Je nach Szenario erwarten Analysten unterschiedliche Kursentwicklungen
Dax-Ausblick: Wahl dominiert die Börse

Für die kommende Woche wagen Aktienstrategen keine eindeutige Prognose. Erst nach dem Ausgang der Bundestagswahl lasse sich Genaueres prognostizieren.

HB FRANKFURT. Bei einem Sieg von CDU/CSU und FDP bei der Bundestagswahl wird der Deutsche Aktienindex (Dax) nach Einschätzung von Analysten die Marke von 5000 Punkten in der kommenden Woche wieder überspringen. Bei allen anderen Konstellationen rechnen sie dagegen mit Verkäufen. "Da der Wahlausgang völlig offen ist, enthält der Dax derzeit einen Unsicherheitsabschlag", sagt Aktienstratege Markus Reinwand von Helaba Trust. Für seinen Kollegen Frank Schallenberger (LBBW) ist bei einem schwarz-gelben Wahlsieg die Marke von 5000 Punkten nur ein Zwischenziel für noch deutlich höhere Dax-Stände. Am Freitagmittag lag der Dax bei etwa 4970 Punkten, nachdem er am Montag auf ein Dreieinhalbjahreshoch von 5035 Zählern geklettert war.

Den jüngsten Umfragen zufolge liegen die beiden großen politischen Lager - CDU/CSU und FDP auf der einen sowie SPD, Grüne und Linkspartei auf der anderen Seite - nahezu gleichauf. Vor einigen Wochen hatte Schwarz-Gelb noch vorn gelegen. Auf deren Sieg setzten vor allem ausländische Investoren. Sie kauften günstig bewertete deutsche Aktien, der Dax legte zu. Insbesondere Versorger kletterten von Hoch zu Hoch in Erwartung einer Verlängerung der AKW-Laufzeiten.

Doch täglich neue Prognosen signalisierten immer mehr, dass der Ausgang der Wahl am Sonntag unsicher ist. Die Dax-Rally geriet ins Stocken, und die Marktteilnehmer sicherten sich mit derivativen Finanzinstrumenten gegen einen für sie negativen Ausgang der Abstimmung ab. Kommt Schwarz-Gelb doch, ist ein weiterer so genannter Shortsqueeze wie beim großen Verfall am Freitag möglich. Marktteilnehmer sind dann gezwungen, sich die zuvor leer verkauften Aktien über den Kassahandel zu besorgen.

Drei Szenarien und ihre Auswirkung auf die Börse

Von der Agentur Reuters befragte Analysten bevorzugen mehrheitlich eine konservativ-liberale Regierung. Sie versprechen sich hiervon ein erhöhtes Reformtempo zur Ankurbelung der Konjunktur. Doch auch andere Szenarien sind denkbar:

Szenario 1: Bei einer Großen Koalition erwarten Börsianer fallende Kurse. Ein Einbruch ist nach Einschätzung des Analysten Kai Stefani von der Fondsgesellschaft Dit aber unwahrscheinlich. "Es wird viel vom Kräfte-Verhältnis, der Koalitionsvereinbarung und der Besetzung der einzelnen Ministerien abhängen." Die Aussichten für die erhoffte Forcierung bei den Reformen beurteilen Marktteilnehmer aber zurückhaltend. "Die Koalitionspartner müssten auf der Grundlage des kleinsten gemeinsamen Nenners kooperieren", schreibt die Deutsche Bank in einem Marktausblick. Eine tief greifende Steuerreform werde somit unwahrscheinlich.

Andererseits äußern manche Beobachter die Hoffnung, eine große Koalition unter Merkel könne Deutschland in Europa zurück an die Spitze führen. Große Reformvorhaben der Vergangenheit trügen ohnehin schon den Stempel der beiden großen Parteien, und so schlecht scheine die Republik damit gar nicht gefahren zu sein. Das zumindest glauben die ausländischen Investoren, die schon seit längerem die Effizienz und Ertragslage der Unternehmen loben und sowohl über den Aktienmarkt als auch über Private Equity-Engagements in Deutschland investieren.

