für das Handelsblatt. In das Barometer fließen die Käufe und Verkäufe von Aktien des eigenen Unternehmens ein, die Vorstände, Aufsichtsräte und deren Angehörige tätigen. Die insgesamt 160 Unternehmen aus Dax, MDax, TecDax und SDax müssen die entsprechenden Transaktionen an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) melden.

"Die Insider halten sich schon länger mit Käufen zurück, jetzt wird ihre negative Einschätzung aber deutlicher", sagt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance. Dies ist für ihn angesichts der rasanten Rally der Aktienmärkte im vergangen halben Jahr verständlich. Denn mit einem Wertzuwachs von 40 bis 50 Prozent war bei den zurückgerechneten zwölf Erholungsphasen im Dax seit 1970 zunächst meist das Ende der Fahnenstange erreicht.

Auch das Ergebnis der Bundestagswahl hat Deutschlands Top-Manager kaum zu Aktienkäufen inspiriert. "Immerhin gab es aber wieder mehr Transaktionen, nachdem sich die Insider vor der Wahl extrem zurückgehalten haben", sagt Professor Stotz. Insgesamt liegen sowohl Zahl als auch Volumina der Insider-Transaktionen unter dem Durchschnitt. Dies passt für Professor Stotz ins Bild der allgemeinen Zurückhaltung der Manager.

Den größten Insider-Verkauf gab es zuletzt beim Hagener Einzelhandelskonzern Douglas. Die dem Aufsichtsratsvorsitzenden Jörn Kreke nahestehende Lobelia Beteiligungs GmbH verkaufte Douglas-Aktien im Wert von 1,5 Mio. Euro. Die Analysten von Commerzbank Wealth Management teilen die negative Einschätzung und bewerten die Aktie als unattraktiv.

Die Analysten heben zwar die starke Marktposition von Douglas, vor allem im Kerngeschäft Parfümerien, hervor. Sorge macht ihnen angesichts der Wirtschaftskrise aber die Unsicherheit mit Blick auf das für den MDax-Konzern wichtige Weihnachtsgeschäft. Die Lobelia Beteiligungs GmbH hat die insgesamt 50 000 Aktien Anfang Oktober zum Kurs von 31,08 Euro verkauft. Die Kursentwicklung gibt ihr noch nicht recht: Die Douglas-Aktie ist seither leicht gestiegen.

Beim Mobilfunkdienstleister Drillisch trennte sich Ende September der Aufsichtsrat und ehemalige Vorstandschef Marc Brucherseifer von knapp 175 000 Drillisch-Aktien und bekam dafür 4,02 Euro je Aktie. Auf diesem Stand notierte das Papier auch am Freitag. Zudem verkaufte Drillisch selbst alle eigenen Aktien - insgesamt mehr als 2,5 Millionen Stück - an die Berenberg Bank zum Preis von vier Euro je Anteilsschein.

Auf der Käuferseite stach Anfang Oktober Jürgen Heraeus, Aufsichtsratsvorsitzender bei der Gea Group, hervor. Er kaufte 7 000 Gea-Aktien zum Preis von je 14,36 Euro. Seither ist die Aktie des Spezialmaschinenbauers um gut zwei Prozent gestiegen. Heraeus ist unter anderem auch Aufsichtsratsvorsitzender des gleichnamigen Technologiekonzerns.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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