IPO
Hochtief-Concessions bläst Börsengang ab

Der milliardenschwere Börsengang der Hochtief-Tochter Concessions ist geplatzt. Grund für die Absage ist die zurückhaltende Nachfrage der Investoren nach Concessions-Anteilsscheinen. Das Börsen-Aus des Baudienstleisters für Flughäfen und Infrastrukturprojekte ist ein Rückschlag für IPOs in Deutschland insgesamt.
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rob/wt/HB FRANKFURT/DÜSSELDORF. Der Essener Konzern legte die Pläne für das Initial Public Offering (IPO) am Donnerstag auf Eis, nachdem die Investoren angesichts der jüngsten Kursausschläge an den Finanzmärkten nur zögerlich nach den Anteilsscheinen gegriffen hatten.

Hochtief teilte mit, das Vorhaben werde "zunächst" nicht weiter verfolgt, und verwies indirekt auf die Dubai-Krise. "Durch die jüngsten Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten hat sich das Kapitalmarktumfeld entscheidend verschlechtert", erklärten Hochtief und die Tochter. Eine Veräußerung der Concessions-Anteile unter Wert scheide aus.

Bis Dienstag seien erst gut die Hälfte der zum Kauf angebotenen Aktien von Investoren gezeichnet worden, hieß es aus Finanzkreisen. Die Zeichungsfrist ist am Donnerstagabend abgelaufen. Mit einem Volumen von maximal gut eine Mrd. Euro wäre der Börsengang der größte seit rund zwei Jahren gewesen.

Der größte deutsche Baukonzern wollte bis zu 49 Prozent der Tochter an die Börse bringen, in der der Konzern unter anderem seine Beteiligungen an sechs Flughäfen wie in Budapest und Athen gebündelt hat. Die Preisspanne hatte Hochtief zwischen 24 bis 29 Euro abgesteckt. Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter hatte aber immer wieder betont, der Konzern müsse Concessions nicht um jeden Preis an die Börse bringen. "Unser Anspruch als aktiver Portfoliomanager war stets, in keinem Fall unter unseren Wertvorstellungen zu verkaufen. Das haben wir immer gesagt und wir stehen weiterhin unter keinerlei Druck", betonte er nun in der Mitteilung. Für Concessions habe das Scheitern der Börsenpläne keine Folgen, unterstrich Vorstandschef Peter Noe: "Unsere Finanzierungslinien stehen - auch ohne einen Börsengang."

Schwache Auslandsnachfrage

Die Nachfrage war vor allem von Großanlegern aus Deutschland gekommen, sagen Insider. In der Vergangenheit waren aber gerade ausländische Investoren wie Hedge-Fonds und Aktienfonds die Treiber für die Emissionen. Vielen Anlegern liege der Ausgabekurs für die Aktie zu hoch. Ausländische Großinvestoren hätten sich zudem wegen der Platzierung eines Minderheitsanteils skeptisch gezeigt, so Finanzkreise. Das sei außerhalb Deutschland unüblich.

Der bisherige Zeichnungsverlauf löste bereits im Vorfeld Zweifel an dem Börsengang aus, da normalerweise eine Überzeichnung des Angebots von rund zweimal für nötig erachtet wird, damit ein Börsengang einen gesunden Kursverlauf nach der Platzierung nimmt. Im Fall Hochtief Concessions wollte die Muttergesellschaft 25 Mio. Aktien aus einer Kapitalerhöhung anbieten und bis zu 9,44 Mio. Aktien von Hochtief.

Nur noch ein deutscher Börsengang in diesem Jahr

Die Absage des Börsengangs des Baudienstleisters für Flughäfen und Infrastrukturprojekte ist ein Rückschlag für IPOs in Deutschland. Nachdem lange Zeit Flaute geherrscht hatte, verbesserte sich zuletzt die Stimmung. Banker hatten sogar noch mit drei größeren Aktienemissionen in den letzten Wochen dieses Jahres gerechnet. Doch die Finanzinvestoren BC Partners und Apollo entschieden sich im November beim Kabelbetreiber Unitymedia in letzter Minute anstatt eines IPOs für den Verkauf an den Medienkonzern Liberty Global. Deshalb wird es nun nur noch einen deutschen Börsengang in diesem Jahr gaben: Den des Windkraft- und Solarprojektierers Scan Energy, der seine Aktien derzeit anbietet.

Insgesamt lief das Jahr für Aktienemissionen in 2009 weltweit sehr gut. Mit 654 Mrd. Dollar lag das Volumen nur rund 100 Mrd. Dollar unter dem Rekord aus dem Jahr 2007. Allerdings prägten Kapitalerhöhungen vor allem aus der Bankenbranche das Bild. Das Volumen von IPOs belief sich weltweit auf 93 Mrd. Dollar und blieb damit unter den Hoffnungen.

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