Insiderbarometer
Insider sitzen auf ihren Aktien

Eine Premiere im Insiderbarometer des Handelsblatts: Kein einziger deutscher Top-Manager trennte sich zuletzt von Aktien seiner Gesellschaft. Ob aus Urlaubsstimmung oder aus Strategie: Die Manager scheinen derzeit eher auf mittel- bis langfristige Investments zu setzen.

FRANKFURT. Das gab es in über zwei Jahren Insider-Barometer im Handelsblatt noch nie: Kein einziger deutscher Top-Manager hat in den letzten beiden Wochen Aktien seines Unternehmens verkauft. Und das, obwohl sich die Märkte seither erholt haben und somit die Entscheidung zum Verkauf bei ohnehin verkaufswilligen Managern noch verstärkt haben müsste. Die Datenbank der Börsenaufsicht Bafin, an die diese ihre Aktienorders jeweils melden müssen, verzeichnet jedenfalls auf Verkaufsseite gähnende Leere.

„Das mag zum einen an der aktuellen Urlaubsphase liegen, in der auch das Kaufinteresse unterdurchschnittlich war“, sagt Christian Rouette vom Forschungsinstitut für Asset Management an der RWTH Aachen, das gemeinsam mit Commerzbank Private Banking aus den Käufen und Verkäufen das Insider-Barometer berechnet. Das ist zuletzt wegen der fehlenden Verkäufe wieder um fünf Zähler auf hohe 178 Punkte gestiegen. Rouette interpretiert dies so, dass die Unternehmensinsider eher mittel- bis langfristig auf steigende Kurse setzen und deshalb abwarten.

Dadurch unterscheidet sich die aktuelle Börsenphase deutlich von der der Jahre 2001 und 2002. Als es damals an den Märkten rapide bergab ging, standen die Top-Manager an vorderster Front bei den Verkäufen und stiegen erst wieder in der Endphase des massiven Ausverkaufs Anfang 2003 in Aktien ihres Unternehmens ein.

Das Vorgehen der Unternehmensinsider deckt sich auch mit der aktuellen Marktmeinung vieler Banken, die für die Zukunft ebenfalls mit steigenden Kursen rechnen. Seit zwei Wochen habe sich der undifferenzierte Pessimismus – zumindest auf kurze Sicht – in spontanen Optimismus verwandelt, hieß es am Freitag von der nicht unbedingt für allzu große Markteuphorie bekannten WestLB. „Falls der Abwärtsdruck auf den Ölpreis in der kommenden Woche bestehen bleibt und darüber hinaus die Notenbanken eine geringere Bereitschaft zu Zinserhöhungen signalisieren, dann könnte der Dax an den unteren Rand der bis Mitte Juni gültigen Handelsspanne bei etwa 6 600 bis 6 700 Punkte zurück pendeln“, schreiben die Analysten in ihrem Wochenausblick

Die auffälligste Kauforder kam einmal mehr von der Douglas Holding. Die dem Gründer und Aufsichtsratschef Jörn Kreke nahestehende Lobelia Beteiligungs GmbH kaufte hier für knapp eine Millionen Euro Aktien. Von Analystenseite kommt dafür breite Zustimmung. „Das Unternehmen stellt für uns einen Top-Wert im Konsumbereich dar“, heißt es von Commerzbank Private Banking. Die Experten gehen davon aus, dass Douglas auf dem besten Weg ist, die eigene Jahresprognose mit einem Vorsteuergewinn von 150 Mill. Euro zu treffen oder gar anzuheben.

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