Szenario 2: Eine Ampel-Koalition (Rot-Gelb-Grün) gibt nach Einschätzung vieler Analysten das "stop and go" in der Politik vor. Ein unternehmensfreundlicher Schröder wäre weiter Kanzler, ein FDP-Politiker Wirtschaftsminster, und Fischer würde als "Linksaußen" erhalten bleiben. Aktienstrategen erwarten für diesen Fall eine längere abwartende Seitwärtsbewegung.

Szenario 3: Die Aussichten einer Regierung aus SPD, Grünen und Linkspartei schätzen die Börsianer zwar allesamt als sehr gering ein. "Völlig ausschließen darf man sie aber nicht", warnt Helaba-Stratege Reinwand. "Sie wäre die denkbar schlechteste Alternative." Analysten befürchten, dass unter dem Einfluss Lafontaines keynesianische Strategien wiederaufleben würden. Gut wäre ein solches Konstrukt wohl allenfalls für Solarwerte.

Ausländische Investoren könnten von einer Regierungsbeteiligung der Linkspartei abgeschreckt werden. Sollte die Auszählung am Wochenende so knapp ausfallen, dass die endgültige Entscheidung erst bei der Nachwahl in Dresden fällt, wird der Dax den Aktienexperten zufolgen unter starken Schwankungen um den aktuellen Stand pendeln. Wegen des Todes einer Kandidatin wird in einem Dresdener Wahlkreis voraussichtlich erst am 2. Oktober gewählt. 2002 wurde die SPD bundesweit nur mit einem Vorsprung von wenigen tausend Zweitstimmen stärkste Partei.

Analystenerwartungen für den Dax

Die erwartete breite Handelsspanne für den Index geben technische Analysten mit 4870/25 bis 5030/00 Punkte vor. Siegt Schwarz-Gelb entgegen der Prognosen der Meinungsforscher doch, ist bei einem Bruch der oberen Begrenzung eine Bewegung bis 5150 Punkte durchaus möglich. Platz ist aber im Prinzip bis zum Kreuzwiderstand bei 5400 Punkten, so die meisten Charttechniker.

Sollte der von Börsianern als Worst Case bezeichnete Fall eintreten, dass in einem Dresdner Wahlbezirk erst zwei Wochen später über die deutsche Zukunft entschieden wird, befürchten einige Analysten einen Rückfall auf 4600 Punkte beim Dax.

Bewegung in Indizes

Ab Montag greifen die Änderungen der Deutschen Börse im MDax, SDax und TecDax. MDax-Aufsteiger MTU ersetzt Absteiger Beru. Arques Industries und Grammer werden zudem in den Small-Cap- Index aufgenommen. Die Titel von Baader, Dürr und Teleplan verlassen den Index. Im TecDax werden Teles durch Tele Atlas ausgetauscht.

Zinsanhebung in USA erwartet

Der nach der Bundestagswahl zweite wichtige Termin für die Börsianer ist die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am Dienstag. Die überwiegende Mehrheit der befragten Analysten geht davon aus, dass die Fed die Zinsen zum elften Mal in Folge um 25 Basispunkte auf dann 3,75 Prozent anheben wird. Zudem rechnen sie mit einer Bekräftigung der Politik der weiteren "moderaten" Straffung der Geldpolitik.

"Der Hurrikan ‚Katrina’ wird keinen unmittelbaren Einfluss auf die US-Konjunktur haben, weil er eine vergleichsweise strukturschwache Region getroffen hat", sagt Dit-Analyst Stefani. "Viel wichtiger ist der hohe Ölpreis. Die Fed wird angesichts des Inflationsdrucks von dieser Seite nicht anders können, als die Zinsen anzuheben."

In der kommenden Woche ist ferner von US-Makroseite mit den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe, dem Chicagoer Fed-Index und den Frühindikatoren am Donnerstag zu rechnen. Von deutscher Seite wird der ZEW-Index am Dienstag erwartet.

An Unternehmensausweisen stehen lediglich Goldman Sachs und Tesco am Dienstag sowie FedEx am Mittwoch auf der Agenda. Mit Impulsen für den Dax ist von dieser Seite kaum zu rechnen.

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