Investoren an größeren Börsengängen interessiert
Emissionswelle hält 2007 an

Der Boom bei Aktienemissionen hält im nächsten Jahr an. Diese Meinung vertreten einhellig die vom Handelsblatt befragten Banken. Noch stärker als die Zahl der Emissionen dürfte 2007 das Emissionsvolumen ansteigen. Der Trend zur Größe ist bereits jetzt klar erkennbar.

FRANKFURT. „2007 wird mindestens so gut wie das laufende Jahr, und das konnte fast an das Rekordjahr 2000 heranreichen“, sagt Dirk Notheis, einer der Chefs des Investment-Bankings von Morgan Stanley Deutschland. Stefan Gratzer, bei Lehman Brothers für das deutsche Emissionsgeschäft verantwortlich, rechnet im nächsten Jahr sogar mit einem Plus von bis zu 15 Prozent. Zurzeit addiert sich die Anzahl der Börsengänge in den Qualitätssegmenten Prime und General Standard an der Deutschen Börse auf über 40.

Noch stärker als die Zahl der Emissionen dürfte 2007 das Emissionsvolumen ansteigen, das sich derzeit auf gut 5,6 Mrd. Euro beläuft. Dabei sind bei institutionellen Investoren wie Fonds und Versicherungen vor allem größere Emissionen gefragt. „Für Großanleger wird die Liquidität immer wichtiger, um die Aktien bei Bedarf auch wieder verkaufen zu können“, betont Klaus Fröhlich, Chef des deutschen Aktienemissionsgeschäfts bei Morgan Stanley. Sie hofften, dass bei den Neuemissionen über die Hälfte an der Börse frei handelbar sei. Fröhlich erwartet im nächsten Jahr allein aus dem Immobilienbereich mehr als zehn Emissionen, die größer als 200 Mill. Euro sind. Nach der Erfahrung Gratzers geht der Trend vor allem bei angelsächsischen Investoren zu größeren Emissionen.

Kurz vor dem Jahresende ist der Trend zur Größe bereits klar erkennbar. Nachdem Wacker Chemie mit einem Emissionsvolumen von 1,2 Mrd. Euro im Jahr 2006 bis jetzt der größte Börsengang war und der Immobilienkonzern Gagfah mit 850 Mill. Euro mit weitem Abstand folgte, könnte der Aromahersteller Symrise bald an die Spitze stürmen.

Für die Nummer vier der Branche weltweit gebe es großes Interesse im Vorfeld des Börsengangs, der für den 11. Dezember geplant ist, heißt es in Finanzkreisen. Es wir deshalb mit einem Volumen von bis zu 1,3 Mrd. Euro gerechnet. Außerdem wolle der Finanzinvestor Hellman & Friedman einen Teil seiner Aktien an der Mediengruppe Axel Springer über rund 400 Mill. Euro bis Mitte Dezember platzieren, berichten Bankenkreise. Hellman & Friedman hält seit Herbst 2003 eine 19,4-Prozent-Beteiligung an dem nach Bertelsmann zweitgrößten Medienunternehmen Deutschlands. Zudem plant Xing, die Internet-Kontaktplattform für Manager, ihren Börsengang in den nächsten Wochen, der mit 200 Mill. Euro taxiert wird.

Eine größere Anzahl von Emissionen werde im nächsten Jahr von Finanzinvestoren kommen, erwartet Georg Hansel, der für heimische Börsengänge bei der Deutschen Bank verantwortlich ist. Die Private-Equity-Häuser nutzten die attraktiven Bewertungen, die der Aktienmarkt mittlerweile bietet, zum Ausstieg. Momentan kommt nach der Beobachtung von Fröhlich etwa ein Fünftel der Emissionen von Finanzinvestoren.

Als Käufer neuer Aktien treten inzwischen vor allem Hedge-Fonds auf. Ihre Rolle sei gewachsen, sagt Notheis: „Eine Zuteilung von 20 bis 30 Prozent der Aktien aus einer Emission ist inzwischen durchaus üblich.“ Privatanleger spielen hingegen mittlerweile eine untergeordnete Rolle.

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