Islamische Märkte
Saudische Börse bleibt Investoren ein Rätsel

Schon bald sollen auch Ausländer an der Börse in Saudi-Arabien anlegen dürfen. Die Regeln sind zwar noch nicht ganz klar. Doch die Börse gilt als Honigtopf des Nahen Ostens – da warten die Investoren gern.
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DubaiAcht Monate nach dem ersten Entwurf rätseln die Investoren immer noch. In elf Wochen sollen Ausländer Zugang zu der Börse in Saudi-Arabien - der größten Börse des Nahen Ostens - erhalten. Doch die Kapitalmarktbehörde in Riad hat noch immer nicht erklärt, was genau die neuen Regeln bewirken sollen, zumal viele der bestehenden Einschränkungen bleiben. So sollen ausländische Investoren aus verschiedenen Brachen - wie etwa Immobilien oder Fischerei - ausgeschlossen werden.

Unternehmen forderten „mehr Klarheit über die Mechanismen des Investierens”, sagt Rechtswanwalt Glenn Lovell, Partner bei der Kanzlei Al Tamimi, die internationale Investoren zur Marktöffnung berät. Lovell glaubt, dass die Probleme der neuen Regelungen noch eine Weile bestehen werden, „weil die für die Umsetzung Verantwortlichen erst allmählich mit dem neuen Gesetz vertraut werden.”

Der Mangel an Transparenz ist symptomatisch für die Schwierigkeiten von Saudi-Arabien, Ausländern mehr Einfluss zu erlauben. Das Land gilt als streng konservativ. So kann der Großmufti als höchste religiöse Instanz jede richterliche Entscheidung aufheben. Das gilt auch für finanzielle Fragen, und somit sitzt Saudi-Arabien mit seinen Internationalisierungsplänen für einheimische Börse zwischen zwei Stühlen: Auf der einen Seite will der Staat mehr ausländische Investitionen in seinen 521 Milliarden Dollar schweren Aktienmarkt. Auf der anderen Seite sollen die Konservativen, welche die islamischen Wurzeln des Landes bewahren wollen, nicht verärgert werden.

„Einerseits wollen die Saudis nicht, dass Ausländer ihre Konjunkturblase zum Platzen bringen oder auf ihrem heiligen Boden frei herumlaufen. Andererseits wollen sie von dem Nutzen profitieren, den Ausländer bringen”, sagt Ghanem Nuseibeh, Gründer der Risikoberatung Cornerstone Global Associates in Dubai. „Erstmal werden sie wohl geschockt sein, wenn sie feststellen, dass eine Firma, die von einer jüdischen Frau geführt wird, saudische Aktien hält. Aber sie werden sich damit abfinden.”

Dabei nehmen ausländische Investoren in Saudi-Arabien längst am Marktgeschehen teil, nur eben indirekt. Seit 2008 können Ausländer über Aktienswaps auf Saudi-Aktien wetten. Die Regierung hatte gehofft, dass das ausreichen würde, um den Handel zu beleben und kurzfristige Spekulanten abzuschrecken. Aber es reichte nicht: Der saudische Leit-Aktienindex ist weltweit der siebt-volatilste unter mehr als 70 von Bloomberg beobachteten Indizes. Der Plan, Ausländern Zugang zu gewähren, sei ein weiterer Schritt weg von einem Markt, der von Spekulanten und Großtransaktionen reicher Investoren beeinflusst werde, sagte Rechtsanwalt Lovell.

Saudi-Arabien ist nicht das erste Land, das sich mit dem Problem der Marktöffnung konfrontiert sieht. Indien steht beispielhaft für die Vorteile einer solchen Öffnung. Als Indien hatte 1992 begann, Ausländern Zugang zu seinen Aktienmärkten zu verschaffen, waren die Devisenreserven des Landes unter eine Milliarden Dollar gefallen, es geriet an den Rand eines Zahlungsausfalls. Inzwischen sind die Reserven auf über 330 Milliarden Dollar angewachsen.

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