Japanische Aktien Düsternis ist vorbei, die Rally soll kommen

Aufgrund politischer Spannungen hat der japanische Leitindex Topix in der fünften Woche in Folge an Wert verloren. Experten halten den Markt allerdings für deutlich unterbewertet und spekulieren in den nächsten Wochen auf steigende Kurse.
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In den letzten Wochen kannten japanische Aktien nur den Weg nach unten. Experten rechnen in der nächsten Zeit aber mit einer neuen Rally. Quelle: dpa
Aktien in Japan

In den letzten Wochen kannten japanische Aktien nur den Weg nach unten. Experten rechnen in der nächsten Zeit aber mit einer neuen Rally.

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TokioJapanische Aktien sind so stark niedergeprügelt worden, dass sie jetzt zu billig sind, um sie einfach zu ignorieren. Das sagt der Vermögensverwalter Pictet Asset Management Ltd. Zuletzt war der Topix-Leitindex die fünfte Woche in Folge abgerutscht. „Das ist eine Kaufgelegenheit“, meinte Hiroshi Matsumoto, Chef für Japan-Investments bei dem Vermögensverwalter, in einem Telefoninterview mit Bloomberg aus Tokio.

Der Markt ist seiner Meinung nach unterbewertet, weil Investoren übermäßig pessimistisch sind mit Blick auf die nächste Runde an Quartalszahlen, die in zwei Wochen beginnt, und wegen der Spannungen mit Nordkorea. Sobald die Marktteilnehmer realisieren würden, dass sie zu negativ eingestellt seien, sollten die Aktien in Tokio steigen, sagte Matsumoto.

Der Topix ist seit seinem 15-Monats-Hoch am 13. März bis Ende vergangener Woche um 7,5 Prozent gefallen. Damit liegt das Börsenbarometer im bisherigen Jahresverlauf fast vier Prozent im Minus - die zweitschlechteste Entwicklung unter 24 Industrieländer-Aktienmärkten, die von Bloomberg beobachtet werden. Die Aktien waren aufgrund von Ereignissen im Ausland unter Druck geraten. Dazu zählten beispielsweise Angst über Nuklear-Test von Kim Jong-Un und ein Kommentar von US-Präsident Donald Trump, dass der Dollar zu stark sei.

Die größten Anlegerfehler
Privatanleger machen vermeidbare Fehler
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Eine Studie der Wirtschaftsprofessoren Andreas Hackethal und Steffen Meyer für das Magazin „Finanztest“ hat knapp 40.000 Wertpapierdepots von Direktbankkunden im Zeitraum von 2005 bis 2015 ausgewertet.

Das Ergebnis zeigt, dass die Anleger weit hinter den Wertzuwächsen des Gesamtmarktes liegen. Während eine Rendite von jährlich 8,7 Prozent realistisch gewesen wäre, kommen die Anleger nur auf einen Wertzuwachs von 3,1 Prozent. Mangelnde Finanzkenntnisse müssen nicht die Ursache sein. Zu Einbußen führen meist kurzfristiges Denken, Gier und Aktionismus. Die vier gängigsten Fehler sind leicht zu beheben. Wir stellen sie vor – und entsprechende Gegenstrategien.

Das Bild zeigt die Börse von Abu Dhabi. Hier handeln Privatanleger mit größeren Beträgen als in Deutschland.

Fehler 1: Mangelnde Streuung
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Befund Sie ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Geldanlage – dennoch vernachlässigen sie viele Anleger: die Risikostreuung. Wie die Studie zeigt, streuen Anleger ihre Wertpapiere zu wenig; die Aktienkonzentration ist höher als noch vor zehn Jahren. Eines der untersuchten Depots beinhaltet heute im Schnitt zwölf Aktien.

In Santiago de Chile bedient ein Mitarbeiter der chilenischen Zentralbank eine Sicherheitstür.

Fehler 1: Mangelnde Streuung
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Folgen Zwischen der Streuung und dem Chance-Risiko-Verhältnis besteht laut den Autoren ein klarer Zusammenhang. Selbst die relativ breit aufgefächerten Depots reichen nicht entfernt an das Verhältnis des Weltaktienindexes MSCI World heran.

In manchen Depots befindet sich nur eine einzige Aktie. Wenn diese auch noch ein spekulativer Titel ist, unterliegt das Depot enormen Kursschwankungen.

Am 24. Oktober 1929, dem „Schwarzen Donnerstag“ kommen Menschen vor der New York Stock Exchange zusammen.

Fehler 1: Mangelnde Streuung
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Gegenmittel Es ist leicht, ein breit gestreutes Depot aufzubauen: durch börsengehandelte Indexfonds (ETF). Sie beteiligen Anleger, je nach Art, an 1600 bis 2500 internationalen Aktien. Für Staatsanleihen gibt es ebenfalls ETFs.

Bestehende Depots umzubauen, ist nicht nicht ganz einfach. Anleger sollten sich von Verlustpositionen trennen. Ein Papier erst zu verkaufen, wenn es seinen einstigen Kaufpreis erreicht hat, ist irrational. Es sollten triftige Gründe für eine zu erwartende Wertsteigerung vorliegen.

