Interview
„Börse Schanghai war nicht der Auslöser“

Der Kurseinbruch in Schanghai hat eine Talfahrt der Börsen weltweit eingeläutet. Ivo Naumann, Finanzexperte von Roland Berger in der chinesischen Börsenmetropole, sieht den „Schwarzen Peter“ aber nicht in Shanghai. Warum er die Bedeutung der dortigen Börse schlicht für übertrieben dargestellt hält, was seines Erachtens wirklich die Ursachen sind und wie es mit dem chinesischen Aktienmarkt weiter geht.

Die Börsen bröckeln momentan weltweit. War der Kurseinbruch an der Börse in Schanghai wirklich der Auslöser?

Was momentan an den Börsen weltweit geschieht, hat nur sehr wenig mit der Kursentwicklung der Börse in Schanghai zu tun. Das ist allgemein völlig überbewertet worden. Es ist schlichtweg eine Übertreibung, wenn gesagt wird, dass China der Auslöser für die Entwicklung an den internationalen Finanzmärkten sei. Die Börse in Schanghai ist viel zu klein und hat keine Verbindungen zu anderen großen Finanzplätzen, um wirklich die Weltmärkte bewegen zu können.

Aber dem Trend in Schanghai folgten doch umgehen alle anderen Börsen?

Das war eher Zufall. Der Grund für die Kurskorrekturen weltweit liegt anderswo, vor allem in den USA und in Europa. Zudem sind fast alle Börsen sehr lange sehr gut gelaufen. Da musste es insgesamt zu einer Korrektur kommen. Für viele Anleger rund um dem Globus war der Trend in China möglicherweise eine Art psychologischer Auslöser, mehr aber nicht.

Warum gab es denn die Delle in Schanghai?

Es gibt eine Reihe von Gründen, die aber alle bekannt waren. Vertreter der chinesischen Führung hatten sich bereits vor Wochen kritisch über die überhitzte China-Börse geäußert und einen Kursrückgang ausgelöst. Zudem sind die Kleinanleger in China nervös geworden, da eine Kapitalertragssteuer diskutiert wird und es keine Kredite mehr für Börsenspekulationen geben soll. Ich muss sagen, die Regierung in Peking hat diese Themen sehr offen und fair gespielt.

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