Karstadt-Quelle besonders abhängig vom Dezember-Geschäft
Einzelhandelsaktien dümpeln dahin

Vom Weihnachtsgeschäft dürfen Aktionäre deutscher Einzelhandelsgesellschaften auch in diesem Jahr kaum ein Kursfeuerwerk erwarten. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) rechnet zu Weihnachten zwar mit mehr Umsatz. Laut Analysten sind allerdings Zweifel angebracht.

DÜSSELDORF. Der HDE geht in seiner Prognose davon aus, dass der weihnachtsbedingte Mehrumsatz im November und Dezember von 6,2 Mrd. auf 7,2 Mrd. Euro klettern wird, doch Zweifel sind angebracht. Die Fachverbände der vom Weihnachtsgeschäft am stärksten betroffenen Branchen – darunter Spielwaren, Schmuck und Kosmetik – sind zeigen sich weitaus verhaltener.

Auch Konjunkturexperten wie Ralph Solveen von der Commerzbank glauben angesichts der Umsatzrückgänge im September und Oktober nicht daran, dass es vor dem Fest zu einer grundlegenden Trendwende kommen wird. Einen dramatischen Einbruch wie 2003, als der Weihnachtsumsatz um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr absackte, hält er aber ebenfalls für unwahrscheinlich. „Das Umfeld für den privaten Verbrauch hat sich gebessert“, glaubt er. Die Wahrnehmung der Konjunkturlage sei positiver. Was den Händlern außerdem zugute kommt: Die Monate November und Dezember besitzen in diesem Jahr jeweils einen Verkaufstag mehr als 2003.

Von den großen börsennotierten Handelskonzernen hängt die Essener Karstadt-Quelle AG mit Abstand am stärksten vom deutschen Weihnachtsgeschäft ab. Laut einer Befragung von E-Circle stehen die Karstadt-Warenhäuser bei Deutschlands Verbrauchern für Weihnachtsgeschenke fast an der Spitze. Nur die Elektrofachmärkte von MediaMarkt sind noch beliebter. Gleichzeitig hält der konzerneigene Versender Quelle beim Kauf von Weihnachtsgeschenken Platz drei. Dabei erlöst Karstadt-Quelle rund 90 Prozent seines Geschäfts auf deutschem Boden.

Und dort tut sich der Konzern derzeit schwer: Da Kunden im Oktober und November angesichts der problematischen Rettungsaktion offenbar fürchteten, ihre Ware nicht mehr umtauschen zu können, gingen die Verkäufe zurück. Der Konzern senkte daraufhin die Ertragsprognose. Die Investmenthäuser Merrill Lynch und M. M. Warburg sowie der Informationsdienst Independent Research reduzierten ihre Erwartungen ebenfalls und bestätigten ihre Verkaufsempfehlung für die Aktie. Goldman Sachs stufte Karstadt-Quelle auf „underperform“ herunter.



Der vierte große in Frankfurt gelistete Handelskonzern, die Bielefelder AVA („Marktkauf“), beschränkt sich zwar – bis auf einen Standort in Moskau – auf den deutschen Einzelhandelsmarkt. Da der Konzern aber überwiegend Lebensmittel und Heimwerkerbedarf führt, dürften die Schwankungen im Weihnachtsgeschäft eher gering ausfallen. Dass die Aktie sich seit Wochen deutlich nach oben bewegt, hat einen anderen Grund: Viele Anleger rechnen damit, dass der Mehrheitsaktionär Edeka den freien Aktionären bald ein Übernahmeangebot unterbreiten wird.

Volker Bosse, Handelsexperte bei der Hypo-Vereinsbank in München, hält zudem den Niedergang des Versandhandelsgeschäfts, das im Oktober deutschlandweit um 13,6 Prozent einbrach, für ein strukturelles Problem. Da viele Läden nach der Abschaffung von Rabattgesetz und Zugabeverordnung mit spontanen Sonderaktionen lockten, komme der Versandhandel mit seiner fixen Preisgestaltung nicht mehr schnell genug nach. Karstadt-Quelle ist davon besonders betroffen: Rund die Hälfte des Umsatzes brachte bislang das Kataloggeschäft.

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