Kapitalerhöhung
Deutsche Wohnen muss Aktien nicht verhökern

Für eine milliardenschwere Übernahme der Baubecon-Gruppe hat sich die Deutsche Wohnen frisches Kapital besorgt. 43,8 Millionen Papiere wurden ausgegeben, die vor allem auf das Interesse strategischer Investoren gestoßen sind.
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FrankfurtDer Immobilienkonzern Deutsche Wohnen muss den Investoren bei seiner Kapitalerhöhung trotz der Marktturbulenzen nicht besonders weit entgegenkommen. Die neuen Papiere werden zu je 10,50 Euro ausgegeben, wie Deutsche Wohnen in der Nacht zum Mittwoch mitteilte. Auf den Unternehmenswert (NAV) je Aktie ist das ein Abschlag von gerade einmal 13 Prozent, in der Branche waren zuletzt eher 20 Prozent üblich. Werden alle 43,8 Millionen Papiere an den Mann gebracht, spült das dem Konzern rund 460 Millionen Euro in die Kasse. Das läge am oberen Ende der Erwartungen. Das Geld will Vorstandschef Michael Zahn zum Großteil für die milliardenschwere Übernahme der Baubecon-Gruppe verwenden.

An der Börse machte sich denn auch Erleichterung breit: Deutsche-Wohnen-Aktien zählten mit einem Plus von drei Prozent auf 12,05 Euro zu den Spitzenreitern im Nebenwerteindex MDax. Innerhalb der ersten 15 Handelsminuten wechselten bereits eineinhalb Mal so viele Deutsche Wohnen-Titel den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag.

In Finanzkreisen hieß es, vor allem langfristig orientierte Profi-Anleger aus dem angelsächsischen Raum hätten großes Interesse an den neuen Aktien signalisiert. "Der deutsche Wohnungsmarkt boomt und Deutsche Wohnen ist ein solider Wert", sagte eine mit der Sache vertraute Person. Die Alt-Aktionäre haben ein Bezugsrecht: Sie können für je sieben alte Aktien drei neue erwerben. Die Bezugsfrist läuft noch bis Montag.

Analysten bewerten die Kapitalmaßnahme positiv. Schließlich sinke der Verschuldungsgrad der Immobiliengesellschaft damit trotz des großen Zukaufs auf 57 von 68 Prozent, schrieb etwa Expertin Bianca Riemer von Morgan Stanley. Die Übernahme der 24.000 Baubecon-Wohnungen für 1,2 Milliarden Euro von Barclays hatte Deutsche Wohnen am Pfingstwochenende bekanntgegeben. Von den Banken kann Zahn Kredite bis zu 800 Millionen Euro abrufen.

Deutsche Wohnen verwaltet mit der Baubecon künftig über 73.000 Wohnungen und schließt damit ein großes Stück zur Gagfah auf, der bislang größten börsennotierten Wohnungsgesellschaft in Deutschland. Weitere Milliardentransaktionen sind nach den Worten von Zahn so schnell aber nicht zu erwarten. (Reporter: Kathrin Jones und Hakan Ersen; redigiert von Sabine Wollrab)

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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