Kapitalerhöhung
Commerzbank-Anleger hoffen auf Ausweg aus Teufelskreis

Wie billig muss die Commerzbank ihre neuen Aktien anbieten? Diese Sorge drückt den Aktienkurs der Bank seit Wochen. Auch Analysten sind sehr zurückhaltend. Doch jetzt gibt es einen Hoffnungsschimmer.
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FrankfurtNach einem rasanten Kurssturz in den vergangenen Wochen geht es für die Aktie der Commerzbank heute deutlich bergauf. Die Papiere stiegen bis zum Nachmittag um 4,5 Prozent auf 3,98 Euro. Kursbewegende Nachrichten gab es zwar nicht, allerdings kursierten am Markt erste Indikationen für den Preis der anstehenden Kapitalerhöhung, die die Anleger seit Wochen verunsichert. Als sicher gilt zwar, dass die Bank bei der in der kommenden Woche beginnenden Kapitalerhöhung dem zuletzt deutlich gesunkenen Aktienkurs Tribut zollen. Die Informationen für den Ausgabepreis, die jetzt kursieren, liegen allerdings über den schlimmsten Befürchtungen der Investoren.

Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte am Donnerstag vier "mit der Transaktion vertraute Personen" damit, dass die neuen Papiere mit einem Abschlag von rund 30 Prozent auf den um den Wert der Bezugsrechte bereinigten Schlusskurs (TERP) vom Freitag ausgegeben werden könnten. Damit müsste die zweitgrößte deutsche Bank, deren Aktie seit Anfang Mai zwölf Prozent eingebüßt hat, nach derzeitigem Stand mit einem Ausgabepreis von 2,10 bis 2,20 Euro rechnen - rund 45 Prozent unter dem Kurs vom Donnerstag. Das sei ein "verdaulicher Abschlag", sagte einer der Insider. Die Commerzbank wollte sich zu den Informationen nicht äußern. Die Bank hatte sicherheitshalber den Nennwert ihrer Aktien auf 1,00 von 2,60 Euro gesenkt, da sie nicht unter dem Nominalwert ausgegeben werden dürfen.

Der Startschuss für die Kapitalerhöhung wird Kreisen zufolge schon über das Wochenende fallen. Ab Dienstag könnten die neuen Aktien aller Voraussicht nach gezeichnet werden. Die Commerzbank hatte erklärt, die Kapitalmaßnahme werde spätestens in der kommenden Woche beginnen. Im Juni soll sie abgeschlossen sein. Der geplante Erlös von 3,95 Milliarden Euro wird von einer Vielzahl von Banken garantiert, der Bankenrettungsfonds SoFFin wandelt zudem weitere stille Einlagen in Aktien um, um seinen Anteil von 25 Prozent zu halten. Insgesamt ergibt sich daraus ein Erlös von 5,3 Milliarden Euro.

Bis Ende Juni will die Bank weitere 7,5 Milliarden Euro an Stillen Einlagen an den SoFFin zurückgeben, von 16,2 Milliarden sollen dann nur noch 1,9 Milliarden Euro übrig bleiben.

Die Zahl der Aktien der Commerzbank wird sich nach der Kapitalerhöhung auf mehr als fünf Milliarden nahezu vervierfacht haben. Bereits der erste Schritt im April - die Platzierung von Pflichtumtauschanleihen - hatte die Zahl der Anteilsscheine auf knapp 2,7 Milliarden verdoppelt.

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