IPO-Ausblick USA
Die Wall Street bekommt kein zweites GM

Das IPO-Jahr 2009 in den USA hatte viel Durchschnitt zu bieten - aber auch ein Glanzlicht. Der Mega-Börsengang von General Motors hat den Investmentbanken das Jahr gerechnet. 2011 droht ihnen allerdings eine Dürrephase.
  • 0

HB NEW YORK. Das Glanzlicht kam zum Jahresende aus Detroit: 23,1 Milliarden Dollar sammelte General Motors bei seinem Börsengang im November ein. Der Autobauer setzte sich damit mit großem Abstand an die Spitze der 159 Unternehmen, die in diesem Jahr in den USA bislang an den Aktienmärkten auftauchten.

Gemessen am Volumen ist das der beste Jahrgang seit drei Jahren, gegenüber dem Vorjahr stellt dies sogar eine Steigerung um mehr als das Doppelte dar. Doch Analysten und Investoren rechnen nun mit einem Durchhänger und gehen davon aus, dass der Markt im kommenden Jahr vor sich hin dümpeln wird - auch wenn die durchschnittliche IPO-Größe zunehmen könnte.

Die Zahl der Börsengänge zeige, dass der IPO-Markt im Jahr 2010 seinen Tiefpunkt überwunden habe, sagt Scott Gehsmann, der Kapitalmarkt-Partner von PricewatwerhouseCoopers (PwC). Von einer vollständigen Erholung zu sprechen sei aber noch verfrüht.

Die meisten Börsengänge in den USA waren wesentlich kleiner als das Mega-IPO der Opel-Mutter GM. Die Nummer Zwei im Jahr 2010, Swift Transportation, sammelte PwC-Daten zufolge 806,3 Millionen Dollar ein. Das durchschnittliche Volumen betrug 243,9 Millionen Dollar.

Doch dies könnte sich im kommenden Jahr ändern: Auch wenn sich ein Börsengang wie der von GM nicht wiederholen wird, scharren eine Reihe von Kandidaten mit den Hufen, unter anderem eine Handvoll große, von Finanzinvestoren unterstützte Firmen. Die IPO-Unterlagen eingereicht hat unter anderem der Krankenhausbetreiber HCA, der bis zu 4,6 Milliarden Dollar einsammeln will.

Der Marktforscher Nielsen will rund zwei Milliarden einnehmen und dem Spielwaren-Händler Toys R Us soll der Börsengang im Jahr 2011 bis zu 800 Millionen Dollar in die Kassen spülen. Bankern zufolge stehen noch einige weitere große Deals dieser Art in der Pipeline. Angesichts niedriger Zinsen sei der Aktienmarkt für Anleger wieder attraktiver, sagt Gehsmann.

Im Zuge der Finanzkrise hatten sich viele Anleger von den Börsen abgewandt. Stattdessen setzten sie unter anderem auf die als sicher geltenden Staatsanleihen. Erst gegen Ende 2009 kehrte sich der Trend um. Der IPO-Markt, der als einer der unsichersten Märkte gilt, hinkte allerdings hinterher: 2007 wagten sich 296 Firmen an die Börse, 2008 waren es 57 und 2009 trauten sich 69 Unternehmen.

Schwer zu sagen, wie stark sich die Lage verbessert habe, sagt der bei der Harris Private Bank für das Investitionsgeschäft zuständige Jack Ablin. Den blanken Zahlen nach sehe das Umfeld für IPOs wesentlich günstiger aus. Es gehe aber nicht allein über die Verfügbarkeit von Krediten, sondern auch um den Willen der Investoren, in die Zukunft zu investieren, sagt Ablin.

Kommentare zu " IPO-Ausblick USA: Die Wall Street bekommt kein zweites GM"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%