Kooperation mit Arena hebt die Stimmung
Premiere gewinnt Vertrauen zurück

Für Fans endet die fußballfreie Zeit zwar erst in gut zwei Wochen, wenn Anpfiff zum ersten Spieltag der Fußball-Bundesliga ist. Für die Aktionäre des Bezahlsenders Premiere endete sie bereits vergangene Woche, als das Kartellamt die enge Kooperation des Bezahlsenders Premiere mit dem erst 2006 angetretenen Konkurrenten Arena bis 2009 billigte. Premiere gewinnt Vertrauen zurück, doch gehört weiter zu den schwächsten Werten im MDax.

DÜSSELDORF. Die Nachricht von der Kooperation mit Arena ließ den Kurs der Aktie, der seit Anfang des Jahres bereits um mehr als 50 Prozent zugelegt hatte, zunächst über die Marke von 20 Euro klettern. Dann aber dämpften die von Premiere-Chef Georg Kofler für 2007 drastisch und für 2008 leicht gesenkten Gewinnprognosen in Folge der Arena-Transaktion die Euphorie.

Er stellt für den an der Börse mit 1,9 Mrd. Euro bewerteten Sender für 2008 einen Gewinn vor Steuer, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 180 bis 200 Mill. Euro in Aussicht. „Wir hatten für 2008 mit einem Gewinn von 213 Mill. Euro gerechnet“, sagt Christoph Schlienkamp, Analyst des Bankhaus Lampe. Er rät, die Aktie zu halten, da Premiere mit einem Kurs von zuletzt 19 Euro sein Kursziel von 20 Euro annähernd erreicht habe. Wichtig für die Kursentwicklung sei nun die nächste Vergaberunde für die Bundesliga ab 2009.

Sonia Rabussier, Analystin von Sal. Oppenheim, sieht Premiere für den neuen TV-Vertrag ab 2009 gut positioniert. „Die Chancen waren noch nie so gut wie jetzt, die Bundesliga-Übertragung im frei empfangbaren Fernsehen auf 22 Uhr zu schieben und so über die Exklusivität mehr Kunden zu locken.“ Sie rät zum Kauf der Aktie und sieht ein Kursziel von zunächst 21 Euro.

Ihrer Meinung nach sorgt das Aufholpotenzial des deutschen Pay-TV-Markts im internationalen Vergleich der Sender auch für Übernahmephantasie. „Im Jahr 2006 lag die Pay-TV-Durchdringung in Deutschland bei rund zehn Prozent, in Frankreich hingegen bei 41 und Großbritannien bei 43 Prozent“, sagt Rabussier. „Die nun wieder starke Marktstellung von Premiere und die Aktionärsstruktur machen Premiere zu einem interessanten Übernahmeziel“, glaubt auch Friedrich Diel. Der Fondsmanager von Frankfurt Trust hat Premiere daher in drei Fonds hoch gewichtet.

Langfristig zählt die Premiere-Aktie trotz der jüngsten Zugewinne zu den schwächsten Werten im MDax. Die im März 2005 zu 28 Euro emittierten und anschließend im Tief auf 7,50 Euro tief gefallenen Premiere-Aktien notieren mit zuletzt 19 Euro noch immer deutlich unter ihrem Ausgabepreis. Der MDax hingegen konnte sich seit März 2005 glatt verdoppeln. Und obwohl Analysten mehrheitlich positiv gestimmt sind – zwölf von 19 raten zum Kauf – ist Lehman-Brothers-Analyst Matthew Walker derzeit mit einem Kursziel von 23 Euro der optimistischste Experte.

Gepa Tiemann, Analystin der WestLB, traut der Aktie einen Kurs von 22 Euro zu. Sie hob ihr Anlageurteil nach der Entscheidung des Kartellamts auf „Akkumulieren“ an. „Insgesamt kostet das Abkommen bis 2009 Premiere einschließlich der Ausgabe von 16,4 Millionen eigener Aktie an Arena netto rund 480 Millionen Euro. Premiere kann aber einerseits seine Gebühren erhöhen und dürfte andererseits auch der einzige Bieter für die Vergabe der TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga ab 2009 sein“, sagt Tiemann.

Jene an Arena ausgegebenen 16,4 Millionen Premiere-Aktien – das entspricht dem 16fachen Tagesumsatz – könnten den Kurs allerdings mittelfristig belasten. Die Haltefrist endet bereits am 8. August.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%