Kommt die Kapitalerhöhung?: Aktie der Deutschen Bank stürzt ab

Kommt die Kapitalerhöhung?
Aktie der Deutschen Bank stürzt ab

Goldman Sachs setzt der Deutschen Bank zu. Die Amerikaner raten, die Aktie von Deutschlands größter Bank zu verkaufen. Grund: Erneute Sorgen um die Kapitalquote. Der Aktienkurs sackt ab.
  • 3

FrankfurtAlte Probleme, neue Kursverluste: Die Aktie der Deutschen Bank hat am Freitag zeitweise fast sechs Prozent auf 33,12 Euro eingebüßt und ist damit auf den niedrigsten Stand im bisherigen Jahresverlauf abgestürzt. Es war der größte Kursrutsch seit Ende September. Der Börsenwert der Bank verringerte sich auf einen Schlag um 1,6 Milliarden Euro.

Vor allem eine Studie des Erzrivalen Goldman Sachs schlug den Anlegern aufs Gemüt. Darin stuften die Analysten die Aktie des deutschen Branchenprimus auf „Verkaufen“ herab und begründeten das mit neuen Sorgen um die Kapitalausstattung. Eine Klage der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi gegen die Deutsche Bank wegen verlustträchtiger Derivatedeals drückte zusätzlich auf die Stimmung, so dass die Aktie die Liste der Dax-Verlierer anführte.

Nach Ansicht der Goldman-Analysten muss die Deutsche Bank 13 Milliarden Dollar in ihre US-Tochter nachschießen, wenn sie die absehbar höheren Kapitalanforderungen in den USA erfüllen will. „Ein solcher interner Transfer dürfte die Kapitalausstattung der Bank außerhalb des US-Geschäfts deutlich schmälern - was wiederum den Druck in Sachen Kapitalerhöhung erhöhen könnte“, hieß es in der Studie.

Die Notenbank Fed tüftelt derzeit an Plänen, dass alle Auslandsbanken ihr gesamtes US-Geschäft einer Holdingstruktur nach US-Standards unterstellen. Ziel ist es, Schlupflöcher in der Regulierung zu schließen, wie die Fed im November erklärt hatte. Für Europas Großbanken könnte das neue Belastungen bedeuten. Die Deutsche Bank etwa hatte die Holdingstruktur für ihr US-Geschäft Anfang 2012 verschlankt und eine Ebene herausgenommen. Das Geschäft in den USA sei ausreichend kapitalisiert, hieß es damals. Allerdings haben seither auch schon andere Analysten einen Milliardenbedarf errechnet, sollten die Fed-Pläne umgesetzt werden. Espirito Santo kam vor einigen Monaten sogar zu dem Ergebnis, dass die Deutsche Bank rund 15 Milliarden Dollar in ihre sogenannte Taunus-Gesellschaft nachschießen müsste.

Quartalszahlen

Ergebnisse der Deutschen Bank (nach Steuern)

in Milliarden Euro


Die Deutsche Bank hatte eigentlich gehofft, die immer wieder aufkeimenden Spekulationen über eine Kapitalerhöhung mit den Zahlen 2012 zu beenden. Denn sie kam hier einen großen Schritt voran, weil der neue Co-Vorstandschef Anshu Jain dem Kapitalaufbau alles andere unterordnete, auch den Gewinn: Per Ende Dezember lag die harte Kernkapitalquote (Core Tier 1) nach den strengeren Basel-III-Regeln bei acht Prozent, ein Jahr zuvor waren es noch weniger als sechs Prozent. Die Bank hatte Wertpapiere im Volumen von 120 Milliarden Euro in eine interne „Bad Bank“ geschoben und sich damit Entlastung verschafft. Diese unliebsamen Bestände sollen nun beschleunigt abgebaut werden - auch unter Inkaufnahme von Verlusten.

Die Analysten von Keefe, Bruyette & Woods (KBW) finden die Fortschritte beim Kapitalaufbau überzeugend, wie sie in dieser Woche in einer Studie schrieben. „Das Taunus-Thema macht uns zwar durchaus Sorgen“, hieß es darin. Die Deutsche Bank könne das Problem aber lösen, ohne bei der Kapitalausstattung auf Konzernebene in die Bredouille zu kommen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Kommt die Kapitalerhöhung?: Aktie der Deutschen Bank stürzt ab"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ist die Deutschen Bank die nächste Bank, die die US-Hochfinanz komplett übernehmen will? Eine US-Heuschrecke (wem die wohl gehört?) ist ja bereits größter Einzelaktionär

  • Das Fed hält Auflagen zur Kapitalisierung der Deutschen Bank und Renditeziele bereit. Der Aufsichtsrat muss endlich handeln

  • Deutsche Bank = Betrug aus Leidenschaft!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%