Kommentar zum Berkshire-Gewinneinbruch
Kein Grund zur Panik

Warren Buffets Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway schwächelt. Der Nettogewinn ist im ersten Quartal um 37 Prozent abgesackt. Doch Buffett ist ein Investor mit Weitblick. Aktionäre sollte das Ergebnis kalt lassen.
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New YorkWarren Buffett hält nicht viel von Quartalszahlen. Der legendäre Investor ist bekannt für seine Weitsicht. „Kaufen und für immer behalten“, ist sein Leitmotiv, von dem er in den 50 Jahren an der Spitze von Berkshire Hathaway nur selten abgewichen ist.

Dass der Nettogewinn im zweiten Quartal um 37 Prozent abgesackte, ist ungewöhnlich für den viertgrößten amerikanischen Konzern. Schließlich hat Berkshire seine Aktionäre in den vergangenen Jahrzehnten mit beispiellosem Wachstum verwöhnt. Doch Ausrutscher wie diesen lassen Buffett kalt, und genau so sollten es auch seine Aktionäre sehen.

Berkshire ist kein gewöhnliches Unternehmen, das von Quartalsergebnis zu Quartalsergebnis hetzt, stets bemüht, die Analysten zu befriedigen und die Erwartungen immer etwas zu übertreffen. Wenn Berkshire Zahlen vorlegt, dann gibt es keine Analystenkonferenz, noch nicht einmal ein Statement von Warren Buffett findet sich in der Pressemitteilung. Das ist eine erfrischende Ausnahme in Amerikas Konzernwelt.

Und das genau ist Buffetts Erfolgsrezept, mit dem er Berkshire von einem krisengeschüttelten Textilunternehmen zu Amerikas viertgrößtem börsennotierten Konzern gemacht hat – der Jahresumsatz betrug 2014 knapp 200 Milliarden Dollar.
Berkshire steht im Jubiläumsjahr vor einem Zeitenwechsel. Das Rückversicherungsgeschäft – einst ein sicherer Geldbringer – läuft nicht mehr. Aktien wie Coca-Cola und IBM, die Buffett seit Jahren hält, gehören längst nicht mehr zu den Börsenlieblingen. Doch Buffett hat längst angefangen, dagegen zu steuern.

Gerade hat er die größte Übernahme in der Firmengeschichte verkündet. Dass Berkshire einen guten Nutzen für die 68 Milliarden an Barreserven findet, ist viel wichtiger als sich über schwach laufende Aktien den Kopf zu zerbrechen. Der Berkshire-Chef hat bei seinen Entscheidungen die nächsten 100 Jahre im Blick. Selbst die Euro-Krise sieht er nur als vorübergehende Störung. Was ist dagegen schon ein einzelnes Quartal?

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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  • Wer vorher mit Buffet mehrere 1.000 % Gewinn gemacht hat, der kann über eine 37% reaktion nur müde lächeln, da lutscht Buffet ganz entspannt ein Eis.

    Mit seinen dicken Brillengläsern hat Buffet den absoluten Weitblick.
    Er ist ein Midas, alles was er anfaßt wird zu Gold. Wäre toll wenn er unser Finanzminister wäre.
    Ruckzuck wären wir entschuldet, und der Schuldenuhr in Frankfurt könnte man den Saft abdrehen.

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