Investmentbanken stufen den Pharmawert herab – andere Analysten halten Kurssturz für übertrieben
Schering wird zum Fall für Antizykliker

Die Aktie des Berliner Schering-Konzerns findet den Boden nicht. Nachdem am Montag schlechte Nachrichten zu dem in der Entwicklung befindlichen Krebsmittel PTK/ZK zu einem massiven Kursabsturz geführt hatten, konnte das Papier auch gestern keinen Boden gut machen.

FRANKFURT/M. Kaum jemand sagt es explizit, doch aus den aktuellen Analystenstatements zu Schering geht hervor, dass einige Verkäufer schon über das Ziel hinausgeschossen sind. Bereits am Montag bezeichneten einige Analysten den Kursverfall hinter vorgehaltener Hand als überzogen. Schering hatte die Märkte am Montag mit der Nachricht erschreckt, dass sein gemeinsam mit Novartis entwickelter Produktkandidat nicht die gewünschten Ergebnisse geliefert habe.

Es ist jedoch unklar, ob hinter den unglücklichen Ergebnissen tatsächlich ein Versagen des Wirkstoffes steht, oder schlicht die Unwägbarkeiten der Statistik. Zwei verschiedene Teams kamen bei der Auswertung des gleichen Datensatzes auf unterschiedliche Ergebnisse – was im Ergebnis eine erhebliche Verschiebung des ursprünglich für Ende des Jahres geplanten Zulassungsantrags zur Folge hat.

Für den Schering-Kurs ist schon diese Tatsache fatal, weil PTK/ZK das Potenzial zu einem Produktumsatz von mehr als einer Mrd. Euro hat. Verschiebt sich die Markteinführung eines derart wichtigen Produkts, sind Kursverluste unvermeidlich, weil künftige Umsätze und Erträge wegfallen. Hinzu kommt die Furcht vor einem Totalausfall des Hoffnungsträgers. Dafür sieht Schering nach Angaben eines Sprechers aber keine Anzeichen. Die laufenden Studien würden fortgeführt, weil das Unternehmen an einen Erfolg glaube.

Selbst wenn das vielversprechende Forschungsprojekt ein Misserfolg würde, wäre das kein existenzielles Problem für Schering. Anders als kleine Biotechfirmen, deren Geschäftsmodell oft auf der Entwicklung eines einzigen Wirkstoffes beruht, verfügt das Dax-Unternehmen über weitere Hoffnungsträger. Die Kreditanalysten von Standard & Poor’s betonten deshalb gestern, dass für sie das Rating „A“ nicht in Frage steht. Auch die meisten Aktienanalysten halten die negativen Auswirkungen für begrenzt.

Für die DZ-Bank führt die Verschiebung – soweit es dabei bleibt – zu einem Abschlag des fairen Werts um fünf auf 51 Euro. Alexander Groschke von der Landesbank Rheinland-Pfalz senkte das Kursziel für Schering auf 52 Euro. Tatsächlich notiert das Papier aber bereits unter 50 Euro.

Andrew Baum von Morgan Stanley hält die aktuelle Bewertung der Schering-Aktie für ein attraktives Einstiegsniveau. Er sieht das Kursziel der Aktie bei 57 Euro und stufte das Papier daher auf „overweight“, rät also zum Übergewichten der Aktie im Depot. Für das Pharma-Team von Lehman Brothers hat die Aktie sogar Raum für einen Kursanstieg um mehr als 20 Prozent. Wie aus einer gestern veröffentlichten Kurzstudie des Hauses hervorgeht, ist Schering für Lehman damit der attraktivste Pharmawert in Europa.

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