IPOs
Bahn-Börsengang in Gefahr

Finanzminister Steinbrück spricht erstmals über die Möglichkeit einer Verschiebung der Erstnotiz. Die Bahn will davon noch nichts wissen und berichtet über großes Investoreninteresse. Doch das Umfeld für Börsengänge ist miserabel.

HB FRANKFURT. Der Bahn-Börsengang kommt - egal, wie stark es an den Märkten kracht. Diese unumstößliche Botschaft trugen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und alle Verantwortlichen in der Politik seit Monaten unbeirrt in die Welt. Zumindest bis gestern: Da erklärte Finanzminister Peer Steinbrück plötzlich, dass die letzte Entscheidung über den Teilbörsengang der Deutschen Bahn aus seiner Sicht noch nicht gefallen sei. "Man wird irgendwann überlegen müssen, ob das jetzt der richtige Zeitpunkt ist", sagte Steinbrück heute mit Blick auf die Börsenturbulenzen.

Er wolle das laufende Privatisierungsverfahren aber nicht beschädigen, fügte der Minister hinzu. Es gebe interessierte strategische Investoren, die von der Finanzkrise nicht so stark betroffen seien. Es werde aber der Zeitpunkt kommen, an dem man abwägen müsse, ob der Börsengang nun komme "oder man einen Plan B zieht", sagte Steinbrück.

Bisher soll die Bahn-Tochter Mobility Logistics (DB ML) soll am 27. Oktober zu knapp einem Viertel an die Börse gebracht werden. Kritiker fürchten, dass die bisher im Staatsbesitz befindlichen Anteile im Umfeld der Finanzkrise zu einem zu niedrigen Preis verkauft werden könnten.

Dass das Umfeld für Börsengänge ist, zeigen nicht nur die heftigen Kursverluste an den weltweiten Märkten. Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) hat die weltweite Finanzkrise das Emissionsgeschehen an den europäischen Börsen fast vollständig zum Erliegen gebracht. Das Gesamtvolumen der Börsengänge brach laut PwC von 12,624 Mrd. Euro im dritten Quartal 2007 auf nur noch 1,635 Mrd. Euro im dritten Quartal dieses Jahres ein. Die Zahl der Börsengänge sei im gleichen Zeitraum von 183 auf 69 gefallen, das durchschnittliche Emissionsvolumen von 80 Millionen Euro auf 33 Millionen zurückgegangen.

Eine Belebung erwartet PwC frühestens für das zweite Quartal 2009, für die Deutsche Bahn viel zu spät. Das Unternehmen betonte gestern, dass die Nachfrage der Investoren über den Fortgang des geplanten Börsengangs entscheide. "Bisher gibt es keine negative Zeichen aus dem Markt. Weltweit suchten Investoren gerade sichere Werte", zeigte sich ein Sprecher optimistisch. Allerdings fügt er hinzu, dass "am Ende natürlich der Markt entscheidet".

Nach wie vor ungewiss ist auch der Börsengang des Solaranlagenbauers Schott. Das Unternehmen hatte vergangene Woche zum zweiten Mal die Erstnotiz in Frankfurt verschoben. Als neuer Starttermin für das bis zu 650 Mio. Euro schwere IPO ist dieser Donnerstag vorgesehen, Investoren können die Aktien bis Mittwoch abend zeichnen. Ob die Nachfrage dieses Mal ausreicht, ist angesichts der erneuten Zuspitzung an den Börsen aber mehr als fraglich.

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