Aktien
Karstadt bricht ein - Händler: 'Jewish Claims belasten'

Karstadt-Quelle-Aktien sind am Dienstag im Zuge einer Gerichtsentscheidung über Entschädigungen kräftig eingebrochen. Mit einem Kursverlust von zeitweise mehr als acht Prozent bildeten die Aktien mit Abstand den Boden im MDax .

dpa-afx FRANKFURT. Karstadt-Quelle-Aktien sind am Dienstag im Zuge einer Gerichtsentscheidung über Entschädigungen kräftig eingebrochen. Mit einem Kursverlust von zeitweise mehr als acht Prozent bildeten die Aktien mit Abstand den Boden im MDax . Am Morgen wurden erstmals die jungen Aktien aus einer Kapitalerhöhung der angeschlagenen Warenhauskette gehandelt. Händler verwiesen jedoch übereinstimmend auf den Streit um ein Grundstück aus dem ehemaligen Besitz der ehemals jüdischen Kaufhaus-Dynastie Wertheim.

Bis 10.45 Uhr verlor die Karstadt-Quelle-Aktie 4,58 Prozent auf 6,46 Euro. Der MDax war zugleich bei 5 305,12 Zählern praktisch zum Vortag unverändert. "Sollten die Ansprüche realisiert werden, ginge mehr als ein Viertel der Kapitalerhöhung als Ausgleichszahlung verloren", sagte Aktienhändler Oliver Opgen-Rhein von Hsbc Trinkaus & Burkhardt. Ein anderer Händler verwies auf bereits tags zuvor kursierende Gerüchte über eine mögliche Wandelanleihe. "Im Emisonsprospekt ist festgelegt, dass Karstadt innerhalb von 180 Tagen nach Ausgabe der jungen Aktien eine Wandelanleihe ausgeben muss", sagte ein Analyst.

Analyst Christian Schindler von der Landesbank Rheinland Pfalz sagte: "Rein theoretisch dürfte sich die Aktie heute gar nicht bewegen. Die Kursabschläge wegen der Ausgabe der jungen Aktien sind längst eingepreist und die Forderung der Jewish Claims Conference sind auch bereits bekannt." Allerdings träfen die Forderungen Karstadt in einer "sehr sensiblen Phase". Karstadt könne sich die Zahlung von 145 Mill. Euro "schlicht nicht leisten". Allerdings habe auch die Jewish Claims Conference kein Interesse an einer Insolvenz von Karstadt. "Die Forderung wird zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt gestellt", sagte Schindler.

Im Streit um ein Grundstück aus dem ehemaligen Besitz der jüdischen Kaufhaus-Dynastie Wertheim will die Jewish Claims Conference (JCC) Ansprüche in Höhe von 145 Mill. Euro gegen den angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzern geltend machen. Hintergrund sei ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus der vergangenen Woche, nach dem Liegenschaften im so genannten "Lenne-Dreieck" am Potsdamer Platz in Berlin unter das Gesetz zur Regelung offener Vermögensfragen fallen. Ein Karstadt-Quelle-Sprecher wollte die Meldung zunächst nicht kommentieren.

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