Japanischer Aktienmarkt
Nippons niedrige Bewertung lockt

Japans Aktien leiden zurzeit unter einer schwachen Bewertung. Experten räumen Nippons Börse aber gute Chancen auf eine Erholung im neuen Jahr ein – etwas Glück mit der Weltkonjunktur vorausgesetzt.

TOKIO. Die Bewertungsschwäche spiegelt sich gleich mehrfach wider: Die Rendite aus Dividenden übersteigt die Rendite japanischer Staatsanleihen um gut einen zehntel Prozentpunkt. Knapp die Hälfte der Unternehmen notiert unter Buchwert, und das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis ist das niedrigste seit 33 Jahren.

„Wir erwarten, dass globale Unsicherheiten und Risikoaversion den Markt in der ersten Hälfte des kommenden Jahres noch deutlich belasten werden, rechnen aber mit Gewinnwachstum der Unternehmen und einer Erholung der Aktien in der zweiten Hälfte“, schreiben die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs (GS) in ihrem Ausblick. Sie rechnen mit einem Anstieg des Nikkei-225-Index auf 17 000 Zähler. Derzeit hängt er unter 16 000 Punkten fest.

Gründe für den Durchhänger sehen die GS-Experten in der Kaufzurückhaltung der einheimischen Investoren, die auf Anlagen im Ausland setzten. Ausländische Investoren dagegen zogen sich zuletzt aus Japan zurück, weil sie Geld brauchten. Dabei bieten Japans Unternehmen ihren Anlegern so viel Gewinnbeteiligung wie nie zuvor. Im Jahr 2007 wird sich die Summe der Dividenden im Vergleich zu 2003 verdoppelt haben. Zugleich investieren die Unternehmen kräftig in den Rückkauf eigener Aktien und stützten damit den Markt gegen den Trend. Allein im Quartal von Juli bis September gaben die Unternehmen 1,5 Bill. Yen für eigene Aktien aus – und planen weitere Rückkäufe, von denen die Aktionäre klar profitieren werden. Derzeit geben die Unternehmen bereits 45 Prozent ihres Gewinns an die Anteilseigner weiter. Goldman Sachs erwartet 2008 einen Anstieg der Rendite auf das eingesetzte Aktienkapital auf 10,2 Prozent von heute 9,8 Prozent, sieht aber noch reichlich Luft bis zu den international üblichen 15 bis 20 Prozent.

Chancen werden 2008 der Aktie von Mitsui Engineering & Shipbuilding eingeräumt, einer Werft, die auch Schiffsmotoren herstellt. Die Preise für Schiffe steigen, was Mitsui eine höhere Marge gestatten könnte. Da das Unternehmen seine Aufträge in Yen abwickelt, ist es trotz Exportorientierung kaum Wechselkursrisiken ausgesetzt. Eine ebenfalls aussichtsreiche Aktie ist die der K’s Holding, einem Betreiber von Elektronikmärkten. Eine aggressive Übernahmestrategie erlaubt K's ein Wachstum um 20 Prozent jährlich. Übernahmen erhöhten bereits die Marktmacht und eröffneten Synergien. Als heißer Kandidat für Kursgewinne gilt auch Nidec, der Weltmarktführer für die winzigen Motoren, die Festplatten in iPods wie in Notebooks rotieren lassen. Goldman Sachs zufolge ist der schnelle Gewinnanstieg noch nicht vom Markt berücksichtigt. Zudem stehe eine aussichtsreiche Übernahme bevor.

Trotz der grundsätzlich guten Aussichten für Japans Börse bleibt Analyst Yuichiro Nagai von Barclays Capital in Tokio vorsichtig. Einerseits könnte ein Durchhänger in der Baunachfrage länger dauern als bisher erwartet. Andererseits könnte sich die Weltkonjunktur deutlich nach unten entwickeln, so dass eine Nachfrageschwäche die Unternehmen belastet. Außerdem würde ein Yen-Anstieg die Exporteure hart treffen. Knapp 30 Prozent des Gewinns börsennotierter Unternehmen kommt aus Übersee. Nach den GS-Szenarien könnten die Gewinne im ungünstigen Fall sogar zurückgehen, was auch die Kurse nach unten ziehen würde.

Hoffnungen ruhen auf kurstreibenden Käufen japanischer Aktienfonds, die 2007 unterm Strich verkauft haben. Doch sollten die Kurse steigen, werden wohl auch die Kleinanleger wieder auf den Börsenzug aufspringen. Hier könnte die Politik nachhelfen, indem sie eine Steuererleichterung für Investitionsgewinne verlängert, die Ende 2008 auslaufen soll. Die Hoffnungen darauf sind jedoch mäßig, nachdem Japans Regierung 2007 der Wirtschaft mehrere schwere Schläge zugefügt hat. So war es ein Gesetz, das die Baunachfrage so gründlich ruiniert hat. Es schreibt Bauherren seit Juni zusätzliche Inspektionen vor.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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