Japan
Kaum Neuzugänge an der Börse

Japanische Unternehmen zögern, an die Börse zu gehen. Lediglich neunzehn Firmen wagten in diesem Jahr den Schritt. Drei weitere dürften noch hinzukommen. Das entspricht einem Dreißigstel des Rekordwertes aus dem Jahr 2000. Die Hintergründe.
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Bloomberg TOKIO. In Japan ist die Zahl der Börsengänge (IPO) in diesem Jahr auf ein Dreißigstel des Rekordwertes aus dem Jahre 2000 gefallen. Angesichts dümpelnder Aktienkurse, der schwachen Wirtschaftsdaten und stagnierender Unternehmensgewinne ist das Umfeld für einen Gang an die Börse so unattraktiv wie seit Jahren nicht mehr.

„Es war ein hoffnungsloses Jahr“, gibt sich Noriaki Nakagiri von der regierungsnahen Wirtschaftsförderungsagentur Tokyo Small and Medium Business Investment pessimistisch. Mit dem Niedergang der Weltwirtschaft scheiterten viele Unternehmen bereits an den Voraussetzungen, die von der Börse für ein IPO aufgestellt werden. Zu den Unternehmen, die es aufs Parkett geschafft haben, zählen der auf Rezepte im Internet spezialisierte Anbieter Cookpad und der Kosmetikproduzent C’Bon Cosmetics.

Nicht mehr als 16 Unternehmen haben 2009 den Sprung auf das Börsenparkett gemacht und drei weitere wollen noch bis zum Jahresende folgen. Damit erreicht das japanische IPO-Volumen etwa 54,2 Mrd. Yen (420 Mio. Euro). Damit überzeugt Japan zwar noch bei der Anzahl der Börsenneulinge, das insgesamt sehr geringe Gesamtvolumen verdeutlicht jedoch, dass diese allesamt sehr klein waren.

Im Jahr 2000, als die Börseneinführungen zuletzt boomten, brachten 203 Unternehmen ihre Aktien auf den Markt und erlösten damit 1,46 Bill. Yen (1,12 Mrd. Euro). Zum Vergleich: In Hongkong sind seit Jahresbeginn bereits 52 Unternehmen neu an die Börse gekommen und hatten dabei 177,9 Mrd. HK-Dollar (rund 1,7 Mrd. Euro) eingenommen. Von den diesjährigen Debütanten notieren lediglich fünf über dem Börseneinführungspreis.

Die Unternehmensfinanzierung ist ein zunehmendes Problem für die japanischen Wirtschaft. Die Konzerne können ihr Wachstum nicht durch die Ausgabe von Aktien finanzieren, stoßen im derzeitigen Umfeld aber auch auf eine ausgeprägt zurückhaltende Kreditvergabe: Im November war die Kreditquote japanischer Banken im Jahresvergleich nur um 0,1 Prozent gewachsen.

Unter den zehn größten Aktienmärkten der Welt weist der japanische Topix mit seinem Wachstum von 1,6 Prozent seit Jahresbeginn die schwächste Dynamik auf. Das geht aus Bloomberg-Daten hervor. Der Nikkei, der in Europa stärker als Gradmesser für den japanischen Markt gilt, schaffte immerhin ein Plus von elf Prozent. Der Hongkonger Hang Seng Index ist zugleich aber um 50 Prozent gestiegen und selbst der breit gestreute MSCI World Index schaffte 25 Prozent.

Ein weiteres Problem der geringen IPO-Quote in Japan ist die nachlassende Innovationsfähigkeit. Üblicherweise sind Start-up-Unternehmen mit neuen Ideen und Geschäftsmodellen die klassischen Kandidaten für Börsengänge. Dieser Bereich sei von der IPO-Flaute aber besonders betroffen, sagte Takahiro Ono von der Unternehmensberatung IPO Solutions in Tokio. „Wenn ein Unternehmen eine gewisse Größe hat, dann können Stellen gestrichen werden, um den Gewinn zu verbessern. Aber wer einen Börsengang anstrebt, ist für hohe Kostensenkungen meist zu klein und kann kein Kapital aufbringen“, sagte Ono.

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