Konsortialbanken des Börsengangs veröffentlichen erste Researchberichte
Analysten empfehlen Premiere-Papiere

Anderthalb Monate lang haben sich die Konsortialbanken, die vor wenigen Wochen den Börsengang (IPO) des Pay-TV-Senders Premiere betreuten, mit Kommentaren zu der Aktie zurückgehalten.

DÜSSELDORF. Als dann Ende vergangener Woche – kurz nach dem Ablauf der so genannten Blackout-Periode – die Hypo-Vereinsbank (HVB), Credit Suisse First Boston und die Schweizer Großbank UBS ihre ersten Aktienanalysen veröffentlichten, legte das Premiere-Papier kräftig zu. Denn alle drei Häuser empfehlen den Titel zum Kauf.

Für die Aktionäre war das nur ein weiterer Grund zur Freude. Wer bei dem 12,3-fach überzeichneten IPO Aktien zugeteilt bekam, verbuchte schon am ersten Handelstag kräftige Kursgewinne. Insgesamt verzeichnete das Papier seit der Erstnotiz vor sieben Wochen ein Plus von über elf Prozent. Der Deutsche Aktienindex (Dax) gab im selben Zeitraum knapp ein Prozent nach.

Und das Kurspotenzial ist damit noch nicht erschöpft, sagen die Experten. Besonders optimistisch ist die UBS, die in ihrer Ersteinstufung ein Kursziel von 40 Euro angibt. Im Vergleich zum aktuellen Stand wäre das ein Plus von weiteren 30 Prozent. Die HVB, die noch immer zu den größten Premiere-Aktionären zählt, und die Credit Suisse setzen ihre fairen Werten nur wenige Euro tiefer an. Zur Begründung verweist Peter-Thilo Hasler, Branchenexperte bei der HVB, auf „ einen der beachtlichsten Turnarounds in der europäischen Unternehmensgeschichte“. Die UBS erwartet in den kommenden fünf Jahren weitere signifikante Margenverbesserung und ein deutliches Ergebniswachstum. Auch die Credit Suisse rechnet damit, dass das Unternehmen, das im vergangenen Jahr noch rote Zahlen schrieb, 2009 einen Gewinn von 344 Mill. Euro ausweisen wird.

Positiv könnte sich auch eine potenzielle Aufnahme in den Nebenwerteindex MDax auswirken. Nach Berechnungen der HVB rangiert das Premiere-Papier unter den MDax-Werten nach Börsenumsätzen auf Platz 14 und nach Marktkapitalisierung auf Rang 13. Einer Aufnahme zum nächsten Überprüfungstermin Anfang September dürfte nichts entgegenstehen, sagt Hassler.

Entscheidend werden aber zunächst vor allem die Verhandlungen über die Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga sein, die im September beginnen. Sollte Premiere sämtliche Rechte bekommen, würde dies zu einer kompletten Neubewertung der Aktie führen, sagt Hasler. Bisher zahlt Premiere für die Live-Übertragung aller Spiele 180 Mill. Euro. Die anderen Sender dürfen allerdings einige Minuten nach dem Abpfiff Zusammenfassungen senden. Nach dem neuen Model könnte Premiere sämtliche Rechte – einschließlich der Vermarktung über das Internet – erwerben und einen Teil davon mit strengeren Auflagen an andere Sender verkaufen.

Allerdings sind die Verhandlungen nicht ohne Risiken. Sollte Premiere einen deutlichen Aufschlag zahlen müssen, könnte das den Kurs drücken. Darin sehen beispielsweise die Strategen der WestLB die größte Unsicherheit. Sie geben als Einstufung daher nur „neutral“ an.

Und auch die Großaktionäre selbst könnten den Kurs zumindest kurzfristig belasten. So haben sich zwar das Premiere-Management, die Investmentgesellschaft Permira, die BayernLB, die HVB und die österreichische Bawag, die zusammen fast 50 Prozent der Anteile halten, darauf verständigt, in den sechs Monaten nach dem Börsengang keine Anteile zu verkaufen. Diese Frist läuft aber im September ab, so dass größere Verkäufe drohen.

Langfristig hängt die Entwicklung der Aktie aber vor allem am Wachstum des Bezahlfernsehens in Deutschland. Bisher liegen die Zahlen der Abonnenten deutlich unter denen in anderen europäischen Ländern wie Großbritannien oder Frankreich. Zehn Jahre brauchte Premiere alleine, um die Zwei-Millionen-Kunde-Marke zu durchbrechen. Die britische BSkyB gewann im selben Zeitraum über sieben Millionen Abonnenten. Immerhin konnte das neue Management aber in den vergangenen Jahren nicht nur die Kosten deutlich senken, sondern fast eine Millionen neue Kunden gewinnen, schreiben die Experten von CSFB. Und auch Hasler findet beruhigende Worte: „Das neue Management hat die meisten Fehler beseitigt“, sagt er.

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