Insiderbarometer
Keine Panik bei Top-Managern

Der rasante Kursverfall der Aktienmärkte schreckt die deutschen Unternehmenslenker nicht. Das signalisiert zumindest das Insider-Barometer, das die Käufe von Aktien des eigenen Unternehmens durch deren Top-Manager misst. Die spektakulärste Transaktion kam zuletzt von Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz.

FRANKFURT. Der rasante Kursverfall der Aktienmärkte schreckt die deutschen Unternehmenslenker nicht. Das signalisiert zumindest das Insider-Barometer, das die Käufe von Aktien des eigenen Unternehmens durch deren Top-Manager misst. Das Barometer, das vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) alle zwei Wochen in Zusammenarbeit mit der Commerzbank für das Handelsblatt errechnet wird, ist in den vergangenen beiden Wochen zwar auf 182 Punkte gesunken. Das zeigt, dass die Top-Manager etwas vorsichtiger werden. Mit dem aktuellen Stand notiert das Barometer aber weiter auf sehr hohem Niveau und signalisiert damit zumindest mit Blick auf die kommenden drei Monate eine Erholung der Börsen.

"Man würde eigentlich erwartet, dass die Panik an den Börsen auch die Insider erfasst, das ist aber nicht zu beobachten", sagt Christian Rouette vom Fifam. Einigen Insidern könnten die Kurse jetzt aber auch schlicht zu deutlich gefallen sein, um noch zu verkaufen. Von daher würde Rouette das Kaufsignal im aktuellen Umfeld nicht zu hoch bewerten.

Besonders auffällige Käufe gab es seit Ende September bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen. So kaufte der schwäbische Milliardär Adolf Merckle, ohnehin schon Mehrheitsaktionär bei Heidelberg Cement am vor sechs Tagen noch weiter Anteile des Unternehmens. Seither hat die Aktie stark verloren. Die Analysten von Commerzbank Private Banking raten von einem Kauf ab. Aktionärs- und Bilanzstruktur bergen ihrer Meinung nach Risiken.

Recht positiv sehen die Commerzbank-Private-Banking-Analysten dagegen die Aktie des Modekonzerns Gerry Weber, von dem Unternehmenschef Gerhard Weber zuletzt ebenfalls Aktien kaufte. Die erneut über den Erwartungen liegenden Auftragseingänge und das niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter acht machen die Aktie nach Meinung der Analysten attraktiv.

Der spektakulärste Verkauf kam zuletzt von Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz. Sie trennte sich über ihr nahe stehende Vermögensverwaltungen von Aktien an dem in die Krise geratenen Essener Handels- und Tourismuskonzern. Käufer war die Sal. Oppenheim. Zuvor hatte die Kölner Privatbank schon alle Aktien aus einer Kapitalerhöhung des ehemaligen Karstadt-Quelle Konzerns gekauft. Damit verschaffte sie dem Konzern eine dringend benötigte Geldsprizte. Sal. Oppenheim hatte danach angekündigt, in zwei Schritten Aktien aus dem Besitz von Schickedanz zu übernehmen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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