Kapitalerhöhung
Michelin holt sich Kapital - Aktie im Sturzflug

Kalte Dusche für Michelin-Aktionäre: Der französische Reifenhersteller will sein Kapital um 1,2 Milliarden Euro erhöhen. Zwar betont das Unternehmen, dass das Geld nicht zum Stopfen von Löchern gebraucht wird, sondern zur Finanzierung künftigen Wachstums. Die Aktie stürzt in Paris dennoch ab.
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HB PARIS. Der französische Reifenhersteller Michelin arbeitet nach der Rückkehr in die Gewinnzone an der Strategie für die Zukunft. Der Conti-Rivale will am Kapitalmarkt zu einem Discountpreis rund 1,2 Milliarden Euro einsammeln und damit sein Wachstum in Schwellenländern finanzieren. Michelin werde seine Kapazitäten in nächster Zeit Jahr um Jahr im Umfang etwa einer Fabrik ausbauen, sagte Unternehmenschef Jean-Dominique Senard am Dienstag in Paris.

Der Anteil des Absatzes in Schwellenländern soll demnach bis zum Jahr 2020 rund 45 Prozent des verkauften Volumens erreichen. Den Kurs seiner Aktien bremste der französische Konzern durch die angekündigte Kapitalerhöhung allerdings deutlich aus: Zu Börsenauftakt fielen die Michelin-Papiere in Paris um über acht Prozent auf 59,97 Euro. Der Markt lag bei minus einem Prozent.

Der Ausgabepreis für die neuen Anteilsscheine ist 45 Euro je Aktie und liegt damit deutlich unter dem derzeitigen Kurs, der in diesem Jahr 22 Prozent zugelegt hat. Seinen Aktionären bietet der Reifenhersteller zwei neue Aktien für jeweils elf gehaltene Anteile. Sie sollen am 25. Oktober erstmals gehandelt werden.

"Wir brauchen die Kapitalerhöhung nicht aus finanziellen Gründen, wir brauchen sie, um zu wachsen", betonte Michel Rollier, Senards Die mit dem eingesammelten Geld finanzierten Investitionen sollen demnach vom 2011 an jährlich 1,6 Milliarden Euro erreichen.

"Der Markt hat einen solchen Schritt von Michelin nicht erwartet, obwohl die Ziele, darunter der Ausbau der Kapazitäten in Schwellenländern, klar zu rechtfertigen sind", sagte ein Händler in Paris. Der Absturz der Michelin-Papiere zog auch die Aktien der Konkurrenten Continental und Pirelli mit rund zwei Prozent ins Minus.

Den Umsatz will Michelin bis 2015 um 25 Prozent nach oben fahren, bis 2020 um 50 Prozent. Das Betriebsergebnis vor Sonderposten soll 2015 "eindeutig" über zwei Milliarden Euro liegen, kündigte Michelin weiter an.

Der Aufschwung am Reifenmarkt hat Michelin im ersten Halbjahr die Rückkehr in die Gewinnzone beschert. Der Nettogewinn kletterte auf rund 500 Millionen Euro geklettert nach einem Verlust ein Jahr zuvor. Der Umsatz stieg 17 Prozent auf 8,35 Milliarden Euro. Auch Konkurrent Continental profitierte im ersten Halbjahr vom Aufschwung und schrieb bei einem deutlich erhöhten Umsatz schwarze Zahlen.

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