Konzentration auf das Kerngeschäft soll stabile Gewinne bescheren
An Mobilcom scheiden sich die Geister

Als Mobilcom vor einem Jahr nur knapp der Pleite entkam, notierte der Aktienkurs der Firma mit 2,60 Euro auf einem absoluten Tiefststand. Doch seitdem die Firma sich wieder mehr auf das Kerngeschäft, den Mobilfunk, konzentriert, haben die Papiere in den letzten neun Monaten ihren Wert mehr als vervierfacht.

DÜSSELDORF. Gestern lag der Kurs mit rund 11,50 Euro nicht allzu weit unter dem 52-Wochen-Hoch. Für viele Analysten ist die Rally damit jedoch beendet. Zu groß seien die Unsicherheiten für das kommende Jahr.

Denn sicher ist bei Mobilcom derzeit nur eins: So wie es einmal war, soll es nicht mehr werden. So wurden die letzten Anteile des ehemalige Großaktionärs und Gründers Gerhard Schmid am Markt platziert, die Festnetz-Sparte an die eigene Tochter Freenet verkauft und gleichzeitig der Anteil an dem Internet-Anbieter von 73 auf 53 Prozent deutlich reduziert. Allein aus diesem Verkauf blieben dem Telekomdienstleister über 40 Mill. Euro. Der hoch verschuldete potenzielle Übernahmekandidat von vor einem Jahr hat sich somit innerhalb weniger Monate zu einem liquiden Unternehmen gewandelt, das nach Angaben von Firmenchef Thorsten Grenz derzeit rund 100 Mill. Euro freie Mittel in der Kasse hat.

Optimistisch zeigt sich daher Oliver Drebin von SES Research. „Der Kurs hat sich trotz der Verkäufe der Anteile des ehemaligen Vorstandes Schmid als stabil erwiesen“, sagt der Analyst. Er stuft die Papiere derzeit mit „outperform“ (überdurchschnittlich) ein. Den fairen Wert beziffert er mit 13,70 Euro und geht für das nächste Jahr von einem Gewinn je Aktie von 0,48 Cent aus.

Andere Analysten bezweifeln hingegen, dass Mobilcom die Krise wirklich überstanden hat. „Die eigentliche Geschäftsidee hat ihre Blütezeit längst überschritten“, sagt Andreas Heinold von der Landesbank Baden-Württemberg. Und er meint damit, dass die großen Mobilfunkunternehmen wie T-Mobile, E-Plus oder Vodafone zwar in der Anfangsphase mit Wachstumsraten von 50 Prozent auf die Dienstleister angewiesen waren. Mittlerweile haben sie aber genug Kapazitäten aufgebaut, um ihre Kunden selbst zu betreuen. Er hält das Papier daher nicht nur nach den letzten Gewinnen sondern auch langfristig für überbewertet und rät zum Verkauf.

Perlen im Portfolio sind die Freenet-Aktien

Frank Rothauge von Sal. Oppenheim gibt derzeit zwar als Anlagevotum „outperform“ an, räumt der Aktie aber nur noch begrenztes Potenzial ein, vor allem da Mobilcom gegenüber den größten Konkurrenten Debitel und Talkline in der Krisenzeit deutlich an Boden verloren habe. „Diese Lücke zu schließen, wird nicht billig“, sagt Rothauge.

Die Perlen im Portfolio des Unternehmens sind nach Meinung der Analysten die Freenet-Aktien, die seit Jahresanfang von 4,20 auf über 50 Euro gestiegen sind. „Auch hier ist aber langsam die Luft raus“, erklärt Heinold. Von den Quartalszahlen, die am 12. November vorgelegt werden sollen, erwarten die meisten Analysten daher keine positiven Überraschungen. Der Umsatz soll mit 447 Mill. Euro ungefähr auf dem Niveau der Halbjahreszahlen bleiben. Für Mobilcom ist das allerdings kein schlechtes Ergebnis. Immerhin konnte das Unternehmen erst im letzten Quartal seit fast drei Jahren überhaupt wieder einen Gewinn im operativen Geschäft erzielen. Für das gesamte laufende Jahr bekräftigte Grenz erst vor wenigen Tagen das Ziel, ein positives Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) zu erwirtschaften. Spätestens nach dem „Übergangsjahr 2004“ soll 2005 dann sogar für die Aktionäre ein „hübsches Ergebnis“ überbleiben.

Mit Spannung blicken auch die Analysten ins nächste Jahr. Aber eher, da sie mit Übernahmen innerhalb der Branche rechnen. Die Swisscom will sich schon länger von ihren Debitel-Anteilen trennen; ob France Telekom weiter an den 28,3 Prozent der Mobilcom-Aktien festhält, ist ebenso ungewiss. Auch dader kleiner Konkurrent Talkline ist erst jüngst als potenzieller Käufer aufgetreten ist. „Das wird die Kurse sicherlich noch einmal kräftig bewegen“, meint ein Analyst. Wer aber davon letztlich profitiert, lässt sich derzeit noch nicht absehen.

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