Aktien
Julius Bär: Deutschland hat Krise gemeistert

Deutschland hat nach Ansicht der Experten der Bank Julius Bär die Krise wesentlich besser gemeistert als der europäische Raum oder die Weltwirtschaft.

dpa-afx FRANKFURT. Deutschland hat nach Ansicht der Experten der Bank Julius Bär die Krise wesentlich besser gemeistert als der europäische Raum oder die Weltwirtschaft. Deutschlands Stärke blieben die Exporte in die nicht zur Eurozone gehörenden europäischen Länder sowie Asien, sagte Julius-Bär-Chefvolkswirt David Kohl im Rahmen des halbjährlichen Finanzmarktausblick der Bank am Donnerstag in Frankfurt.

Die Eurozone gebe kein einheitliches Bild der Krisenbewältigung ab: Hoch verschuldete Länder wie Spanien, Irland oder Großbritannien litten unter der Konsolidierung, während unter anderem Deutschland blühendes Wachstum zeige. Der Vorteil des Landes bestehe zudem darin, dass Deutschland dank moderater Kostenentwicklung preislich wettbewerbsfähiger geblieben sei. Darüber hinaus wirke die Geldpolitik, die auf die Bedürfnisse der Eurozone zugeschnitten sei, für Deutschland stimulierend.

Die Beschäftigungssituation hierzulande sei zudem fast "einzigartig": Während der Rezession sei Beschäftigung nicht abgebaut worden, entsprechend brächten jetzt Arbeit und Nachfrage die Konjunktur in Schwung. Auch vertraute der Experte in die Stabilität der Preise hierzulande. Wenn überhaupt, sei das Risiko der Deflation größer als jenes der Inflation.

Die Gefahr eines "Double Dip", also eines erneuten Rückfalls in die Rezession, rückt laut Kohl in Deutschland in die Ferne. Bei einigen Ländern sehe das hingegen anders aus. So bräuchten die USA eine lockere Geldpolitik, deren Situation sei vergleichbar mit dem Deutschland in der Immoblienkrise nach der Wiedervereinigung. "Allein eine restriktive Zinspolitik bringt keinen Aufschwung", konstatierte Volkswirt Kohl.

In der geplanten Erhöhung des Zentralbanken-Kapitals sieht er hingegen keinen Hemmschuh für die Marktentwicklung: "Selbst mit der zusätzlichen einen Billion Dollar nimmt sich die Rolle der Notenbank klein in der Liquiditätsbeschaffung aus." Aber auch wenn er für die USA lediglich ein schwaches Wachstum von zwei Prozent prognostizierte, hält der Experte ein globales Double-Dip-Szenario nicht für naheliegend. "Bei einer Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent - wie einige Kollegen - sehen wir diese Gefahr nicht."

Von der insgesamt lockeren Geldpolitik dürften die Aktien im kommenden halben Jahr profitieren. Dem durchschnittlichen Aktiengewinn prognostizierte der Chefstratege der Bank, Christian Gattiker-Ericsson, ein Wachstum von etwa 15 Prozent. "Die Erholung wird sich noch die kommenden zwei bis drei Jahre fortsetzen." Gattiker-Ericsson riet den Strategen, "nicht zu früh gegen die Trends zu setzen."

Um den Unsicherheiten der Leitwährungen auszuweichen, sollten Anleger bei Anleihen auf Randwährungen setzen: So stütze der Pessimismus über den schwachen Dollar den Kanadischen Dollar und den mexikanischen Peso, während die wirtschaftliche Erholung Europas positiv auf die skandinavischen Währungen wirke, die nicht von der Konsolidierung der Euro-Länder betroffen seien.

Ungebrochen attraktiv seien die Anlagen in Gold und Aktien in den Märkten Lateinamerikas und Asiens. Neue "sichere Häfen" für die nächsten drei bis fünf Jahre verlagerten sich laut dem Strategen allerdings eher Richtung Osten, in eine Liste von Ländern, "an die man sich erst gewöhnen muss": Dazu zählten Litauen, Weißrussland, Polen, Tschechien, Russland. Das Risiko von Kreditausfällen sei allerdings dort mittelfristig absehbar.

Das größte Inflationsrisiko sieht Chefvolkswirt Kohl in den Rohstoffen. Hier kletterten vor allem unter dem wachsenden Einfluss Chinas die Preise in die Höhe. Im nächsten Jahr rechnet er zudem mit einem Anstieg der Ölpreise in Folge wieder aufkeimender Ängste um die Versorgungssicherheit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%