IPOs
Chinas flotter Tanz auf dem Parkett

Chinas Aktienmärkte werden mit einer Reihe von Börsengängen auch dieses Jahr im Rampenlicht stehen. Analysten erwarten nach dem Einbruch im vergangenen Jahr, dass die Zahl der Initial Public Offering (IPO) an den Finanzplätzen in Schanghai, Shenzhen und Hongkong deutlich zunehmen wird.

PEKING. Schon in den ersten sechs Monaten diesen Jahres fand laut Datendienst Dealogic jeder zweite Börsengang in China statt. Die 30 IPOs erzielten 13,7 Mrd. Dollar. Mit Blick auf eine sich abzeichnende Erholung und die positiven Auswirkungen der Konjunkturprogramme "dürften wir gegen Jahresende verstärkte IPO-Aktivitäten in Hongkong und in China sehen", sagt John Lydon, der bei der Deutschen Bank in Asien für Aktienemissionen zuständig ist. Über 30 Unternehmen haben bereits die Zustimmung der Behörden für ein Listing in Schanghai oder Shenzhen, darunter etwa der staatliche Eisenbahnhersteller CNR oder die Werft China Shipbuilding Industry.

Für Paukenschläge sorgt vor allem die Börse Schanghai, die Hongkong Konkurrenz machen und bis 2020 zum Top-Finanzplatz in Asien aufsteigen will. Ende Juli legte die China State Construction Engeneering dort den bislang größten Börsengang des Jahres aufs Parkett. Der größte Häuslebauer des Landes nahm 7,3 Mrd Dollar ein.

Die globale Flaute hatte auch chinesische Börsenaspiranten deutlich verunsichert, viele Börsengänge wurden zunächst abgesagt und verschoben. 2008 waren darum die Listings in China und Hongkong auf ein Dreijahrestief gefallen, die 127 Debuts brachten 17,9 Mrd. Dollar ein - 73 Prozent weniger als noch 2007 - in China ein Boomjahr für IPOs.

Doch nicht nur Chinas Industrie-Giganten streben an die Börse. Immer öfter planen auch kleinere Unternehmen eine Börsenplatzierung. Rowena Chu, Leiterin für den Bereich Aktienemissionen in Asien bei der Deutschen Bank, ist überzeugt, dass der Anteil der Staatskonzerne deutlich sinken wird. Dagegen werde die IPO-Zahl privater Mittelständer zunehmen, da diese Firmen Kapital für eine Expansion benötigen, heißt es auch in einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young. Obwohl die Regierung die Staatsbanken dränge, mehr und schneller Kredite an kleinere Privatfirmen zu vergeben, "bleibt die Geldbeschaffung über Banken weiter stark eingeschränkt", heißt es in der Studie.

Der neue Schwung bei Börsengängen spiegelt so auch die Dynamik der chinesischen Konjunktur wider. Die viertgrößte Wirtschaftsnation hat sich mit einem Konjunkturprogramm im Wert von umgerechnet mehr als 400 Mrd. Euro gegen die Flaute gestemmt und wird 2009 ein Wachstum von mehr als acht Prozent schaffen. Der Stimulus kam an der Börse an: Bis Ende Juli verdoppelte sich der Wert von Schanghais Benchmarkindex zum Tiefstwert im vergangenen Jahr.

Die Kursrally habe auch den Markt für Börsengänge belebt, sind die Analysten überzeugt. "Es gibt reichlich Liquidität im Finanzsystem und eine starke Nachfrage nach allen möglichen Anlageformen", sagt Analyst Wu Binghua von Debon Securities. Vor allem der "Heißhunger" auf neue Notierungen sei besonders groß, denn selbst bei den notierten Konzernen wird meist nur ein kleiner Teil des Kapitals gehandelt.

Die chinesische Regierung hatte das Feuer Ende Mai selbst entfacht, indem sie überraschend IPOs nach einem achtmonatigen Stopp wieder zuließ. Neue Regeln, die extreme Kurssprünge verhindern sollen, zeigen jedoch kaum Wirkung. Mit Zuwächsen von bis zu 100 Prozent am ersten Handelstag liefen auch die Börsengänge nach der Zwangspause wieder heiß. Experten warnen bereits vor einer neuen Überhitzung. "Das lässt Zweifel aufkommen, ob alles eitel Sonnenschein ist", sieht Aktienhändler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade den chinesischen IPO-Reigen bereits mit Skepsis.

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