Konjunkturaussichten und Ölpreis dämpfen den Kursauftrieb
Dax-Ausblick: 5 000er-Marke im Nebel

Im Sommerloch sehen Börsenbeobachter derzeit den Handel der Aktienmärkte. Angesichts einer nachlassenden Konjunkturzuversicht und eines auf Rekordniveau liegenden Ölpreises dürften sich die Anleger nach Ansicht von Aktienstrategen in der nächsten Woche mit Engagements am Aktienmarkt zurückhalten.

HB FRANKFURT. Kursbewegend könnten – so ein Analyst – bereits Nachrichten aus den USA sein, welchen Weg der Hurrikan "Katrina" einschlägt. Bei Sturmschäden oder einem Produktionsausfall der Öl-Bohrplattformen im Golf von Mexiko wird ein möglicher Anstieg des Preises für Rohöl auf 70 US-Dollar oder mehr das beherrschende Marktthema sein.

"Die jüngsten Konjunkturdaten sowie die hohen Ölpreise haben den zuletzt am Aktienmarkt aufkommenden Optimismus über die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland gedämpft", sagte Markus Reinwand von Helaba Trust. "Nach dem Abschluss der Bilanzsaison fehlen neue Impulsgeber, um den Dax über die Marke von 5 000 Punkte zu ziehen. Zudem haben viele Anleger Angst vor dem im historischen Durchschnitt schwachen Börsenmonat September." Seiner Einschätzung nach dürfte der Deutsche Aktienindex (Dax) in der kommenden Woche um die Marke von 4 900 Punkten pendeln.

Anleger sorgen sich vor September-Schwäche

Davon geht auch Roland Ziegler von der BHF Bank aus. "Der Markt muss nach der Kursrally der vergangenen Wochen erst einmal durchatmen", sagte er. Für Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg bleibt die 5 000-Punkte-Marke im Dax vorerst außer Reichweite. "Der immer weiter steigende Ölpreis dürfte sich den Börsianern langsam aufs Gemüt legen", prognostizierte der Stratege. "Und auch die Markttechnik signalisiert, dass der Dax so schnell nicht wieder auf die Beine kommt." Außerdem stehe mit dem September der mit Abstand schlechteste Börsenmonat bevor.

Der Dax notierte am Freitag bei 4 870 Punkten. Seit Wochenbeginn hat der Leitindex rund 1,3 Prozent eingebüßt. Vor allem die Hausse an den Ölmärkten machten Börsianer für die Kursverluste im Dax verantwortlich. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) US-Leichtöl hatte am Donnerstag am Terminmarkt ein Rekordhoch von 68 Dollar markiert. Nach Ansicht von Ziegler dürften die Anleger in der kommenden Woche mit Interesse die Prognosen der für den 18. September anstehenden Bundestagswahl verfolgen. "Wenn sich der Eindruck verstärkt, dass CDU/CSU und FDP die Regierung bilden werden, dann dürfte das dem Aktienmarkt Auftrieb geben", sagte er. Ziegler zufolge verknüpfen die Investoren mit Schwarz-Gelb die Hoffnung auf eine beschleunigte Weiterführung der Reformen.

Technische Analysten sehen im Dax derzeit eine Kopf-Schulter-Formation. Sollte sie nach unten aufgelöst werden, könne ein Rückgang bis auf 4 780, möglicherweise auch bis 4 670 Punkte anstehen. Der Euro-Stoxx-50-Index sei bereits durch eine ähnliche Formation nach unten durchgefallen. Insgesamt werten die Experten dies jedoch nicht als kritisch: "Wenn der Markt von knapp 5 000 auf 4 700 zurückfällt, wäre das nur eine kleine sechsprozentige Korrektur", sagt ein Charttechniker. Wahrscheinlicher sei jedoch ein "orientierungsloses Herumdümpeln" oberhalb von 4 800 Punkten.

Die Pläne der Hedge-Fonds

Am deutschen Aktienmarkt wird als hauseigenes Thema weiter die Entflechtung der Deutschland AG gehandelt. Der Markt werde sich auf Unternehmen mit hohem Hedge-Fonds-Anteil konzentrieren, vermuten einige Aktienstrategen. Mit Linde, Daimler, Commerzbank und MAN stehen allein vier Dax-Unternehmen auf der Interessensliste. Hedge-Fonds seien bei ihnen mit Anteilen von 15 bis – nach Medienberichten – sogar 30 Prozent bei Daimler engagiert. Ob diese Spekulationen zu ähnlichen Ergebnissen wie bei der Deutschen Börse AG führen, ist offen. Solange sie anhalten, sichern sie aber nach Analysteneinschätzungen die Aktienkurse nach unten ab und stützen somit auch den Dax.

In den Nebenwerte-Indizes sieht es nicht anders aus: Die unbestätigten Gerüchte um das Hedge-Fonds-Interesse an Hypo Real Estate werden nach Meinung von Beobachtern in der kommenden Woche von konkreten Spekulationen auf eine Dax-Aufnahme abgelöst. In den nächsten zwei Wochen werde sich entscheiden, welcher MDax-Wert der ausscheidenden HypoVereinsbank folgt. Auch Mobilcom-Freenet können nach dem Fusionsbeschluss weiter im Fokus stehen: Dort geht es auch um die Frage, ob sich Anleger erfolgreich gegen eine kreditfinanzierte Sonderdividende an den Hedge-Fonds TPG wehren können. Der Fonds ist auch am Armaturenhersteller Grohe beteiligt. Dort wird ihm eine Mitverantwortung für den Abbau jedes dritten Arbeitsplatzes in Deutschland gegeben.

Daneben gibt es aber auch Spekulationen auf strategische Kaufinteressen: So wurde beispielsweise die indische Pharma-Gruppe Ranbaxy vergangene Woche als Interessent an Medigene gehandelt. Auch TUI wird im Blick stehen, nachdem am Freitag die Details zur Kapitalerhöhung um eine Milliarde Euro genannt wurden.

US-Konjunkturzahlen im Blick

Bei den Unternehmen aus der ersten Börsenreihe dürfte kommende Woche Fresenius Medical Care (FMC) im Blickpunkt stehen. Der Dialysespezialist lädt seine Aktionäre zu einer außerordentlichen Hauptversammlung am Dienstag ein, auf der sie über die Umwandlung der Vorzugsaktien in Stammaktien abstimmen sollen. Aus dem TecDax stellt am Dienstag der Breitbandanbieter QSC Halbjahreszahlen vor. Außerdem berichten in der kommenden Woche Indus Holding und Cewe Color über ihr zweites Quartal; die Baumarktkette Hornbach lädt zur Hauptversammlung.

Weil nur sehr wenige Unternehmensdaten anstehen, dürften sich die Anleger in der nächsten Woche vor allem auf die Konjunkturzahlen aus den USA konzentrieren. Unter anderem stehen am Dienstag das Verbrauchervertrauen des Conference Board für August sowie die Auftragseingänge für Juli auf der Agenda. Am Mittwoch folgen der Chicago- Einkaufsmanagerindex und das US-BIP zum zweiten Quartal. Am Donnerstag erscheint der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe im August. Am Freitag dürften sich dann alle Augen auf den US-Arbeitsmarktbericht für den Monat August richten. Einen Tag vorher treffen sich die Notenbanker der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt, um über die Zinspolitik zu beraten. Eine Zinsänderung wird an den Finanzmärkten nicht erwartet.

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