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US-Firmenchefs stoßen Aktien ab

Während die Insider in Deutschland mehrheitlich Aktien ihres eigenen Unternehmens kaufen, ist die Entwicklung in den USA gegenläufig: Folgt man den vermeintlich „smarten“ Investoren, dürfte die seit März anhaltende Aktienmarktrally in den USA bald vorbei sein.

NEW YORK. Aus Angst vor einer erneuten Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage schichtet etwa Kapitalmarktlegende Warren Buffett von Aktien in Anleihen um. Und die Vorstände der großen US-Konzerne trennen sich für Milliardensummen von Dividendenpapieren. „Wir haben die Probleme noch lange nicht hinter uns“, rechtfertigte Buffett seine Anlagestrategie kürzlich in einem Interview.

Der führende US-Aktienmarktindex Dow Jones hatte sich wegen der Finanzkrise und der heftigste Rezession seit mehr als einer Generation vom Rekordstand Ende 2007 bei rund 14 000 Punkten bis März dieses Jahres fast halbiert. Seither erholte er sich in Hoffnung auf eine Rückkehr des Wachstums aber wieder um fast 45 Prozent.

Während die breite Anlegerschaft auf eine schnelle und deutliche Rückkehr des Wirtschaftswachstums sowie eine Fortsetzung der Rally hofft, fährt nicht nur Buffett sein Aktienmarktrisiko herunter. Die Vorstände der großen US-Konzerne haben sich in den letzten Monaten per saldo für über 100 Mrd. Dollar von Anteilsscheinen getrennt. Die Daten des Researchhauses Trim Tabs, das die Pflichtveröffentlichungen der Firmen auswertet, zeigen es deutlich: Für jeden Dollar, für den ein US-Vorstand Aktien kauft, wurden im September 31 Dollar durch Verkäufe eingenommen. Das ist der höchste Wert sei Beginn der Aufzeichnungen 2004.

In den ersten Septemberwochen stehen jedem Dollar an Zukäufen bereits zwölf Dollar an Verkäufen entgegen. „Das ist eine wahre Verkaufsorgie“, sagte Ben Silverman, Experte bei Insidersore.com, der die Daten analysiert hat. „Die Party könnte bald zu Ende sein“, sagte Trim-Tabs-Chef Charles Biderman.

Die bisherige Rally wurde und wird nach Einschätzung von Experten vor allem von Investoren genährt, die sich wegen der Krise lange von den Märkten fernhielten und nun versuchen, auf den fahrenden Zug aufzuspringen. „Wenn dir der Taxifahrer in New York wieder sagt, er will Aktien kaufen, dann weißt du, dass die Korrektur kommt“, sagte ein Händler.

Um die aktuellen Niveaus zu rechtfertigen, müsste es eine schnelle und deutliche Erholung der Konjunktur geben. Weil die Konjunkturlokomotive der USA – der private Verbraucher – angesichts der höchsten Arbeitslosenquote seit 26 Jahren vermutlich noch länger ausfällt, wird eher mit einer sehr langsamen Erholung gerechnet. „Der Markt ist der Entwicklung zu weit vorweg gelaufen, da droht eine mächtige Korrektur“, sagte Mohamed El-Erian, Chef der Fondsgesellschaft Pimco, daher kürzlich.

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