Insider-Daten
Kursschwankungen beeindrucken Profis nicht

Deutschlands Topmanager lassen die jüngsten Kursschwankungen unbeeindruckt. Vielmehr sitzen Insider Turbulenzen an den Aktienmärkten aus. Doch in ausgeprägter Kauflaune ist auch niemand.
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Frankfurt

Der Anreiz, am Aktienmarkt noch einzusteigen, wenn der Dax gerade wieder ein Jahreshoch erreicht hat, ist unter Profis gering. Das erklärt auch im Wesentlichen, warum von Deutschlands Topmanagern in den beiden Wochen seit Ostern nur noch wenige zugegriffen haben. Gerade drei Käufe verzeichnet die aktuelle Liste der Börsenaufsicht Bafin, an die Vorstände und Aufsichtsräte ihre Kauf- und Verkaufsorders melden müssen.

Auf der Gegenseite gab es aber auch nur zwei Verkäufe, was signalisiert, dass die Mehrzahl der deutschen Topmanager die Kurse auf dem aktuellen Niveau als angemessen betrachten. Das Insider-Barometer, das das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) alle zwei Wochen zusammen mit Commerzbank Wealth Management exklusiv für das Handelsblatt berechnet, ist zuletzt leicht auf 92 Punkte gefallen. Damit bewegt es sich jedoch immer noch im neutralen Bereich und gibt weder ein Kauf- noch ein Verkaufssignal.

Gut verstehen kann man bei der Fifam diese Zurückhaltung. "Kurzfristig ist seit einigen Tagen zu beobachten, dass mit ansteigenden Kursen die Tagesbewegungen am deutschen Aktienmarkt heftiger ausfallen", sagt Simon Bölinger. Hier auf seinem Beobachtungsposten auszuharren und erst mal abzuwarten, könnte somit die richtige Strategie sein.

Die wenigen Manager, die dennoch zuletzt am Aktienmarkt aktiv waren, hatten dafür gute Gründe. Beim Modeunternehmen Gerry Weber beispielsweise hat die Vermögensverwaltung der Familie erneut Aktien gekauft, diesmal für über 3,2 Millionen Euro. Seit März summiert sich die Zahl der Käufe bereits auf mehr als 6,5 Millionen Euro. Seit September hat sich der Kurs der Aktie verdoppelt. Dennoch sehen selbst Analysten einmütig noch immer Potenzial nach oben. Acht Experten beobachten laut dem Informationsdienst Bloomberg die Aktie; alle acht raten zum Kauf. Erst in der vergangenen Woche hatte Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe sein Kursziel von 50 Euro bestätigt. Vom aktuellen Niveau aus wäre das ein Plus von rund acht Prozent.

Ähnlich ist die Ausgangsposition im Moment für die Topmanager beim Automobilzulieferer Leoni, anders aber die Konsequenz, die sie daraus gezogen haben. Aufsichtsrat Ernst Thoma und seine Familie haben Papiere im Wert von über 500000 Euro verkauft, nachdem deren Kurs auf den höchsten Stand seit mehreren Jahren stieg.

Auf Analystenseite kann man diesen Schritt, sich hier einen Teil der Gewinne zu sichern, durchaus nachvollziehen. "Wir wollen die im vergangenen Jahr sehr gute Entwicklung nicht uneingeschränkt fortschreiben, die Dynamik wird abnehmen", heißt es bei Commerzbank Wealth Management. Die Marktprognosen für 2011 erscheinen dort sehr ambitioniert.


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