Jahr der Börsengänge: Das Parkett erwacht zu neuem Leben

Jahr der Börsengänge
Das Parkett erwacht zu neuem Leben

Groß war 2011 die Angst vor den Kapriolen der Finanzmärkte. Viele Unternehmen wagten sich vor diesem Hintergrund lieber nicht an die Börse. Doch nun holen viele von ihnen die alten Pläne aus den Schubladen.
  • 0

FrankfurtAus meteorologischer Sicht gibt es keine Zweifel: Der Winter hat Deutschland bis auf weiteres fest im Griff. Optimistischer sind da schon die Börsianer, denn auf dem Parkett wehte in den vergangenen Wochen ein mildes Frühlingslüftchen. Vorbei sind die Zeiten, als sich zum Jahreswechsel Fondsmanager und Hedge-Fonds-Profis genauso wie Vermögensverwalter und Privatanleger in ihrem Pessimismus übertrafen; vorbei sind auch die Zeiten, als Unternehmen angesichts der Schuldenkrise und der Probleme, die sich in Europa auftürmten, ihre Vorhaben erst einmal auf Eis legten. Nun erwacht die Börse zu neuem Leben: Seit Anfang des Jahres stieg das Stimmungsbarometer Deutscher Aktienindex um fast zehn Prozent, beste Voraussetzungen also für ein Jahr der Börsengänge.

In vielen Unternehmen werden denn auch alte Pläne aus den Schubläden geholt. Allein die vier Konzerne Talanx, Evonik, Osram und HC Starck stehen mit ihren geplanten Debüts für ein Volumen von mindestens 4,2 Milliarden Euro.

Für den jüngsten Hoffnungsschub sorgte Mitte vergangener Woche Ben Bernanke – Hubschrauber-Ben, wie der Chef der US-Notenbank Fed süffisant genannt wird. Nach der jüngsten Sitzung der Notenbank hatte er verdeutlicht, dass die Fed für weitere drei Jahre an ihrer Nullzinspolitik festhalten werde. Ziel ist es, die Märkte anzukurbeln und die Attraktivität von Aktien zu stärken. „Ich bin noch nicht bereit zu erklären, dass wir in eine Phase stärkeren Wachstums einmünden“, sagte Bernanke in seiner etwas gestelzten Notenbanker-Sprache und sorgte damit für Jubel unter den Anlegern.

Christoph Stanger drückt sich einfacher aus. Der Leiter des Bereichs Aktienemissionen im deutschsprachigen Raum bei Goldman Sachs sagt: „Das Glas ist halb voll und nicht halb leer.“ Er spricht davon, dass das extrem negative Bild an den Märkten, das in den vergangenen Monaten dominierte, wohl restlos überzogen war. Etwa 80 Prozent der üblichen Fonds, in denen Otto Normalverbraucher sein Geld anlegt, hinken mit ihrer Ertragsentwicklung dem Markt hinterher, wie Goldman Sachs ausgerechnet hat.

Die Fondsmanager haben sich lange Zeit nicht getraut, nun haben sie ein gravierendes Problem: Sie laufen Gefahr, die Marktentwicklung der Gegenwart zu verschlafen und weitere Kurssprünge zu verpassen. Das können sie sich nicht leisten, zumal viele Amerikaner, die sich in den vergangenen sechs Monaten verabschiedet hatten, nach Europa zurückkehren. Nach der Beobachtung von Goldman Sachs gewinnen sie nun aber wieder Vertrauen, ihre Risikobereitschaft wächst wahrnehmbar. Davon profitieren vor allem deutsche Aktien, denn diese stehen für Wachstum und Solidität. In Deutschland könnte es schneller bergauf gehen als erwartet – selbst wenn die meisten europäischen Länder im Frühjahr kurzfristig in eine Rezession abgleiten sollten.

Seite 1:

Das Parkett erwacht zu neuem Leben

Seite 2:

Experte erwartet zehn Börsengänge bis Jahresende

Kommentare zu " Jahr der Börsengänge: Das Parkett erwacht zu neuem Leben"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%