Kapitalerhöhung
30 Prozent Rabatt für Heidelberger-Druck-Papiere

Der Maschinenbauer Heidelberger Druck möchte ein Aktienpaket für 155 Millionen Euro an die Börse bringen. Die Anleger stehen nicht gerade Schlange. Eine Rabattaktion soll jetzt Investoren locken. Neue Aktien gibt es mit einem Abschlag von 30 Prozent.
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HB STUTTGART. Mit Speck fängt man Mäuse. Der hochverschuldete Maschinenbauer Heidelberger Druck will Investoren mit einem kräftigen Rabatt zur Zeichnung neuer Aktien bewegen. Der Bezugspreis von 2,70 Euro je neuer Aktie bedeute einen Preisabschlag von rund 30 Prozent zum jüngsten Börsenkurs, sagte Finanzvorstand Dirk Kaliebe am Montag in einer Telefonkonferenz.

Heidelberger Druck will Mitte September rund 155 Mio. neue Aktien ausgeben und mit dem Emissionserlös von rund 420 Mio. Euro die Verschuldung senken und dadurch Zinskosten sparen. Je Aktie können zwei neue Anteilsscheine bezogen werden.

Die bevorstehende Emission brachte die im Nebenwerteindex MDax gelisteten Anteilsscheine des Weltmarktführers zu Wochenbeginn unter Druck. Die Papiere gaben vier Prozent auf 5,95 Euro nach. Der Aktienkurs werde sich wieder erholen, sagten Händler. Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt hätten, würden sich dann wieder mit Papieren eindecken. Die Anteilseigner von Heidelberger Druck hatten Ende Juli grünes Licht für die Kapitalerhöhung gegeben, mit der sich das Grundkapital auf rund 233 Mio. Aktien verdreifacht. In Kombination von alten und neuen Aktien ist eine HeidelDruck-Aktie damit künftig rechnerisch 3,54 Euro wert und damit gut 30 Prozent mehr als der Bezugpreis für eine Aktie.

Der Heidelberger Traditionskonzern stellt Maschinen für die den Druck von Katalogen, Verpackungen, Büchern und Geschäftspost her und rutschte im Zuge der Wirtschaftskrise tief in die roten Zahlen. Im Frühjahr vergangenen Jahres bewahrten nur Staatsbeihilfen den Konzern vor dem Aus, für die angeschwollene Verschuldung müssen die Heidelberger seitdem hohe Zinskosten berappen.

Mittlerweile hat der mit Manroland und Koenig & Bauer sowie Ryobi und Komori aus Japan konkurrierende Maschinenbauer die Talsohle aber hinter sich gelassen. Die zumeist mittelständischen Druckereien bestellen wieder neue Maschinen bei Heidelberg. "Der positive Trend beim Auftragseingang hat sich in den vergangenen Wochen fortgesetzt", sagte Konzernchef Bernhard Schreier am Montag. Heidelberger Druck setze darauf, aus eigener Kraft und ohne eine Fusion mit einem Wettbewerber wieder nachhaltig Gewinn abwerfen zu können.

Sein Unternehmen führe derzeit keine Gespräche über eine Konsolidierung in der Branche, die seit einigen Jahren mit vermehrter Online-Werbung und Quantensprüngen in der Digitaldrucktechnik kämpft. Das Marktvolumen des klassischen Maschinengeschäfts schrumpft daher.

Bei der Kapitalerhöhung konkurriert Heidelberger Druck mit einer Rekord-Aktienemission der Deutschen Bank, die ihr Kapital im September um fast zehn Mrd. Euro aufstocken will. Die beiden Großaktionäre von Heidelberger Druck ziehen in unterschiedlichem Maße bei der Kapitalspritze mit. Die Allianz, die 13 Prozent hält, will ihre Bezugsrechte voll ausüben und ihren Anteil damit beibehalten. Der noch mit acht Prozent beteiligte Energiekonzern RWE investiert hingegen kein neues Geld: Der Versorger will einen Teil seiner Bezugsrechte verkaufen und mit dem Erlös neue Aktien kaufen ("Operation Blanche"). Dadurch wird der Anteil an Heidelberger Druck verwässert.

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