Investment-Vehikel kommt auf Parkett
KKR füllt an der Börse die Kriegskasse auf

Der Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) hat sich eine sprudelnde neue Kapitalquelle erschlossen. Der Börsengang des Investment-Vehikels KKR Private Equity Investors LP an der Euronext in Amsterdam bringt ihm rund fünf Milliarden Dollar ein, und damit mehr als dreimal so viel wie ursprünglich geplant.

LONDON. Das verlautete am Dienstag in London aus Finanzkreisen. Der genaue Emissionspreis sollte noch am Abend bekannt gegeben werden; die Aktie wird am heutigen Mittwoch erstmals notiert. Mit der Aktienplatzierung setzt sich der Trend fort, dass Beteiligungskapitalfonds die Börse in Anspruch nehmen. Üblicherweise erhalten sie das Kapital für ihre Investitionen in Unternehmen direkt von Anlegern wie Pensionsfonds, Banken und Versicherungen, aber auch sehr vermögenden Privatleuten – daher der Gattungsbegriff „Private Equity“. Doch nun hat sich KKR als einer der größten Branchenvertreter entschlossen, über die Börse auch öffentliches Kapital einzuwerben. Dieses stammt von Investmentfonds oder auch von Kleinanlegern. Bisher hatten Anleger unter 25 Mill. Dollar keine Chance, in einen KKR-Fonds zu investieren. Künftig wird das ab 25 Dollar – dem erwarteten Preis einer KKR-PEI-Aktie – möglich sein.

Vor KKR haben bereits eine Reihe von Private-Equity-Firmen die Börse angezapft. In den USA haben Apollo Management und Ripplewood börsennotierte Töchter, in Großbritannien Candover und Permira. Hier gibt es mit der 3i Group auch den seltenen Fall einer erfolgreichen Private-Equity-Firma, die selbst an der Börse notiert ist. Permira sicherte sich vor kurzem über die börsennotierte Gesellschaft SVG Capital bis zu 3,8 Mrd. Euro für den geplanten neuen Zehn-Milliarden-Euro-Fonds.

Die Private-Equity-Firmen reagieren damit Branchenkennern zufolge auf den langfristigen Trend zu mehr privater Altersvorsorge über Börseninvestments. Sie erwarten, dass Pensionsfonds als Kapitalsammelstellen an Bedeutung verlieren und erschließen sich darum rechtzeitig neue Kapitalquellen.

Doch da auch die klassischen Quellen derzeit kräftig sprudeln, äußern immer mehr Anleger Bedenken, ob es genügend attraktive Investitionschancen für die neuen Milliarden geben wird.

Die neue KKR PEI soll gleichberechtigt mit den bisherigen Geldgebern in KKR-Fonds investieren und kann zusätzlich in einzelne Firmenbeteiligungen als Ko-Investor einsteigen. Für Investitionen in Europa hat die KKR Ende letzten Jahres einen neuen Fonds von 4,5 Mrd. Euro aufgelegt; die Einwerbephase für einen Zehn-Milliarden-Dollar-Fonds in den USA läuft.

Die 1976 in New York gegründete KKR ist nicht nur eine der größten, sondern auch eine der einflussreichsten Private-Equity-Firmen. Sie hat mit dem Kauf des Nahrungsmittelkonzerns Nabisco 1989 den mit 31 Mrd. Dollar größten Private-Equity-Deal aller Zeiten gemacht. Damit brachte sie den „Leveraged Buyout“ ins öffentliche Bewusstsein, den Kauf eines Unternehmens, bei dem der eigene Kapitaleinsatz mit einem Mehrfachen an Schulden „gehebelt“ wird.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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