Italien
Amazon der Mode wagt sich auf das Parkett

Der Online-Modehändler Yoox platziert als erstes Unternehmen in diesem Jahr seine Aktien an der Mailänder Börse. Vor wenigen Jahren glich das Portal noch einem Outlet im Internet, doch mittlerweile arbeitet die Firma mit Labels wie Jil Sander zusammen.
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MAILAND. Die Anleger fassen wieder Mut, und auch die ersten Unternehmen trauen sich an die Börse. In Italien wagt der Internet-Modevertrieb Yoox als erster Kandidat in diesem Jahr den Schritt an den Aktienmarkt. Bis zum 30. November können die Anleger die Aktien des Unternehmens mit Sitz in Bologna zeichnen. Am 3. Dezember sollen die Papiere zum ersten Mal im Star Segment der Mailänder Börse für kleine Werte gehandelt werden.

Yoox hat sich innerhalb von wenigen Jahren zu einem der größten Online-Vertriebe für Edelmode weltweit entwickelt. Setzte das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen im Jahr 2006 noch knapp 50 Mio. Euro um, so lag diese Zahl im vergangenen Jahr bereits bei 101,5 Mio Euro. Und der Trend hält an: In den ersten neun Monaten dieses Jahres hat Yoox mit 106,7 Mio. Euro in 57 Ländern bereits den Umsatz des gesamten Vorjahres übertroffen. Der Nettogewinn lag bei 2,8 Mio Euro.

Die Gruppe spezialisiert sich vor allem auf Mode aus Italien, hat aber auch Marken wie Bally und Jil Sander im Programm. Auf dem Hauptportal findet sich eine Auswahl der verschiedenen Marken, die häufig günstiger sind als im Laden. Außerdem gibt es auf der Yoox-Seite einzelne Bereiche, in denen sich die Marken einzeln vorstellen können. Seit neuestem bietet Yoox den Modelabels zudem an, ihren Internetauftritt komplett über die Yoox-Plattform laufen zu lassen. Prominente Beispiele hierfür sind www.valentino.com und www.jilsander.com. Nach außen tritt nur der Markenname auf, aber Yoox stellt die Technologie zur Verfügung und übernimmt auch die Abwicklung bei Versand und Handel

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"Yoox hat gezeigt, dass sie schnell auf die Anforderungen des Marktes reagiert und eine Vision hat", lobt Stefania Saviolo, auf Modeunternehmen spezialisierte BWL-Dozentin der Mailänder Bocconi-Universität. "Vor wenigen Jahren glich Yoox noch einem Outlet im Internet. Doch ihr Geschäftsmodell hat sich mittlerweile deutlich weiterentwickelt." Trotz der Krise im Luxussegment, die Unternehmen wie Mariella Burani und IT Holding getroffen hat, ist der Yoox-Gründer und Vorstandsvorsitzende Federico Marchetti optimistisch: "Wir sind ein Einzelhandels- und kein Modeunternehmen", sagt Marchetti, "und der elektronische Handel bei Kleidung wächst."

Onlinevertrieb von Mode wächst

Tatsächlich sagt etwa das Marktforschungsinstitut Forrester Research für den Kleidungs-Onlinevertrieb für Italien und Spanien bis 2012 Wachstumsraten von mehr als 20 Prozent voraus. In Frankreich sind es immerhin 14 Prozent und Deutschland kommt noch auf knapp neun Prozent. Rund 26 Prozent setzt Yoox auf dem Heimatmarkt um, rund die Hälfte im restlichen Europa.

Bis Ende des Monats will Yoox rund 24,3 Mio. Aktien zu einem Preis von 3,60 Euro bis 4,50 Euro platzieren. Das entspricht bis zu 126 Mio. Euro. Mit dem IPO verabschieden sich die drei Venture-Capital-Fonds teilweise aus dem Unternehmen, bleiben jedoch mit insgesamt rund einem Viertel der Aktien weiterhin beteiligt. Nach dem IPO werden 55,5 Prozent der Aktien an der Börse platziert sein.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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