IPO-Flaute
Aktiencrash verdirbt Börsenpläne

Die weltweite Schuldenkrise und Turbulenzen an den Aktienmärkten beunruhigen nicht nur börsennotierte Unternehmen, sondern auch die, die den Gang an die Börse planen. Der Zugang zum Markt ist für viele vorerst verbaut.
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DüsseldorfDie anhaltende Unsicherheit am Aktienmarkt macht vielen Börsenkandidaten einen Strich durch die Rechnung. Verunsicherte Anleger lassen die Finger von neuen Aktien und lassen reihenweise Börsengänge scheitern. Zwar gingen im dritten Quartal 2011 weltweit noch 284 Unternehmen an die Börse. Das sind jedoch 32 Prozent weniger als noch im Vorquartal, in dem es 383 Börsengänge gab. Das Emissionsvolumen ging sogar um 60 Prozent zurück, von 65,6 Milliarden Dollar (etwa 46,63 Milliarden Euro) auf 28,5 Milliarden Dollar. Diese Ergebnisse veröffentlichte am Mittwoch das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Ernst & Young in seinem vierteljährlichen Initial Public Offerings-Barometer (kurz: IPO).

„Der Rückgang der weltweiten IPO-Aktivitäten zeigt, dass die Schuldenkrisen in der Euro-Zone und den USA negative Auswirkungen auf den IPO-Markt und das Vertrauen sowohl der Emittenten als auch der Investoren hatten“, sagt Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei Ernst & Young.

Die meisten Emissionen - zwei von drei Börsengängen - gibt es derzeit noch in den Schwellenländern. Auch sechs der zehn größten Börsengänge fanden im vergangenen Quartal dort statt. Den Spitzenplatz belegte China mit 90 Börsengängen, gegenüber 108 im Vorquartal. Aufgeteilt nach Branchen, gab es die meisten Emissionen im Grundstoff-Sektor (25 Prozent).

So lange die Aktienmärkte nicht zur Ruhe kommen, dürfte die Flaute bei Börsengängen anhalten. Mittelfristig erwartet Steinbach aber neuen Schwung am IPO-Markt. „Nach wie vor gibt es eine große Zahl sehr guter IPO-Kandidaten“, sagt Steinbach. „Viele Unternehmen, die sich auf einen Börsengang in den kommenden Wochen vorbereitet hatten, haben ihre IPO-Pläne vorerst vertagt, beobachten aber genau die weitere Entwicklung am Kapitalmarkt. Derzeit ist das Risiko, bei einem Börsengang nicht die erhofften Summen einzulösen, relativ hoch."

Die prominentesten Zauderer waren jüngst die Siemens-Tochter Osram und der Energiekonzern Evonik. Beide begründeten dies mit der schlechten Lage an den Finanz- und Kapitalmärkten. Auch Facebook will laut Presseberichten erst Ende 2012 Aktien ausgeben. Zu den neuen Emittenten könnten im nächsten Jahr auch der Tiefkühlkost-Hersteller Iglo und der Unterwäschehersteller Schiesser gehören.

Martin Steinbach von Ernst & Young erwartet für das Frühjahr 2012 wieder "verstärkte Aktivtäten". Die Entwicklung der vergangenen Monate zeige, wie wichtig Flexibilität bei der IPO-Vorbereitung sei, so Steinbach: „Die IPO-Fenster öffnen und schließen sich derzeit extrem kurzfristig. Umso wichtiger ist es für Unternehmen, gut vorbereitet zu sein, um schnell sich bietende Möglichkeiten zu nutzen."

Handelsblatt-Finanzkorrespondentin Katharina Schneider.
Katharina Schneider
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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