Kartenanbieter will Milliarden einnehmen
Visa plant Mega-Börsengang

Die USA stehen vor dem größten Börsengang ihrer Geschichte: Der führende US-Kreditkartenkonzern Visa will bei seiner mit Spannung erwarteten Erstnotiz bis zu rund 17 Milliarden Dollar erlösen - so viel wie kein anderes US-Unternehmen zuvor.

NEW YORK. Der Kreditkartenanbieter Visa peilt einen der größten Börsengänge der Welt an. Das Unternehmen will 406 Millionen Aktien zum Stückpreis zwischen 37 und 42 Dollar verkaufen und könnte damit bis zu 17 Mrd. Dollar erlösen. Größer war bislang nur die Platzierung der Industrial & Commercial Bank of China mit einem Volumen von 22 Mrd. Dollar vor zwei Jahren. Wie Visa der US-Börsenaufsicht SEC mitteilt, haben die begleitenden Banken die Möglichkeit, weitere 40,6 Millionen Aktien aufzukaufen. Das könnte das Emissionsvolumen auf bis zu 18,8 Mrd. Dollar steigern.

Visa würde damit den bisherigen Rekord von AT&T Wireless in den USA deutlich übertreffen. Der Mobilfunkanbieter hatte bei seinem Börsengang im Jahr 2000 rund 10,6 Mrd. Dollar eingenommen. Die Aktien sollen unter dem Kürzel "V" an der New York Stock Exchange notiert werden. Die Mitteilung an die SEC deutet darauf hin, dass der Bör-sengang noch im ersten Halbjahr stattfinden soll.

Visa tritt allerdings in einem schwierigen Marktumfeld an. Angesichts der Finanzkrise ist die Nachfrage nach jungen Aktien spürbar zurückgegangen. In diesem Jahr haben in Amerika bislang 97 Unternehmen den Gang aufs Parkett gewagt und dabei zwölf Mrd. Dollar eingenommen. Das sind 43 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Allerdings ist Visa von der Kreditkrise nicht direkt betroffen, weil sie anders als American Express nicht für die Kreditvergabe, sondern nur für die Zahlungsabwicklung sorgt.

"Unser Netzwerk und die Stärke unserer Marke macht uns zum weltweit führenden Anbieter im elektronischen Zahlungsverkehr", schreibt die Gesellschaft. Mit mehr als 44 Milliarden Kreditkar-tentransaktionen in 2006 ist Visa der Branchenprimus vor dem kleineren Rivalen Mastercard. Allerdings ist Mastercard dem Marktführer an der Börse ein Stück voraus. Die Gesellschaft ist seit 2006 notiert und der Kurs hat sich seitdem verfünffacht.

Bislang befindet sich der Kreditkartenanbieter im Besitz seiner Mitgliedsbanken. Die Kreditinstitute werden auch nach dem Börsengang nahezu die Hälfte der Anteile an Visa halten. Visa Europa bleibt eine Mitgliederorganisation im Besitz der Banken und ist mit Visa Inc. über einen Lizenzvertrag verbunden.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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