Investoren wählen aus
Brasiliens IPO-Boom kühlt ab

Erstmals scheint sich die Stimmung an der brasilianischen Börse zu wenden: Obwohl der Börsenindex im April von einem Rekord zum nächsten eilt, wird es schwieriger für Unternehmen, ihre Aktien zu listen. Denn die Investoren trennen jetzt die Spreu vom Weizen und lassen vor allem Firmen aus der zweiten Reihe abblitzen.

SÃO PAULO. Seit Anfang 2006 haben 55 Unternehmen an der brasilianischen Börse ihre Aktien gelistet oder Kapitalerhöhungen vorgenommen. Alleine in diesem Jahr wagten bereits 14 Unternehmen den Börsengang und sammelten dabei umgerechnet etwa sechs Mrd. Dollar ein. Zum Vergleich: Bei den gesamten Börsengängen in der EU im ersten Quartal gelangte mit 10,6 Mrd. Euro – nach den Angaben des Finanzdienstleisters Price Waterhouse - nur rund doppelt so viel neues Kapital an die Börsen. Doch nun scheint sich erstmals die Stimmung zu wenden: Obwohl der Börsenindex im April von einem Rekord zum nächsten eilt, wird es schwieriger für Unternehmen, ihre Aktien zu listen.

So vertagten Anfang des Monats zwei Baukonzerne ihre geplanten Kapitalerhöhungen wegen mangelnden Interesses. Eine Waschsalonkette blies den Börsengang vollständig ab. Die Aktie der Holding von Friboi, des größten Fleischproduzenten Brasiliens, konnte den erwarteten Einstandskurs nicht erreichen und verlor am zweiten Börsentag bereits stark an Wert – obwohl der Börsengang des Lebensmittelkonzerns von den Analysten schon länger interessiert erwartet wurde.

„Nach der Euphorie über die erfolgreichen Börsengänge der letzten Jahre trennen die Investoren jetzt stärker den Spreu vom Weizen“, sagt Paulo Saba, Direktor bei Banco Espírito Santo. Denn anders als 2005 zu Beginn des Emissionsbooms, als sich überwiegend solide Unternehmen an die Börse wagten, versuchen nun auch zweitrangige Unternehmen, die gute Stimmung zu nutzen, um Kapital aufzunehmen.

Das gilt besonders für die Wohnungsbaubranche: Allein 20 neue Bauunternehmen tummeln sich heute an der Bovespa. Doch nur die Hälfte der Aktien notieren über ihrem Einstandskurs. Dabei gilt: Die Konzerne, die als erstes den Börsengang schafften, verzeichnen auch die höchsten Kursgewinne: Das gilt vor allem für die Marktführer Cyrela, Gafisa, Abyara und Company. Die Kurse aller anderen Baukonzerne bewegten sich wenig oder entwickelten sich seit dem Börsengang negativ.

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