Investoren warten auf "harte Daten"
Dax-Ausblick: Seitwärts durch das Sommerloch

Diskussionen um die Konjunkturerholung könnten das gesamte dritte Quartal ausfüllen, mutmaßen einige Analysten. Noch fehle einfach die fundamentale Unterstützung für die Märkte. Im Herbst aber, so die frohe Botschaft, sei dann mit einer Rally zu rechnen.

vwd FRANKFURT. Den Aktienmärkten droht in den kommenden Wochen das Sommerloch. Bewahrheitet sich die Annahme der Bankgesellschaft Berlin, so könnte das Loch sogar tiefer sein als so manchem lieb wäre, der mit Blick auf die rasante Rally seit Mitte März leuchtende Augen bekommen und satte Gewinne eingefahren hat. „Wir rechnen mit einer Fortsetzung der Konsolidierung, die durchaus das gesamte dritte Quartal ausfüllen könnte“, so die Berliner. Es fehle einfach noch die fundamentale Unterstützung für die Märkte. Im Herbst aber, so die frohe Botschaft, sei dann mit einer Rally zu rechnen. Als Lokomotive sollten dann steigende Erträge wirken.

Trotz der fortdauernden Stagnation gibt es tatsächlich erste Anzeichen für eine Erholung der Konjunktur. Steigende Auftragszahlen in den USA und eine bessere Stimmung unter den Einkaufsmanagern dort können als Belege gelten. Ein herber Rückschlag waren hingegen die Nachrichten vom Arbeitsmarkt der größten Volkswirtschaft. Solange die gute Stimmung sich nicht darin widerspiegelt, dass die Unternehmen in der Hoffnung auf steigende Absätze auch Personal einstellen, sei nicht wirklich Licht am Ende des Tunnels in Sicht, so die Argumentation.

Einige Beobachter halten dagegen, dass die negativen Nachrichten der vergangenen zwei Jahre - Terroranschläge, latente Terrorgefahr, Irak-Krieg, SARS - die Unternehmen in puncto Neueinstellungen noch vorsichtiger gemacht hätten.

Die kommende Woche dürfte also vom Warten auf weitere „harte Daten“ geprägt sein. Profitieren werden die Aktien weiterhin vom günstigen monetären Umfeld. Auf Basis der Dividendenrendite sind die Aktienmärkte im Vergleich zu den Kapitalmarktzinsen und den Kurzfristzinsen attraktiv bewertet. Und Investmentfonds sind in Aktien noch immer vergleichsweise unterinvestiert.

Was fehlt ist der „Trigger“, wie US-Börsianer sagen. Dass die anstehenden Berichte der US-Unternehmen diesen Startschuss auslösen, ist eher unwahrscheinlich. Zwar gab es in der „Vorwarnsaison“ kaum Hiobsbotschaften; die Ausblicke der Konzerne dürften aber angesichts der unsicheren Konjunktur einmal mehr vorsichtig ausfallen.

„Seitwärtsbewegung“ lautet folglich der Tenor im Markt für die anstehenden Wochen. Ein Ausbruch der marktführenden Indizes über ihre wichtigen Widerstände ist somit nicht zu erwarten, ebenso wenig wie ein Abrutschen unter die markanten Unterstützungen.

Den Dax sehen die Analysten der Hypo-Vereinsbank zwischen 3 000 und 3 400 Punkten pendeln. Der Euro-Stoxx-50 werde zwischen 2 300 und 2 600 Stellen seitwärts laufen. Klare Branchentrends sind nicht auszumachen. Sollten Devisenanalysten mit ihrer Annahme eines festeren Dollar Recht behalten, dürften Automobil- und Chemieaktien weiter zulegen. Von einer geringen Volatilität am Aktienmarkt könnten Bankenaktien profitieren.

Politische Börsen haben kurze Beine, lautet eine alte Weisheit am Aktienmarkt. Gleichwohl hat das Vorziehen der Steuerreform dem deutschen Markt Impulse verliehen, der Dax hat auch aus diesem Grund seine Outperformance im Vergleich zum Euro-Stoxx-50 fortgesetzt. Goutiert wird Beobachtern zufolge eher die Reformfähigkeit der Bundesregierung als die tatsächlichen Konjunkturimpulse. Mit einiger Spannung schauen Börsianer auf das nächste politische Großprojekt, die Gesundheitsreform. Der Gesetzesentwurf wurde auf den Herbst verschoben. Auch hier lautet die Devise also: Augen zu und durchs Sommerloch.

Der Terminkalender für die kommende Handelswoche ist dünn. Im Fokus dürfte die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag stehen. Mit einer weiteren Zinssenkung ist zwar nicht zu rechnen, interessant dürften aber die Aussagen zum erwarteten Konjunkturverlauf sein.

Über diesen geben bereits am Dienstag die Auftragseingänge für das verarbeitende deutsche Gewerbe und am Mittwoch die Arbeitslosenquote im Juni sowie Zahlen zur Industrieproduktion im Mai Aufschlüsse.

Es folgen Daten zum Wirtschaftswachstum in der Eurozone, bevor die Woche mit Zahlen zur Handels- und Dienstleistungsbilanz der USA beschlossen wird.

Mit Alcoa, Yahoo und General Electric legen die ersten US-Unternehmen Zweitquartalszahlen vor. Aus deutscher Sicht wird sich das Interesse auf Lufthansa und Fraport konzentrieren, die Verkehrszahlen für den Juni vorlegen. Auch Air France, SAS und Easyjet berichten, wie ihre Flieger im Juni ausgelastet waren.

Und schließlich erstatten die französische Handelskette Carrefour und der Kosmetikkonzern L'Oreal Bericht über das Geschäft im zweiten Quartal. Die Ergebnisse dürften auch auf die Kurse der deutschen Wettbewerber beeinflussen.

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