Internetunternehmen
Yelp will trotz hoher Verluste an die Börse

Seit seiner Gründung vor sieben Jahren steckt das Internetunternehmen Yelp in den roten Zahlen. Trotzdem will die lokale Empfehlungsplattform an die Börse gehen - und so 100 Millionen Dollar einnehmen.
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San FranciscoDas nächste Social-Networking-Unternehmen drängt an die Börse. Die lokale Empfehlungsplattform Yelp will in einem Börsengang rund 100 Millionen Dollar einnehmen. Das teilte das in San Francisco beheimatete Internet-Unternehmen in einer Pflichtmitteilung an die Börsenaufsicht SEC mit.
Auf der Yelp-Webseite veröffentlichen Mitglieder positive oder negative Bewertungen zu Geschäften oder Restaurants, die sie besucht haben, laut Yelp sind mittlerweile rund 22 Millionen Kritiken online. Die Zahl der monatlichen Nutzer der Webseite liegt bei 63 Millionen.
Wie viele Aktien zu welchem Preis an die Börse gebracht werden, geht aus dem Prospekt noch nicht hervor. Beobachter schätzen die angestrebte Unternehmensbewertung auf bis zu zwei Milliarden Dollar.
Yelp hat im Finanzjahr 2010 rund 47,7 Millionen Dollar umgesetzt und in den ersten neun Monaten 2011 rund 58,4 Millionen Dollar. Der Umsatz wird zu gut 90 Prozent mit Online-Werbung bestritten, der Rest kommt aus Dienstleistungen. Der Anzeigenverkauf ist derzeit auf die USA beschränkt, für das kommende Jahr ist der Aufbau eines internationalen Anzeigenvertriebs geplant.
Seit Gründung vor sieben Jahren steckt das Unternehmen in den roten Zahlen, 2010 lag der Nettoverlust bei 8,45 Millionen Dollar, bis September 2011 sind bereits 7,62 Millionen Verlust aufgelaufen. Das Geld aus dem Börsengang soll laut Prospekt für den Geschäftsbetrieb verwendet werden.
Zu den größten Risikofaktoren gehört die hohe Abhängigkeit von Suchmaschinen wie Google, Bing, Yahoo oder Ask.com. Google alleine bringt laut Prospekt über 50 Prozent aller Besucher auf die Seite. Das Problem: Erst im September ist Google selbst in den lukrativen Markt der lokalen Empfehlungen eingestiegen und hat den traditionsreichen Restaurantführer Zagat übernommen. Zagat soll standardmäßig in Google-Angebote wie Google Maps  oder der mobilen Suche über Smartphones integriert werden. Wenn es Yelp nicht gelingt, seine dominante Position in den Ergebnislisten der Suchmaschinen zu verteidigen, droht ein spürbarer Rückgang der Besucherzahlen und damit indirekt der Anzeigenerlöse.
Nach dem Schnäppchenportal Groupon und der Bewertungsplattform Angie’s List, die heute in New York erstmals gehandelt wurde, ist Yelp der dritte Social-Media-Börsengang  in nur drei Wochen. Alle Börsenneulinge weisen deutliche Verluste aus. Als Lead-Banken bei der Emission fungieren Goldman Sachs und Citigroup.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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