Kanadische Alcan hat nach Ansicht von Experten leichte Vorteile gegenüber US-Riese Alcoa
Aluminium-Titel sind für Analysten eine Wette wert

"Big ist beautiful" in der weltweiten Aluminiumindustrie, allein die schiere Größe zählt. Erst übernahm der norwegische Energiekonzern Norsk Hydro Anfang 2002 die deutsche VAW, dann schluckte vor eineinhalb Jahren der kanadische Aluriese Alcan den französische Konkurrenten Pechiney.

DÜSSELDORF. Drei Konzerne, Alcoa aus den USA, Alcan und Norsk Hydro dominieren seither den Weltmarkt. Mit großem Abstand folgt auf Platz vier die britisch-niederländische Corus Gruppe. Deren Management will sich allerdings von der Alusparte trennen und sich ganz auf das Kerngeschäft Stahl konzentrieren. Corus dürfte jedoch kaum einen Erlös von 750 Millionen Euro erzielen, der bei dem bereits so gut wie besiegelten Verkauf des Aluminiumgeschäfts an Pechiney erzielt worden wäre, heißt es in Branchenkreisen. Corus müsse Abstriche machen, weil aus wettbewerbsrechtlichen Gründen keiner der großen Drei als Käufer in Frage komme und andere Interessenten sich dies bei ihren Preisgeboten zunutze machten.

Für Anleger, die ihr Geld in lupenreine Aluminium-Aktien investieren wollen, beschränkt sich die Zahl der in Frage kommenden Unternehmen auf zwei: die beiden Erzrivalen Alcoa und Alcan. Denn Norsk Hydro gilt trotz des gelungenen Vorstoßes unter die weltweit führenden Anbieter und Verarbeiter von Aluminium wegen der umfangreichen Aktivitäten des Konzerns im Öl- und Gasgeschäft bei Analysten und Investoren als Energiewert. Und das wird so bleiben, denn die Norweger sind von den Vorteilen ihrer Zwei-Säulen-Strategie überzeugt. Auch die australischen Rohstoffriesen BHP und Rio Tinto mischen kräftig im Aluminiumgeschäft mit. Gemessen am Gesamtumsatz fallen die Leichtmetall-Aktivitäten bei beiden Konzernen aber kaum ins Gewicht.

Alcoa oder Alcan? Finanzanalysten stufen im Moment das Kurspotenzial beider Werte hoch ein. Von den 18 US-Banken, die die Unternehmen abdecken, empfehlen 14 Alcan und 12 Alcoa zum Kauf. Verkaufsempfehlungen für Alcan gibt es derzeit keine, für Alcoa lediglich eine. Bei der Kursentwicklung seit Anfang 2004 liegen die Kanadier allerdings weit vorn. Im Vergleich zu Alcoa schnitten Alcan-Aktien um ein Drittel besser ab. Geld verdienen konnten Anleger, die vor knapp zehn Monaten eingestiegen sind, aber in beiden Fällen nicht. Bei Alcan ist das Minus jedoch nur minimal.

Thomas Paschen, Analyst bei der ING-Tochter Frankfurt Trust, glaubt den Grund zu kennen: „Alcan ist das etabliertere Unternehmen und wegen der Zugehörigkeit zum Dow-Jones-Index sind viele Fonds in der Aktie investiert. Aber Alcan hat im Moment die interessantere Story.“ Paschen verweist dabei vor allem auf die aus dem Pechiney-Kauf resultierenden Synergien, die sich jetzt auswirkten. Außerdem gaben die Kanadier jüngst Pläne bekannt, für 1,3 Milliarden Dollar die Kapazitäten einer Aluminiumhütte in Australien von 2,1 auf 3,8 Millionen Tonnen annähernd zu verdoppeln. Aluminium ist wegen des hohen Bedarfs Chinas knapp und der Preis steigt.

Alcoa dagegen schockte die Märkte vor zwei Wochen mit einer Gewinnwarnung und begründete diese mit Sondereffekten, steigenden Energiepreisen sowie dem schwachen Geschäft in Europa mit Autoteilen und Verpackungen. „ Die Investoren sind nervös“, meint Analyst Charles Bradford von Bradford Securities. Auch sein Kollege Paschen sieht „einige strukturelle Probleme“. Doch für Anleger, die nicht auf schnelle Gewinne aus seien, böten sich bei Alcoa jetzt gute Einstiegschancen.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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