Jung und erfolgreich
Die US-Optionsbörse ISE geht an die Wall Street

Börsen sind für Börsen ergiebige Quellen, um an Kapital zu kommen. Diese positive Erfahrung machten in der Vergangenheit bereits die Betreiber von Wertpapierbörsen wie Euronext und Deutsche Börse sowie die Derivatebörse Chicago Mercantile Exchange (CME). Auch aus Sicht der Anleger waren all diese IPOs erfolgreich. Jetzt wagt die größte US-Optionsbörse, die International Securities Exchange (ISE), den Gang auf das Parkett der New Yorker Börse. Ein vorläufiger Emissionsprospekt liegt der US- Wertpapieraufsicht SEC seit Anfang Juli zur Begutachtung vor.

HB FRANKFURT/M. Wenn die ISE ihr exorbitant wachsendes Geschäft durch den Gang an den Kapitalmarkt auf die nächste Entwicklungsstufe hebt und sich selbst damit als Unternehmen in eine völlig neue Liga führt, liefert sie den Beweis dafür, dass sich der in der Vergangenheit oft zitierte „amerikanische Traum“ auch in der heutigen Zeit realisieren lässt.

Der wichtigste Aspekt für den Anleger: Weltweit erleben die Derivatebörsen seit Jahrzehnten einen Boom mit Wachstumsraten bei den Umsätzen von 15 bis 20 Prozent pro Jahr. Gerade während der Aktienbaisse von 2000 bis 2002 wurde dieses gigantische Wachstum sichtbar, als die Umsätze an den traditionellen Wertpapierbörsen rund um den Globus einbrachen, während die Terminbörsen beim Umsatz von Rekord zu Rekord eilten. In diese Zeit fällt auch der Start der Erfolgsgeschichte der im Mai 2000 von führenden US-Investmentbanken gegründeten ISE. Seinerzeit hatten sich die US-Investmentbanken nicht nur über den Mangel an Flexibilität und Ineffizienz der bis dahin oftmals noch als Parkettbörsen agierenden amerikanischen Optionsbörsen, sondern auch über die hohen Transaktionskosten beklagt. Was lag da näher, als eine eigene Optionsbörse zu gründen?

Innerhalb kurzer Zeit hat sich die ISE zu einer der führenden Aktien- Optionsbörsen in der Welt entwickelt. Mit einem Marktanteil von rund 32 Prozent in den USA kämpft sie Monat für Monat mit der Chicago Board Options Exchange (CBOE) um Platz eins.

Das rasante Wachstum des jungen Börsenbetreibers mit Sitz in der Finanzmetropole New York blieb der Konkurrenz nicht verborgen. Die weltgrößte Terminbörse Eurex zeigte sich noch bis in den vorigen Monat hinein an einer Beteiligung oder Übernahme der ISE interessiert. Mit den ISE-Anteilseignern geführte Gespräche endeten jedoch ergebnislos, weil die Preisvorstellungen beider Seiten zu weit auseinander lagen.

ISE-Chef David Krell entschied sich nun für den Börsengang als finanziell lukrativere Variante. Im Rahmen des IPO werden sowohl Aktien aus den Beständen der bisherigen Aktionäre als auch neue Anteile ausgegeben. Die ISE bekommt damit die strategische Möglichkeit, sich nicht nur am US-Markt besser zu positionieren, sondern ihr Geschäftsmodell auch international auszuweiten. So denkt das ISE-Management bereits darüber nach, möglicherweise auch den Handel auf andere Finanzinstrumente wie Futures sowie andere Produktgruppen wie Rohstoffe aufzunehmen. Auch Kooperationen und oder Übernahmen von anderen Terminbörsen sind eine weitere Option. Und last but not least: Während die ISE im US-Börsenwesen als Schwergewicht zu sehen ist, ist der globale Bekanntheitsgrad noch relativ gering. Frisches Eigenkapital bietet der ISE also auch die Chance für eine stärkere globale Präsenz. Dies kann im Alleingang oder aber durch strategische Partnerschaften umgesetzt werden. Über die künftige Strategie hüllt sich das Management derzeit ebenso in Schweigen wie über den exakten Zeitpunkt der Neuemission. „Es bleibt bei unserer Aussage, dass der Börsengang irgendwann im zweiten Halbjahr über die Bühne gehen soll“, sagt ISE-Sprecher Bruce Goldberg. Ob es sich dann zu zeichnen lohnt, hängt letztlich davon ab, zu welchem Preis die ISE-Aktie offeriert wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%