Kapitalerhöhung verunsichert: Anleger spielen mit Nordex Jojo

Kapitalerhöhung verunsichert
Anleger spielen mit Nordex Jojo

Die Aktie des Windturbinenherstellers Nordex schlägt weiter Kapriolen. Seit der Atomkatastrophe in Japan ging es für die Papiere rasant nach oben, jetzt folgt der Rückschlag. Und Analysten erwarten weitere Verluste.
  • 2

DüsseldorfDer Windkraft-Konzern Nordex gehört an der Börse zu den größten Profiteuren der Debatte um alternative Energien in Deutschland. Seit der Atomkatastrophe in Fukushima und der dadurch neu entfachten Diskussion über Atomenergie ist die Nordex-Aktie steil nach oben geschossen. Seit dem Beben steht ein Plus von mehr als 50 Prozent zu Buche, erstmals seit Anfang 2010 hat das Papier die Zehn-Euro-Marke wieder im Visier.

Heute gibt es allerdings einen Rückschlag. In der Spitze rutschte die Nordex-Aktie um fast zehn Prozent ab, am Nachmittag lag sie bei 8,87 Euro noch gut fünf Prozent im Minus. Auslöser für den Kursrutsch war eine Kapitalerhöhung des Unternehmens. Nordex hat bei seinen Anlegern rund 56 Millionen Euro für Investitionen in Forschung und Entwicklung eingesammelt. 6,7 Millionen neue Aktien seien zu 8,40 Euro bei alten und neuen Investoren platziert worden, teilte das Unternehmen mit.

Die Ankeraktionäre Ventus Venture Fund (SKion) - dahinter steckt die BMW-Großaktionärin
Susanne Klatten - und Momentum zogen bei der Kapitalerhöhung um zehn Prozent mit und hielten damit ihre Anteile. In Finanzkreisen hieß es, es hätten drei Mal so viele Aktien verkauft werden können wie
zur Verfügung standen. Die Papiere seien überwiegend an langfristige Investoren gegangen.

An der Börse beruhigte das die Anleger allerdings nicht. Sie befürchten eine Verwässerung ihrer Anteile. Einige Investoren nutzten die Gelegenheit zudem für Gewinnmitnahmen.

Denn die rasante Kursrally schürt auch Zweifel unter Investoren. Abseits der politischen Fantasie hat Nordex fundamental wenig vorzuweisen, das das mittlerweile sehr hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 30 rechtfertigen würde. Das bewies das Unternehmen am Montag mit seinen Jahreszahlen: 2010 musste das Unternehmen einen Umsatzrückgang von fast 20 Prozent auf 972 Millionen Euro hinnehmen, der operative Gewinn blieb nur dank Kostensenkungen stabil bei 40 Millionen Euro. Und auch 2011 rechnet Nordex lediglich mit einer Stagnation. Zwar soll der Auftragseingang um 20 Prozent auf dann rund eine Milliarde Euro zulegen. In der Gewinn- und Verlustrechnung soll sich das aber erst 2012 niederschlagen, dann rechnet Vorstandschef Thomas Richterich wieder mit Wachstum.

Holger Fechner, Analyst der NordLB, sieht aktuell wenig, was für die Aktie spricht: "Die Veröffentlichung der endgültigen Geschäftszahlen von Nordex sowie die Aussichten boten keine Überraschungen, die beschlossene Kapitalerhöhung dagegen schon", schreibt er in einer aktuellen Studie. Windanlagenhersteller befänden sich weiter in einem schwierigen Marktumfeld, das von Überkapazitäten und starkem Wettbewerbs- und Preisdruck geprägt sei. Mittelfristig drohe zudem weitere Konkurrenz aus China. Die Einflüsse der Atomdebatte seien noch nicht absehbar. Fechners Anlageempfehlung lautet "aufgrund der unveränderten Marktunsicherheiten, der anstehenden Kapitalerhöhung sowie der geradezu explosionsartigen Kursentwicklung" der Aktie "verkaufen". Das Kursziel gibt er mit lediglich 5,40 Euro an.

Eine Einzelmeinung vertritt Fechner damit nicht. Nach Angaben von Bloomberg stufen zurzeit lediglich vier Analysten die Nordex-Aktie mit "kaufen" ein, zwei sagen "halten" und 12 raten zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel der Experten liegt ebenfalls bei 5,40 Euro. Behalten die Experten Recht, könnten Nordex-Aktionären in den kommenden Wochen unruhige Zeiten drohen.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)

Kommentare zu " Kapitalerhöhung verunsichert: Anleger spielen mit Nordex Jojo"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Einwand mit dem Buchwert und dem Gespür von Frau Klatten sind richtig. Auf Politik würde ich nicht bauen.

    Als international ausgerichteter Konzern muss auch Nordex ab einem gewissen Volumen in (neuen) Großmärkten den notwendigen "local content" präsentieren können. D.h. gute Teile der Fertigung wandern eben nach China, USA etc.
    Nicht schlimm, aber im Anfang wegen der anstehenden Investitionen erst mal teuer. Unser beklopptes "liberales" Handelsrecht in Verbindung mit sonstigen Daumenschrauben (z.B. Zwang zum bedarfsfernen Anlagenbau, der alles unnötig verteuert! Anstatt Halden und Steinkohlekraftwerksgelände zu verspargeln. Die sind heute auch nicht hübscher! Ich wohn' im Pott!) befiehlt uns dann, die Turbinen von Nordex aus China mit ein paar Teilen "made in G." aufgehübscht zu importieren.

    So isses…

  • Dieser Artikel kann wohl nicht Ihr ernst sein. Weshalb sollten sonst langfristige Anleger,
    die auch von Experten beraten werden sonst die Nordex-Aktie für ca. 8,30 Euro geradezu
    mit Begeisterung gekauft haben. Die Herrn Analysten und ihre Banken haben sich an Ihren
    Knock_outs, Hebelprodukten und Puts, die sie an einen niedrigen Kurs gekoppelten haben lediglich verzockt. Das und andere Interessen stehen hinter diesen "Verkaufsratschlägen" und Kurszielen, die unter dem Buchwert der Firma liegen. Traurig, dass manche trotz der Tragik der momentanen Energiepolitik noch immer nichts verstanden haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%