Keine Zulassung für Cladribin: Merck-Aktie bricht ein

Keine Zulassung für Cladribin
Merck-Aktie bricht ein

Keine gute Nachricht für Merck: Die Zulassung eines Medikaments gegen Multiple Sklerose droht zu scheitern. Für das Unternehmen wäre das ein herber Rückschlag. Analysten sind besorgt, Anleger schockiert. Die Aktie gibt deutlich nach.
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HB FRANKFURT. Ein Rückschlag bei der Zulassung eines Medikaments schreckt die Aktionäre des Pharmakonzerns Merck auf. Die im Dax gelisteten Papiere fallen um acht Prozent. "Die Erwartungen an das Medikament waren sehr hoch, daher dürfte die Enttäuschung nun umso größer sein", sagte ein Händler.

Nach Angaben von Merck hat ein Expertengremium der europäischen Arzneimittelbehörde EMA eine negative Stellungnahme zum Antrag auf Marktzulassung der Multiple-Sklerose-Tablette Cladribin abgegeben. Das Komitee sei zu der Ansicht gelangt, dass auf Grundlage der zurzeit vorliegenden Daten die Risiken des Mittels die Vorteile überwiegen.

"Wir sind enttäuscht, aber nach wie vor überzeugt vom Potenzial von Cladribin-Tabletten", sagte Elmar Schnee, Leiter der Sparte Merck Serono. Der Konzern werde alle Optionen einschließlich eines Einspruchs prüfen, um das Medikament doch noch bereitstellen zu können.

"Die Zulassung des Medikaments in Europa ist damit sehr unwahrscheinlich geworden", sagt dagegen Carsten Kunold, Analyst der Privatbank Merck Finck & Co. Seine Bewertung und das Kursziel für die Aktie stellte der Analyst "unter Beobachtung".

Erste Zulassungen für die Tabletten hatte Merck im Juli 2010 in Russland und im September in Australien erhalten. Auch in den USA läuft derzeit ein beschleunigtes Zulassungsverfahren für die Cladribin-Tabletten, dessen Ergebnis im vierten Quartal 2010 erwartet wird. In weiteren 40 Ländern hat Merck die Tabletten zur Zulassung eingereicht. Sie könnten nach Einschätzung von Analysten zum größten Wachstumstreiber für Merck mit einem Umsatz in Milliardenhöhe werden.

Die Commerzbank hat die Einstufung auf "Halten" mit einem Kursziel von 71 Euro belassen. Er werte die Nachricht als negativ, schrieb Analyst Volker Braun in einer Studie vom Freitag. Zwar habe sich Merck selbst bei der jüngsten Kapitalmarktveranstaltung zurückhaltend zu einer möglichen Zulassung der Tablette geäußert. Dennoch sei das Ganze eine Enttäuschung, da Merck lediglich von einer eingeschränkten Zulassung ausgegangen war. Er rechne damit, dass zahlreiche Analysten Cladribin nun aus ihren Bewertungsmodellen ausschließen werden und möglicherweise sogar die komplette Pipeline von Merck in Frage stellen.

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