Ein chinesischer Investor analysiert im August 2015 eine Kurstafel.

Fehler 2: Aktien-Picken
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Befund Der Fehler erinnert an das Muster von Sportwetten: Unerfreuliche Ergebnisse werden ausgeblendet, Erfolgserlebnisse übermäßig hochgehalten. Anleger sollten aber ausschließlich die langfristige Entwicklung des Gesamtdepots im Blick haben.

Oft suchen sie ihr Heil in einer Kombination aus Einzelaktien: Im Falle eines Missgriffs ist es eine beliebte Methode, die Position aufzustocken, um den durchschnittlichen Einstandspreis zu senken und von der erwarteten Erholung zu profitieren. Das kann jedoch auch weiteres Unheil anrichten: Das sogenannte Klumpenrisiko, eine Übergewichtung einzelner Anlagen im Depot, steigt. Private Anleger haben gegenüber Profis hier offenbar schlechtere Karten.

Das Foto vom 20. Oktober 1987 zeigt Händler in der Frankfurter Börse. Am 19. Oktober 1987 erlebte die Wall Street einen ihrer schwärzesten Tage.

Fehler 2: Aktien-Picken
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Folgen Vom Aktien-Picken betroffene Depots bringen nur 3,1 Prozent Rendite. Mit einer Indexmischung, die die durchschnittliche Vermögensaufteilung der Anleger widerspiegelt, hätten sie dagegen 8,7 Prozent erzielt.

Jeder fünfte Deutsche legt sein Geld in Fonds an. Diese werden von Fondsmanagern verwaltet, die das eingesammelte Geld in Aktien, Obligationen, Immobilien und andere Wertpapiere anlegen.

Fehler 2: Aktien-Picken
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Gegenmittel Aktien- und Renten-ETFs sind auch hier ein probates Mittel. Passionierte Zocker von einer solchen Strategie zu überzeugen, fällt manchmal schwer. Wer unbedingt eigenhändig zusammenstellen will, sollte zwingend auf eine möglichst gleichmäßige Verteilung auf die wichtigsten Branchen achten.

Die USA gelten als Nation der Aktienbesitzer.

Obwohl der Yen gegenüber dem Greenback in diesem Jahr um mehr als sieben Prozent zugelegt hat, wettet Matsumoto, dass Investoren positiv überrascht werden, wenn Unternehmen ihre Prognosen für das neue Geschäftsjahr, das am 1. April begonnen hat, vorlegen. Er glaubt, dass die solide Weltwirtschaft die Gewinne antreibt, und dass gut geführte Unternehmen die Währungsrisiken bewältigen können.

„Falls sie relativ stabile Prognosen für das Fiskaljahr 2017 aufzeigen, wird das ein Katalysator dafür sein, dass die Leute zu glauben beginnen, dass der Markt billig ist und die Geschäftsergebnisse nicht so schrecklich schlimm sind“, sagte Matsumoto. Sein Unternehmen, Pictet, verwaltet mit Stand vom Dezember ein Vermögen von rund 162,2 Mrd. Franken. Am vergangenen Freitag wurde der Topix zum 13,2-fachen des prognostizierten 12-Monatsgewinn gehandelt. Im Vergleich zum amerikanischen S&P 500 Index ist das ein Abschlag von 24 Prozent. Matsumoto ist mit Blick auf Nordkorea nicht besorgt, insbesondere nicht nach dem Treffen des chinesischen Präsidenten Xi Jinping mit Trump.

„Natürlich, wer weiß schon, was passiert“, sagte Matsumoto vor dem Raketentest am vergangenen Wochenende. „Aber Xi und Trump hatten ein Treffen. Noch gibt es keine Beweise, doch Trumps Tweet zufolge gibt es eine gewisse Chance, dass Xi mit den USA kooperiert“, um Druck auf Nordkorea auszuüben. „Vielleicht reflektiert Japans Überempfindlichkeit bei Geopolitik die Tatsache, dass es der einfachste Markt in Asien ist, um zu handeln“, erklärte auch Jonathan Allum, Stratege bei SMBC Nikko Capital Markets Ltd. in London unlängst in einer Kundennotiz. „Falls sich jeder dazu entscheidet, Risiko vom Tisch zu nehmen, dann ist Japan der am einfachsten zu erreichende Tisch.“

Naoki Murakami, Marktstratege bei AllianceBernstein Japan Ltd. in Tokio, wartet nach eigenen Angaben darauf, dass die diplomatischen Spannungen abnehmen. Sobald das der Fall sei, könnten Investoren sich wieder auf die Fundamentaldaten der Unternehmen konzentrieren. „Investoren schauen im Moment nur auf die geopolitischen Risiken“, sagte Murakami. „Sobald das nachlässt, liegt es nur in der Natur der Sache, dass die Aktienkurse steigen.“

  • Bloomberg
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